Erziehung und Entwicklung

Die Pubertät bei Jungs: Wenn der Sohn zum Mann wird

Pubertierende Jungs haben es nicht immer leicht – deren Eltern aber auch nicht. 10 Tipps, die diese turbulente Zeit erleichtern.

Gerade noch der lebensfrohe Junge und plötzlich ein wortkarger oder machohafter Teenager: Entwickeln sich Jungs zum geschlechtsreifen Mann bedeutet das für sie und ihr Umfeld meist jede Menge Stress. Der Körper verändert sich, die Eltern sind auf einmal peinlich und der Konfrontationswille scheint unermüdlich. Die Pubertät löst deshalb nicht nur bei den Jungen selbst Verwirrung aus. Auch die Eltern sind in dieser Phase oft ratlos. Damit diese Zeit für die gesamte Familie nicht zur Belastung wird, hilft es sich als Eltern darüber zu informieren, was die Pubertät in Jungs auslöst.

Wie und wann erfolgt die Pubertät bei Jungs?

Die Vorpubertät beginnt bei Jungen in der Regel später als bei Mädchen. Zwischen dem neunten und 14. Lebensjahr steigt die Produktion des Hormons Testosteron sprunghaft an. Das führt zu Beginn vor allem zu körperlichen Veränderungen: Mit etwa zehn Jahren beginnen die Hoden zu wachsen und die Geschlechtsteile werden fortpflanzungsfähig. Im 12. Lebensjahr spriessen zudem die ersten Schamhaare. Und die Behaarung nimmt auch im Gesicht und am Rest des Körpers nun stetig zu. Auf der Haut können sich zudem Unreinheiten breit machen. Ungefähr mit 13 Jahren setzt der Stimmbruch ein und bis zum 20. Lebensjahr verdoppelt sich die Muskel- und Knochenmasse des Teenagers.

Das zusätzliche Testosteron beeinflusst auch die Emotionen der Jungen. Auseinandersetzungen, Wutausbrüche und Rebellion sind in dieser Phase keine Seltenheit. Das Erwachsenwerden ist für Körper und Geist der Jungen anstrengend. Um sich von den Strapazen zu erholen, brauchen Teenager jetzt oft mehr Schlaf. Es hat also einen Grund, weshalb sie morgens kaum aus den Federn kommen.

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Was löst die Pubertät bei Jungen aus?

Prozesse im Gehirn:

Das Gehirn der Jungen erlebt in der Spätpubertät, ab 17 Jahren, einen grossen Wandel. Weil sich Zellen und Verbindungen verändern, entwickeln sich die kognitiven Fähigkeiten weiter. Der präfrontale Cortex, der für die Gefahreneinschätzung und Selbstwahrnehmung zuständig ist, bildet sich als letztes aus. Das kann bei den Heranwachsenden Leichtsinnigkeit und Verwirrung auslösen. Mit spätestens 25 Jahren ist die Spätpubertät beendet und die Hirnareale vollständig entwickelt.

Der Abnabelungsprozess:

Die Veränderung im Gehirn geht nicht selten mit einer Überdenkung der eigenen Werte- und Normvorstellungen einher. Die Jungen nabeln sich von den Meinungen der Eltern ab und bilden ihre eigene Identität. Das kann auch zu Konflikten innerhalb der Familie führen.

Orientierung an Gleichaltrigen:

Bei der Findung des eigenen Ichs suchen pubertierende Jungen nach Identifikationsfiguren. Eltern kommen dafür nicht in Frage. Vielmehr finden die Jugendlichen im Freundeskreis Zugehörigkeit. Das steigert ihr Selbstwertgefühl und fördert sie auf dem Weg zur eigenen Identität.

