Ernährungstipp

So essen Kinder jedes Gemüse

Viele Kinder lehnen Broccoli, Rosenkohl oder auch andere Lebensmittel ab. Ernährungsexpertin Marianne Botta erklärt, warum das so ist und wie Eltern das ändern können. Zudem gibt sie Tipps zum Thema Food-Waste.

Manche Kinder probieren gerne Neues, andere überhaupt nicht. Woran liegt das?

Bis zum ersten Lebensjahr essen Kinder fast alles. Danach setzt eine natürliche Skepsis gegenüber Neuem ein, die etwa bis zum sechsten Lebensjahr anhält. Das ist ein Relikt aus der Evolution: Bei neuen Lebensmitteln weiss man nie, ob sie giftig sind. Besonders kritisch sind Kinder deshalb bei sauren, bitteren und sehr farbigen Lebensmitteln. Süsses ist nie ein Problem, weil Süsses in der Natur nicht giftig ist. Wie viel ein Kind in dieser Phase probiert, kommt auf dessen Mut an. Auch bei Teenies kann es wieder Diskussionen um die Ernährung geben. Das rührt aber eher daher, dass die Pubertierenden sich eine eigene Meinung bilden und ihren Lebensstil langsam finden.

Wie bringt man Kinder dazu, kulinarisch offener zu sein?

Das beginnt schon vor der Geburt. Ernährt sich eine Mutter in der Schwangerschaft und beim Stillen vielfältig, zum Beispiel mit Oliven, Vanille, Rosenkohl oder Fenchel, verändern sich das Fruchtwasser und die Muttermilch. Das Kind kennt also bereits eine grössere Palette an Geschmacksrichtungen. Danach spielt die Esskultur eine grosse Rolle: Was leben die Eltern und die älteren Geschwister vor? Probieren sie Neues?Daran orientiert sich ein Kind stark. Tipp: Stellen Sie eine neue Regel auf: Am Esstisch darf nicht übers Essen gemotzt werden. Denn ein einziges «Wäh» kann jüngere Geschwister enorm beeinflussen.

Das Kind lehnt Rosenkohl ab. Soll es trotzdem davon essen?

Es ist ganz wichtig, dass man Kinder nicht zum Essen von bestimmten Lebensmitteln zwingt. Was viele nicht wissen: Bis ein Kind sich an einen neuen Geschmack gewöhnt hat und ihn mag, muss es etwa 15 Mal probieren. Hier heisst probieren nicht herunterschlucken. Bereits an einem halben Rosenkohl zu lecken, zählt. Wichtig ist, nur ganz wenig auf den Teller zu geben. Ein Maiskorn, ein Viertel eines Rosenkohls. Wenn das Kind das Gemüse mag, kann man immer noch nachschöpfen.

Marianne Botta
Bild wird geladen

Marianne Botta

Sie ist Lebensmittelwissenschaftlerin und hat sich auf Ernährungswissenschaften spezialisiert. Mit ihren acht Kindern zwischen 11 und 26 Jahren hat sie viel praktische Erfahrung gesammelt. Sie berät Menschen rund um gesunde und bewusste Ernährung und veröffentlichte verschiedene Bücher zum Thema.

Text: Rahel Schmucki

Nützliche Informationen

Stichwörter

Ernährung

Marianne Botta
Bild wird geladen

Marianne Botta

Sie ist Lebensmittelwissenschaftlerin und hat sich auf Ernährungswissenschaften spezialisiert. Mit ihren acht Kindern zwischen 11 und 26 Jahren hat sie viel praktische Erfahrung gesammelt. Sie berät Menschen rund um gesunde und bewusste Ernährung und veröffentlichte verschiedene Bücher zum Thema.

Text: Rahel Schmucki

Nützliche Informationen

Stichwörter

Ernährung

Tipp - Erstellen Sie eine Art Stempelkarte: Nach jedem Probieren bekommt das Kind einen Stempel oder Sticker. Mag es das Gemüse nach 15 Mal immer noch nicht, soll man es bleiben lassen.

Junge mit Cowboyhut vor einem Teller möchte nicht essen
Bild wird geladen
web.lightbox.openLink

Wie schaffe ich es, dass meine Kinder Gemüse essen?

Es hilft, die Kinder miteinzubeziehen. Wenn sie beim Einkaufen dabei sind, können sie zum Beispiel das Gemüse aussuchen. Wollen sie lieber Broccoli oder Blumenkohl? Auch in der Küche kann man sie einbinden: Viele Kinder helfen gerne beim Kochen und können dabei das Gemüse schneiden und es roh probieren.

Gibt es ein Gemüse, das alle Kinder mögen?

Viele mögen süssliche Gemüse wie Karotten, Mais, Randen, Peperoni; roh fast noch lieber als gekocht. Am meisten gehasst werden Fenchel und Rosenkohl, erstaunlicherweise ist Spinat gar nicht so unbeliebt.

Wie motiviere ich mein Kind, genügend zu trinken?

Ein gesundes Kind verhungert und verdurstet nicht, es holt sich das, was es gerade braucht. Und wie viel Flüssigkeit ein Kind braucht, ist abhängig davon, wie viel es sich bewegt und was es isst. Es sollte trinken,
wenn es Durst hat. Aber nur ungezuckerte Getränke.

