Medien

Eine Akademie für Gamer

Videospiele können vorteilhaft sein, wenn die Aktivität gut beaufsichtigt wird. Dies ist das Credo der Noetic Academy in Freiburg, die mehrmals wöchentlich junge Spieler empfängt.

Um Punkt 17 Uhr tauchen die Teilnehmer auf. Teenager im Rapper-Look mit fest auf dem Kopf aufgesetzter Kappe und einem Silberkettchen um den Hals. Sie packen ihre Sachen aus: Regenbogentastaturen, Wettkampfmäuse und massgefertigte Matten. An diesem Tag sind sie zu sechst, zwischen 9 und 18 Jahren alt. Ein ganz gewöhnlicher Spielraum? Nicht ganz. Noetic, das 2019 im Herzen von Freiburg eröffnet wurde, präsentiert sich als Videospielakademie: «Es ist ein Raum, in dem sich junge Menschen ohne Altersbegrenzung ausdrücken, experimentieren und soziale Kontakte pflegen können, der aber auch für die Ausbildung von E-Sport-Teams genutzt wird. Wir bieten auf ethischen Grundsätzen basierende Betreuung im Bereich Videospiele», erklärt der 30-jährige Kevin Sanders, der für die Einrichtung verantwortliche Sozialpädagoge.

Die Teilnehmer richten sich ein und nehmen Updates vor. Zwei von ihnen, beide von der Grösse eines Dreikäsehochs, haben Mühe, die Passwörter zu finden. Man kann das Brummen von Fliegen und das Geklapper von Tastaturen hören. Zwei Stunden lang treten die Teilnehmer virtuell auf einer Insel gegeneinander an. Dabei stossen sie auf behelfsmässige Waffen und bauen Schutzwälle. Aufgabe der anwesenden Coaches ist es, die Gruppen zu organisieren und den Ablauf der Operationen zu beobachten, an denen auch sie selbst teilnehmen. «Ich werde mit den Kleinen spielen, um zu schauen, wie die Kommunikation klappt», sagt Joshua Blangiforti. Währenddessen kümmert sich Van My Ho sich um die älteren Kinder.

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Medien Schulkind Teenager

Text: Patricia Brambilla

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Théo Rodriguez
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Théo Rodriguez, 9 Jahre alt

 

«Ich kommen gerne hierher, um zu spielen und Freunde zu finden. Zuhause spiele ich auch ‹FIFA›. Ob ich die Schule oder Gamen bevorzuge? Ich mag die Schule lieber, wegen der Mathematik!»

Sensibilisieren statt verteufeln

Nur um eines klarzustellen: Es geht hier nicht darum, Videospiele zu verteufeln, sondern darum, Ratschläge und technische Tipps zu geben und die Spieler auf bestimmte Probleme aufmerksam zu machen: Stressbewältigung, Spielzeit, aber auch Umgang mit Emotionen oder Teamgeist. «Etwa 30 junge Menschen kommen jede Woche, um Fortnite, League of Legends, Counter-Strike oder Valorant zu spielen. Hier werden sie nicht verurteilt oder unter Druck gesetzt. Man setzt bei der Motivation an», erklärt Kevin Sanders, der sich selbst als grossen Gamer bezeichnet. «Als ich 15 Jahre alt war, übertrieb ich es mit dem Gamen. Meine Schulnoten verschlechterten sich und ich schlief im Unterricht ein. Aber damals waren die Eltern verloren und überfordert. Deshalb versuchen wir heute, junge Menschen zu betreuen, indem wir Erfahrungen austauschen und ihnen Fachwissen vermitteln».

