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Handy für Kinder: Das erste Smartphone

Kinder verlangen ein eigenes Handy – und Eltern wollen den Nachwuchs erreichen können. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Welches Gerät erfüllt welchen Zweck am besten, und welches Abo ist das passendste? Eine kleine Wegleitung.

Früher oder später müssen sich Eltern mit der Frage auseinandersetzen: Wann kaufe ich meinem Kind ein Handy? «Der Zeitpunkt kommt, so viel ist sicher», sagt Daniel Betschart, Programmverantwortlicher Medienkompetenz bei Pro Juventute. 30 Prozent der 8- bis 9-Jährigen und über 60 Prozent der 10- bis 11-Jährigen besitzen eins – und die Zahl steigt.

Handy für Kinder: Was, wann, wofür?

Welcher Zeitpunkt ist nun aber der richtige? «Das Alter allein ist nicht ausschlaggebend», so Betschart. Entscheidend sei vielmehr die Reife des Kindes:

  • Hat es schon Erfahrungen mit Surfen im Internet?
  • Weiss es, welche Inhalte es teilen und konsumieren darf und welche nicht?
  • Kennt es die wichtigsten Sicherheitseinstellungen, damit es sich angemessen vor Gefahren und Risiken schützen kann?
  • Weiss es, dass Inhalte durch das Teilen oft nicht mehr gelöscht werden können und schnell den Weg an die Öffentlichkeit finden?

Über diese Fragen sollten sich Eltern bereits vor dem Smartphone-Kauf Gedanken machen. Sie sollten sie mit dem Kind besprechen – «und begründen, warum die Zeit allenfalls noch nicht reif ist», so Daniel Betschart. Kinder bräuchten zudem die Gewissheit, dass sie sich immer an die Eltern wenden können, wenn bei der Handy-Nutzung etwas Seltsames oder Unerwartetes passiere. «All das ist leider nicht selbstverständlich», sagt Betschart.

Ebenso individuell wie der richtige Zeitpunkt ist aber auch die Wahl des passenden Handymodells. Nebst dem zur Verfügung stehenden Budget spielen dabei auch die Interessen des Kindes eine wichtige Rolle.

Nützliche Informationen

Text: Reto Vogt

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Text: Reto Vogt

Passende Kinderhandys und Tarife

Handy für Kinder, die vorwiegend telefonieren

Leon spielt nach der Schule oft allein oder mit Freunden draussen und muss deshalb im Notfall erreichbar sein oder seine Eltern anrufen können. Noch benutzt er das eigene Handy nicht, um im Internet zu surfen oder Spiele zu spielen.

Passendes Kinderhandy

Wer nur telefonieren muss, braucht nicht unbedingt ein Smartphone mit Internetzugriff, Kamera und allem Drum und Dran. Für Kinder, die mehrheitlich nur telefonieren und Kurznachrichten verschicken, genügt ein sogenanntes Feature-Phone.

Passender Tarif

Prepaid-Pakete sind ideal für Handy-Einsteiger. Für nur 4 Franken pro 30 Tage können Kundinnen und Kunden bei M-Budget Mobile telefonieren, SMS versenden und surfen. Dabei sind 40 Gesprächsminuten, 40 Kurznachrichten sowie 40 MB Daten inbegriffen, danach bezahlt man einen festgelegten Minuten- bzw. SMS-Versandspreis. Die Pauschale wird nach 30 Tagen automatisch erneuert.

Handy für Kinder, die Videos sehen und kreieren wollen

Jana will sich kreativ ausdrücken, viel fotografieren und sich inspirierende Youtube-Videos ansehen. Ihr ist der Austausch mit Freundinnen wichtig, sie möchte ihre Fotocollagen und selbstgeschnittenen Videos online und im Freundeskreis teilen.

Passendes Kinderhandy

Um ihre Kreativität ausleben zu können, brauchen Kinder wie Jana ein leistungsstarkes Smartphone mit guter Kamera, etwa das neue iPhone SE. Es bietet zurzeit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis unter allen Apple-Telefonen. Weniger als die Hälfte kosten Android-Geräte wie das Huawei Mate 20 oder das Samsung Galaxy A40, die sich in puncto Leistung nicht verstecken müssen.

In Sachen Sicherheit ist das iPhone, speziell in ungeübten Kinderhänden, den Android-Geräten jedoch überlegen, weil es weniger Freiheiten zulässt.

Passender Tarif

Streaming von Videos ausserhalb von WLAN verursacht den höchsten Datenverbrauch überhaupt. Je nach Qualität der Videos «frisst» schon eine Minute Videokonsum bis zu 30 MB des Datenvolumens. Nur 15 Minuten Youtube-Konsum pro Tag verursachen also über 13 GB Datenverbrauch pro Monat. Im Alltag dürften die meisten Kinder aber mit WLAN surfen, weshalb kein unlimitiertes Datenvolumen nötig ist. Für 29 Franken pro Monat bietet M-Budget Mobile das «Maxi»-Abo mit unlimitierten Anrufen und SMS sowie monatlich 3GB Datenverbrauch.