10 Tipps: So können Sie als Eltern Ihren Sohn durch die Pubertät begleiten

  1. Machen Sie sich Ihrer Rolle bewusst: Der Abnabelungsprozess von den Eltern ist etwas ganz Normales. Zeigen Sie sich darüber nicht verletzt, sondern akzeptieren Sie, dass sich Ihr Sohn zu einem eigenständigen Menschen entwickelt. Auch wenn es hart klingt: Sie führen mit Ihrem Kind keine Freundschaft. Sie sind dessen Erziehungsberechtigte. Respektieren Sie, dass Ihr Sohn in der Pubertät mit Gleichaltrigen mehr Intimes teilen möchte als mit Ihnen.

  2. Unterstützen Sie Ihren Sohn: Mit dem Erwachsenwerden gehen viele körperliche und psychische Veränderungen einher. Das ist für Ihren Sohn nicht leicht. Dank geballtem Testosteron mögen die Jungs in der Pubertät zwar von aussen taff wirken, im Inneren sind sie jedoch nicht selten unsicher. Zwängen Sie Ihrem Sohn nicht Ihren Rat auf. Machen Sie ihm lieber klar, dass Sie jederzeit ein offenes Ohr für seine Probleme haben.

  3. Zeigen Sie Verständnis: Gefühlsausbrüche sind bei jungen Männern während des Erwachsenwerdens völlig normal. Lassen Sie sich davon nicht provozieren. Machen Sie sich noch einmal bewusst, dass die Hormone Ihres Sohnes gerade verrückt spielen. Will er sich nach hitzigen Diskussionen zurückziehen, sollten Sie ihm diesen Freiraum gewähren. Dadurch entspannen sich Streitsituationen deutlich schneller.

  4. Beobachten Sie Ihren Sohn: Jungs sind als Teenager experimentierfreudig. Gepaart mit der entwicklungsbedingten Leichtsinnigkeit kann das schon mal dazu führen, dass sie Drogen oder Alkohol probieren. Als Eltern löst der Gedanke daran Panik aus. Beginnen Sie, Ihr Kind jetzt zu kontrollieren, grenzt es sich aber nur noch mehr von Ihnen ab. Beobachten Sie stattdessen das Verhalten aufmerksam, sprechen Sie heikle Themen vorsichtig an und seien Sie auch selbst ein gutes Vorbild.

  5. Geben Sie konstruktive Kritik: Hat Ihr Sohn etwas falsch gemacht, sollte er das natürlich von Ihnen erfahren. Fällt die Kritik jedoch zu harsch aus, wird das ohnehin instabile Selbstbewusstsein des Teenagers nur unnötig geschädigt. Jungs machen in solchen Situationen meistens «dicht». Besser: Erklären Sie Ihrem Kind klar und deutlich, dass Sie sich Sorgen machen. Verwenden Sie dafür Ich-Botschaften, wie «Ich mache mir Sorgen, dass …»

  6. Zeigen Sie Vertrauen: Treffen Sie für Ihren Sohn nicht alle Entscheidungen. Bei der Identitätsfindung ist das eigene Handeln und die damit einhergehenden Fehler unabdingbar. Nur wer lernt, für seine Taten Verantwortung zu übernehmen, kann für die Zukunft etwas daraus lernen. Ermutigen Sie Ihren Sohn dazu, selbst solche Entscheidungen zu treffen – das stärkt das Selbstbewusstsein. Ist er unsicher, darf er sich aber selbstverständlich weiterhin Rat bei Ihnen einholen. 

  7. Besprechen Sie das Rollenbild eines Mannes: Nicht selten denken pubertierende Jungs, dass sie anderen nur imponieren, wenn sie ein typisches Machogehabe an den Tag legen. Zeigen Sie ihm als Eltern auf, dass die Männlichkeit nicht auf einem stereotypischen Rollenbild basiert. Das männliche Geschlecht darf genauso Gefühle und Unsicherheiten zulassen wie das weibliche. Denn Coolness hat nichts mit vermeintlicher Stärke zu tun.