Soll man den Kindern Zucker verbieten?

Auf keinen Fall. Spätestens in der Schule oder bei Freunden kommt es mit Süssigkeiten in Berührung. Und etwas Verbotenes wird für die Kinder noch viel interessanter. Hier ist ein moderater Umgang wichtig: Essen Sie gemeinsam ab und zu etwas Süsses, aber verwenden Sie es nie als Belohnung.

Wie kann man verhindern, dass das Kind mit seinem Taschengeld Süssigkeiten kauft?

Das kann man nicht verhindern. Man kann ihm aber den Umgang damit beibringen, indem man ab und zu zusammen mit dem Kind Schleckwaren kauft und isst.

Tipps gegen Food-Waste mit Kindern

Wie geht man vor, damit kein Essen auf dem Teller des Kindes zurückbleibt?

Hier hilft, nur kleine Portionen zu schöpfen; aber ganz verhindern kann man das nicht. Mag das Kind das Essen, kann man immer noch nachschöpfen.

Was kann man tun, wenn dem Kind gar nichts schmeckt?

In diesem Fall sollte man Verständnis zeigen, es ist auch für das Kind nicht einfach. Fährt es zum Beispiel in ein Schullager, schämt es sich oft dafür. Hier hilft nur, zum Probieren zu ermuntern. Man kann Brücken bauen, indem man ein unbeliebtes Gemüse in eine Lieblingsspeise einbaut. Zum Beispiel Pilze auf einer Pizza.

Soll man mit Kindern über Tierhaltung oder Food-Waste sprechen?

Kinder mit einem Bezug zur Landwirtschaft interessieren sich von alleine für die Herkunft von Lebensmitteln. Andere eher weniger. Es ist wichtig, die Fragen der Kinder ehrlich zu beantworten, sie aber auch nicht mit zu vielen Informationen über die verschiedenen Themen zu überfordern.

Wie reagiert man, wenn Kinder plötzlich etwas ablehnen? 

Hier hilft meistens Reden. Hat das Kind zu viel von etwas gegessen? Oder danach eine Magen-Darm-Grippe bekommen? Dann hat es vielleicht schlechte Erinnerungen an ein Lebensmittel. Will ein Kind oder Jugendlicher sich vegetarisch oder vegan ernähren, kann man auch darüber sprechen und zusammen überlegen, wie man den Menüplan umstellen kann. Es ist dabei wichtig, dass sich die Eltern Wissen über diese Ernährungsform aneignen und über ergänzende Nahrungsmittel Bescheid wissen.

Tipp - Jedes Familienmitglied schreibt bis zu fünf Lebensmittel auf, die er oder sie nicht mag. Was aufgelistet ist, muss nicht gegessen oder probiert werden. Wichtig ist hier, dass sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern beteiligen.
 

Was hilft, damit gar nicht erst viele Reste entstehen?

Hier hilft ein Menüplan. So kauft man nur die Menge an Lebensmitteln ein, die man wirklich benötigt.

Und wie kann man Reste am besten verwerten?

Falls man sich trotz Menüplan einmal verkalkuliert, kann man gekochte Speisen einfrieren. Zudem findet man im Internet viele Tipps zur Resteverwertung, die hilfreich sein können.

Weitere Tipps

Probieren geht über Studieren

Lassen Sie Ihre Kinder von allen Speisen immer wieder kleine Portionen probieren. Kinder haben oft eine natürliche Abneigung gegenüber unbekannten Gerichten, doch wenn Sie Ihr Kind nicht probieren lassen, kann es sich auch nicht an einen neuen Geschmack gewöhnen. Studien haben gezeigt, dass ein Kind bis ca. 15 mal probiert haben muss, bis es sich an einen neuen Geschmack gewöhnt hat. 

Joker gewähren

Vielleicht gibt es zwei oder drei Nahrungsmittel, die Ihr Kind auch nach mehrmaligem Probieren kaum runterschlucken kann. Da kann es sinnvoll sein, ihm zwei oder drei Joker zu gewähren. Sie können mit ihm zusammen z.B. drei Gemüsesorten aufschreiben, die es nicht mehr essen muss. Dafür probiert es alle übrigen Gerichte. So können Sie sich und Ihren Kindern ellenlange Diskussionen über unbeliebte Speisen ersparen.

Die Lust am Essen wecken

Die Ablehnung unbekannter Speisen ist ein natürliches Phänomen. Lassen Sie sich deshalb nicht in einen zermürbenden Kampf verwickeln, sondern bringen Sie Ihre Kinder spielerisch auf den Geschmack.

Nicht beirren lassen

Sie bestimmen, was auf den Tisch kommt und Ihre Aufgabe ist es, eine ausgewogene Ernährung im Auge zu behalten. Mögen Ihre Kinder nichts essen, bieten Sie nicht gleich eine Alternative an. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, nur noch das zu kochen, was bei Ihrem Kind ankommt.

Foto: Getty Images

Noch mehr für kleine Feinschmecker

Sooo fein