Handy für Kinder, die verschiedene Apps benützen

Justin braucht unbedingt ein Handy, weil alle in der Klasse eins haben. Eigentlich weiss er nicht besonders viel damit anzufangen, weil er lieber Bücher liest. Trotzdem benötigt er ein Smartphone, um im Klassenverbund nicht abgehängt zu werden, zumal alle Kameradinnen und Kameraden sich via Social Media und Whatsapp austauschen. Er hat Spotify entdeckt und hört unterwegs liebend gern Musik.

Passendes Kinderhandy

Gefragt ist ein günstiges Smartphone, mit dem Kinder wie Justin die Apps von sozialen Netzwerken installieren können. Immer häufiger wird das Handy auch in den Unterricht integriert. Für diesen Fall eignet sich ein älteres Handy der Eltern oder ein günstiges Modell von Wiko, Nokia oder LG. Alternativ dazu verkaufen Plattformen wie etwa revendo.ch, verkaufen.ch oder m-budget-mobile.ch gebrauchte Smartphones, die geprüft und wiederaufbereitet sind. Im Gegensatz zu Privatkäufen auf anderen Plattformen bieten sie zwölf Monate Garantie.

Passender Tarif

Eine Stunde Musik hören in normaler Qualität verbraucht bei Spotify etwa 40 MB, wenn die Songs nicht heruntergeladen wurden. Deshalb empfiehlt sich auch für Kinder wie Justin ein Abo mit inbegriffenem Datenvolumen wie das «Maxi»-Abo mit unlimitierten Anrufen und SMS sowie monatlich 3GB Datenverbrauch für 29 Franken pro Monat. Oder ein Familien-Abo könnte sich auch lohnen: Mit familyPLUS zahlt pro Haushalt nur einer den vollen Preis. Jedes zusätzliche Abo mit gleicher Leistung kostet nur 19 Franken pro Monat.

Tipps für Eltern

Regeln definieren

Sobald das Kind sein erstes Handy besitzt, sollte man gemeinsam Regeln definieren. Es empfiehlt sich etwa, Ruhezeiten festzulegen: In diesen Phasen ist das Handy auch tagsüber ausgeschaltet oder zumindest nicht in Griffnähe, etwa beim Essen. Sinnvoll sind auch Vereinbarungen zu App-Downloads, Nutzung von Social Media – insbesondere Youtube – und Gaming. Überlegenswert ist eine Kostenbeteiligung des Kindes, damit es das Handy bewusster nutzt und lernt, was etwas kostet und was nicht.

Die Einhaltung der Regeln lässt sich durch technische Mittel überprüfen: beim iPhone mittels Funktion Bildschirmzeit, bei Android beispielsweise über die App «Google Family Link». Eltern sollten sich aber bewusst sein, dass die Nutzung dieser Möglichkeiten die Privatsphäre des Kinds tangiert und das Vertrauensverhältnis trüben kann. Sinnvoll ist es hingegen, den Aufenthaltsort des Kindes ermitteln zu können. So oder so: Wichtig ist, dass Eltern das Nutzungsverhalten des Kindes begleiten und sich etwa mit der Frage auseinandersetzen, welche Apps es auf welche Weise nutzt. Die Zuständigkeit der Eltern endet nicht mit dem Kauf des ersten Handys – sie beginnt erst damit.

Das sagt das Gesetz

Kinder dürfen weder einen Mobilfunkvertrag selbst abschliessen noch eine Prepaidkarte kaufen. Der Gesetzgeber schreibt für Ersteres Volljährigkeit und für Letzteres das Mindestalter 16 vor. Eltern müssen ihre Kinder entsprechend begleiten.

Beliebte Social-Media-Dienste wie Facebook, Instagram, Snapchat, Tiktok, Twitter oder Youtube schreiben das Mindestalter 13 vor, bei Whatsapp beträgt es sogar 16 Jahre. Geprüft wird es allerdings nicht anhand einer Identitätskarte, sondern lediglich durch Anklicken eines Knopfs. Eltern sollten die Nutzung dieser Netzwerke mit ihren Kindern besprechen, vor allem weil sie dort auf erwachsene Nutzer und unerwünschte Inhalte treffen können: Der Konsum von pornografischen und gewaltverherrlichenden Inhalten ist für Minderjährige gemäss dem Schweizerischem Strafgesetzbuch verboten.

Praktisches Zubehör für Smartphones

Foto: Getty Images

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