  8. Stellen Sie Regeln auf: Damit Ihr Sohn Ihnen nicht auf der Nase herumtanzt, benötigt er feste Regeln. Bei der Festlegung dieser Regeln darf der Teenager ruhig involviert sein. Diskutieren Sie über die einzelnen Punkte sachlich und seien Sie kompromissbereit. Dürfen beispielsweise alle Freunde abends zwei Stunden länger draussen bleiben als Ihr Sohn, sollten Sie mit sich reden lassen. Ansonsten entsteht beim Jugendlichen Frustration. Sind die Abmachungen einmal aufgestellt, sollten sie aber auch eingehalten werden.

  9. Respektieren Sie die Privatsphäre Ihres Sohnes: Zur Pubertät gehört auch die sexuelle Entwicklung. Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Sohn jetzt seinen Körper neu entdeckt. Klopfen Sie an, bevor Sie das Zimmer Ihres Kindes betreten – lassen Sie ihm Freiraum. Und bombardieren Sie Ihren Spross auf keinen Fall mit zu vielen Fragen über seine Sexualität, wenn er nicht darüber sprechen möchte.

  10. Teilen Sie gemeinsame Erfahrungen: Erinnern Sie sich, wie die Pubertät für Sie war. Erzählen Sie Ihrem Sohn davon. Dadurch lernt er, dass er mit seinen Erfahrungen nicht allein ist und Ihnen intime Dinge anvertrauen kann. Doch zwingen Sie Ihren Nachwuchs nicht dazu, im Gegenzug auch etwas von sich preiszugeben – sowas sollte immer freiwillig geschehen.

Extra-Tipp: Bewahren Sie mit physischen Gesten eine Vertrautheit

Obwohl sich Teenager während der Pubertät von ihren Eltern ablösen wollen, sollten Sie trotzdem versuchen eine gewisse Vertrautheit zu Ihrem Kind aufrecht zu erhalten. Umarmen Sie beispielsweise Ihren Sohnemann regelmässig. Lassen Sie nicht zu, dass es sich komisch anfühlt, den eigenen Sohn in die Arme zu nehmen. Auch wenn pubertierende Jungs vielleicht so tun, als würden sie die Umarmung nicht mögen, schätzen sie die physische Geste meistens dennoch. Um eine körperliche Verbundenheit zum eigenen Nachwuchs zu bewahren, helfen neben Umarmungen auch spielerische High-Fives, gut gemeinte Faust-Stupser gegen den Arm oder das Zerzausen der Haare.

Jungs brauchen männliche Bezugspersonen

Jungs gehen mit Männern und Frauen unterschiedlich um. Gegenüber Männern kommunizieren sie anders, teilen andere Interessen und benutzen sogar eine andere Körpersprache. Männliche Bezugspersonen sind für das Selbstbewusstsein und die Identitätsentwicklung der Jungs sehr wichtig. Deshalb sollten Mütter nie versuchen, diese Rolle zu kompensieren. Es muss aber nicht immer zwingend der Vater sein, der zur Bezugsperson wird. Gibt es kein männliches Familienmitglied, kann zum Beispiel regelmässiger Kontakt mit befreundeten Erwachsenen hergestellt werden. Auch der Beitritt in einen Teamsport mit männlichen Teamkammeraden und Trainern oder die Teilnahme an einem Zeltlager helfen.

Weitere hilfreiche Tipps rund um die Pubertät bei Jungs finden Sie in diesen Ratgebern:

  • "Jungen & Pubertät: In Beziehung bleiben, wenn alles anders wird" von Reinhard Winter. Hier bestellen!

  • "Pubertät wenn Erziehen nicht mehr geht: Gelassen durch stürmische Zeiten" von Jesper Juul. Hier bestellen!

  • "Pubertät in Sicht: So begleiten Sie Ihr Kind zwischen 9 und 13" von David Arp und Claudia Arp. Hier bestellen!

Bild: Getty Images

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