Babys drittes Jahr

Wie Kinder spielerisch das Gleichgewicht trainieren

Kinder mit einem ausgeprägten Gleichgewichtssinn bewegen sich sicherer, sind selbstbewusster und sogar besser in der Schule als ihre Klassenkameraden. Wir geben Tipps, wie du spielerisch und dennoch gezielt den Gleichgewichtssinn deines Kindes fördern kannst.

Nützliche Informationen

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Gleichgewichtssinn ist der früheste Sinn, der sich entwickelt – und zwar schon im Babybauch.
  • Macht das Kind die ersten Schritte, ist es bereit für ein Gleichgewichtstraining.
  • Das beste Training für das Gleichgewicht bei kleinen Kindern ist die Bewegung auf unterschiedlichen Untergründen. 
  • Auch unterschiedliche Bewegungsanreize fördern den Gleichgewichtssinn.

Das Gleichgewicht bekommt der Mensch sozusagen in die Wiege gelegt: Der Gleichgewichtssinn ist der erste Sinn, der sich bei einem Embryo bereits während der siebten Schwangerschaftswoche entwickelt. Er ist damit auch die Grundlage für viele andere Vernetzungen im Gehirn während des Wachstums im Babybauch. Schwangere, die sich viel bewegen, fördern schon früh den Gleichgewichtssinn des heranwachsenden Embryos.

Das Gleichgewichtsorgan findet sich im Innenohr. Durch Bewegung des Körpers und somit auch des Kopfs, wird das Organ im Ohr verlagert und stimuliert. Entwicklungsforscher haben herausgefunden, dass dadurch beim Embryo auch zuerst die Nahsinne wie Schmecken, Riechen und Tasten stimuliert werden und später die Fernsinne Sehen und Hören.

Ein guter Gleichgewichtssinn hilft im ganzen Leben

Aber auch nach der Geburt und die ganze Kindheit hindurch können Mütter und Väter ihre Kinder dazu animieren, das Gleichgewicht zu trainieren und zu lernen, die Balance zu halten. Das ist sogar ratsam, weil Kinder selbstbewusster sind, wenn sie sich sicher und ausgeglichen bewegen. Und auch das Gehirn trainiert mit: Auch schulische Fähigkeiten sollen in Verbindung mit einem guten Gleichgewichtssinn stehen, sagen Forscher.

Übungen und Spiele, mit denen du das Gleichgewicht schon beim Baby trainierst:

  • Lege dein Kind nicht immer auf die gleiche Seite 

  • Nimm es oft und auf verschiedene Weisen auf deinen Arm

  • Halte es immer wieder einmal frei im Raum

  • Nimm mit deinem Kind am Baby- bzw. Mutter-/Kind-Schwimmen teil

  • Fordere das Gehirn – zum Beispiel mit Hand-Auge-Koordinationsspielen (z.B. mit einem Softball)

Wie grössere Kinder lernen, die Balance zu halten

Wenn ein Kind gehen kann, ist das Training des Gleichgewichts nicht beendet. Im Gegenteil. Jetzt geht es erst richtig los: Das Kind sollte nun ermutigt werden über verschiedene Untergründe zu gehen. Lege eine weiche Decke auf den Boden und eine gepolsterte Yogamatte, vielleicht auf einen harten Holzboden. Nun lasse dein Kind über alles nach einander laufen. Das Kind muss sich nun jeweils an die Bodenverhältnisse anpassen.

Wird das zu einfach, kannst du ihm kleine Hindernisse in den Weg legen, zum Beispiel ein Kissen oder einen Bauklotz. Auch das wird das Kind im Normalfall schnell bewältigt haben und nach einigen Anläufen ohne Weiteres darübersteigen. Aber wie ist es, wenn es den Parcours auf einem Bein absolvieren muss?

In der nächsten Trainingsstufe wird es sicher noch interessanter, da herausfordernder: Nun kannst du dem Kind, während es geht, einen Softball zuwerfen. Für die motorische Koordinationsfähigkeit ist das eine tolle Übung. Und du wirst dich wundern, wie schnell dein Kind diese kleinen Störungen auf seinem Weg wegstecken wird. Bestimmt fallen dir noch weitere tolle Übungen ein, um so gemeinsam das Gleichgewicht, aber auch das Gehirn zu trainieren. Du wirst staunen, wie schnell dein Kind die Herausforderungen meistert. Ab etwa zwei Jahren ist sicher gehen für die meisten Kinder eben ein Kinderspiel.

Der Alltag ist das ideale Training fürs Gleichgewicht

Doch auch wenn ein Kind sicher geht: Das Gleichgewicht kann noch einiges hinzulernen. Dazu braucht es aber schon etwas mehr Hilfsmittel als zuvor. Viele Möglichkeiten findest du in der nächsten Umgebung, auf Spielplätzen und in der Natur. Die Zeit der Wippen, Roller, Bewegungsbretter ist angebrochen. Rollen, gleiten, wippen, balancieren, aber auch springen, hüpfen und schaukeln – alles fördert den Gleichgewichtssinn der Kleinen und stärkt gleichzeitig den Körper. Die Bewegungen sind dann auch Vorbereitungen für weitere Fähigkeiten, die später erlernt werden, wie zum Beispiel Schlittschuh oder Inline Skates fahren.

Dem natürlichen Balancierdrang der Kinder solltest du nun bei Spaziergängen oder sonstigen Aktivitäten Zeit und Raum lassen. Abgesägte Baumstämme im Wald oder Balance-Spielgeräte auf Spielplätzen sind nun von grösstem Interesse für die Kinder. Auch wenn Sie für uns Erwachsene leicht aussehen, für die Kinder stellen sie teils grosse Herausforderungen dar, die grossen Stolz hervorrufen, wenn sie bewältigt wurden.
 
Du kannst dein Kind noch mehr animieren sich in der Balance zu üben, indem du ihm möglichst viele verschiedene Anreize zur Bewegung bietest. Sobald dein Kind bereit ist, sollte es ein Laufrad und einen Roller zur Verfügung haben. (Achte bitte darauf, dass es dabei einen Helm trägt!) Vor allem das Laufrad ist wiederum eine ideale Vorbereitung für das spätere Radfahren, bei dem der Gleichgewichtssinn ja auch eine bedeutende Rolle spielt.

Woran erkennt man, ob ein Kind einen gestörten Gleichgewichtssinn hat? 

Sobald Kinder die dritte Dimension, also den Raum, entdecken, sich aufrichten, anfangen zu gehen, zeigt sich, ob sie einen gut entwickelten Gleichgewichtssinn haben oder ob das Kind Probleme damit hat. Wie sicher ist das Kind unterwegs? Hat es Freude an der Bewegung? Wichtige Warnsignale sind, wenn das Kind nicht gerne krabbelt oder später keine grosse Lust hat, sich zu bewegen. Spreche dann den Kinderarzt darauf an.

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Foto: Getty Images

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