Gaming – ein sexistisches Universum

Deshalb beginnt jede Lektion mit der Lektüre eines Satzes wie «Selbstlosigkeit macht uns zu besseren Menschen», «Einigkeit macht stark» oder «Fair bleiben». Die Sätze werden kurz kommentiert, gefolgt von einer kleinen Diskussion über verschiedene sensible Themen wie Schulden, Rassismus oder gewöhnlichen Sexismus, die in der Welt der Videospiele sehr präsent sind. «Mädchen, die oft Opfer von Cyberstalking werden, müssen ihre Stimme so verändern, dass sie auf den Plattformen nicht mehr erkennbar sind», sagt Sanders, der bedauert, dass keine Mädchen zur Akademie gehören. Aber an diesem Tag geht es um Kinstaar, einen jungen Streamer aus Freiburg, der alles für einen Platz in einem E-Sport-Team in Frankreich aufgegeben hatte. «Viele Teenager idealisieren die Karriere. Sie glauben oft, dass sie für den Durchbruch lediglich mit Leib und Seele dabei sein müssen. Genau wie im Sport muss man ihnen sagen, dass es nicht nur eine Frage des Spielniveaus ist, sondern auch des Geisteszustands, des Lebensstils, des Netzwerks ... Dies hat für Kinstaar funktioniert, ist aber die Ausnahme», betont Kevin Sanders.

Spielpause

Nach einer Stunde Spielzeit pfeifen die Coaches am Ende eines Spiels die für alle obligatorische Halbzeit an. «Los, machen wir eine Pause, bevor wir tot umfallen», verkündet Joshua Blangiforti lächelnd. Alle lassen die Joysticks los und kommen ohne zu murren nach unten, um frische Luft zu schnappen. Die Pause ist heilig und wird eingehalten, denn die Teilnehmer haben verstanden, dass die Leistung nach einer gewissen Zeit nachlässt. Die Kämpfe gehen bis 19 Uhr weiter und die Gamer treten auf der «Map» weiterhin gegeneinander an. Ihre Augen leuchten angesichts dieses neuen amerikanischen Traums: der Beste zu werden, der «König» der Plattformen.

Aber gut zu wissen, dass auch Eltern bald ihren eigenen Workshop haben werden! Ab Oktober dieses Jahres wird sich die Noetic Academy mit verschiedenen Themen befassen, die für Anfänger nützlich sein können. Zum Beispiel: Was ein Videospiel ist, das verborgene Gesicht der Spieleindustrie, die Risiken und Vorteile dieses Universums oder wie man zu Hause mit einem Gamer umgeht ...

Informationen: www.noetic.ch

Elyan Freire
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Elyan Freire, 12 Jahre alt

 

«Es war meine Mutter, die mir vorgeschlagen hat, zur Akademie zu gehen ... Ich spiele zwischen eineinhalb und drei Stunden täglich. Mein Rekord liegt bei vier bis fünf Stunden am Stück, jedoch mit regelmässigen Pausen».

Die 5 Regeln für den Umgang mit Gamern

  1. Bieten Sie ihnen alle 90 Minuten eine Bildschirmpause an. Nach zwei intensiven Partien schmerzen die Augen, die Nervosität nimmt zu und die Leistungsfähigkeit ab.
  2. (Mindestens) 30 Minuten vor dem Schlafengehen mit dem Gamen aufhören, damit der Adrenalinspiegel wieder gesenkt wird und das Gehirn Zeit hat, sich zu beruhigen.
  3. Um die Spielzeit zu begrenzen, stellen Sie beim WLAN einen Timer ein. Ziehen Sie jedoch niemals den Stecker, um den Gamer in einem Spiel zu unterbrechen: Das wäre kontraproduktiv und unhöflich gegenüber seinen Online-Mitspielern.
  4. Bieten Sie dem Gamer Visualisierungs- und Atemtechniken an, damit er lernt, wie er mit übermässigen Emotionen umgehen kann. Junge Gamer gehen oft von Aufregung über Frustration zu Wut über. Sie müssen lernen, all diese Emotionen zu erkennen und zu kontrollieren.
  5. Regen Sie sie dazu an, über Online-Shopping nachzudenken: Welchen Sinn hat es, eine «Haut» (Erscheinungsbild) zu kaufen, die nichts mit den Fähigkeiten seines Charakters zu tun hat? Es ist besser, darüber zu sprechen, wenn man bedenkt, dass sich einige Gamer für ein Videospiel verschulden.

Auswahl an Spielkonsolen und Videospielen

Foto: Nicolas Brodard

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