Babyratgeber

Entspannt durch die Trotzphase: Geduld und Gelassenheit für kleine Trotzköpfe

Wenn das Zweijährige versucht, seinen Willen durchzusetzen, steigt bei Eltern der Stresspegel. Doch die Trotzphase gehört zur gesunden Entwicklung jedes Kindes. Wir erklären, wie Eltern am besten reagieren bei Wutanfällen und trotzigem Verhalten.

Nützliche Informationen

Nützliche Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit ihrem Verhalten wollen trotzende Kinder ihre Eltern nicht ärgern. Ein Trotzanfall signalisiert, dass sie von Wut und Verzweiflung überrollt werden. Doch noch können Kinder ihre Gefühle nicht selbst regulieren.
  • Kinder, die trotzen, brauchen Verständnis. Trotzdem müssen Sie dem Kind nicht nachgeben.
  • Ein wichtiger Tipp: Kompromisse können Druck aus der Situation nehmen.

Die Mundwinkel ziehen sich nach unten, die Unterlippe schiebt sich vor. Eltern von Zweijährigen ahnen es bereits: Gleich wird das Kleinkind beginnen, laut zu schreien und zu wüten. Ein Trotz- oder Wutanfall steht bevor. Warum denn jetzt schon wieder? Ganz einfach: Ihr Kind ist in der Trotzphase.

Scheinbar grundlos wütend

Auch wenn dieses Verhalten Ihres Kindes grundlos wirkt, hat es durchaus seine Ursache. Das Kind hat nämlich einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht. Es hat erkannt, dass es ein eigenständiges Wesen ist. Und damit hat es auch seinen eigenen Willen entdeckt. Doch nicht alle Ideen lassen sich umsetzen. So will das Kind das T-Shirt anziehen, aber nicht den Pullover. Es will auf die Rutsche klettern, aber der Arm reicht noch nicht an die nächste Sprosse heran. Die Mütze soll über die Ohren, aber sie rutscht dauernd weg. Buntes Spielzeug liegt im Laden, aber Mama sagt: «Finger weg! ». Für das Kleinkind sind all das gute Gründe, mit einem Wutanfall zu reagieren.

Wichtig zu verstehen

«Erst zwei Jahre alt und schon eine Zicke», heisst es oft, wenn Kinder sich widersetzen. Doch auch Zweijährige dürfen ihren Willen haben und sich mit ihren Mitteln für ihn einsetzen. Es ist sogar gut, dass sie eigene Ideen entwickeln, die sie umsetzen wollen. Denn das bedeutet: Sie sind auf dem Weg, selbstständiger zu werden. «Das Kind merkt, dass es Einfluss auf das Geschehen um sich herum nehmen kann. Und weil es neugierig ist, will es diese Fähigkeit ausprobieren», erklärt die Erziehungsberaterin, Sozialpädagogin und PEKiP-Gruppenleiterin Brigitte Saurenmann.

Kind in der Sackgasse

Ein Trotzanfall kann Eltern trotzdem mächtig provozieren. Doch das ist nicht das Ziel des Kleinkindes. Kinder wollen ihre Eltern nicht ärgern. Brigitte Saurenmann: «Eine Trotzreaktion ist keine bewusste Handlung des Kindes.» Stattdessen werden Kinder während der Trotzphase von einer Lawine negativer Gefühle überrollt, die sie noch nicht regulieren können. Ein Trotzanfall ist ein Ausdruck von Frustration, Wut und Verzweiflung.

Den Willen lassen?

Saurenmanns Tipp: Haben Sie Verständnis für die Gefühle Ihres Kindes. Auch wenn das nicht immer leicht ist. «Du möchtest dir gern das Spielzeug im Supermarkt anschauen. Ich merke, du bist sehr enttäuscht, weil ich es nicht erlaube.» Verständnis zu haben, bedeutet also nicht, den Trotz gutzuheissen und immer zuzulassen, dass das Kind seinen Willen bekommt. Schliesslich gibt es gute Gründe, ein Kind in seinem Tun auszubremsen. Können und wollen Sie dem Willen Ihres Kindes nicht stattgeben, können Sie kurz den Grund angeben: «Wir haben zu Hause genug Spielzeug. Wir können nachher mit deinem Bagger spielen.»

Die besten Strategien für die Trotzphase

1. Ruhe bewahren
Jetzt gilt es, kein Öl ins Feuer zu giessen und ruhig zu bleiben. Das heisst: Sie sollten Ihr Kind weder zutexten noch an seine Vernunft appellieren. Ein Zweijähriges ist noch zu jung, um in einer solchen Situation auf Vernunft umschalten zu können. Ruhig zu bleiben, fällt leicht, wenn Eltern sich bewusst sind, dass ihr Kind sie nicht ärgern will. Der Trotzanfall wird vorbei gehen. Von dem, was andere jetzt denken, muss sich niemand ablenken lassen. Der eigene Standpunkt zählt. Ihr Kind tritt und haut? Eltern sollten seine Hände festhalten und ganz ruhig sagen: «Stopp, ich will nicht, dass du mich haust. Das tut mir weh», rät Erziehungsberaterin Susanna Fischer, Leiterin der Familienpraxis Stadelhofen in Zürich.

2. Vorbild sein
Vorbild zu sein, bedeutet in diesem Fall, bei einem Wutanfall Ihres Kindes selbst nicht in Trotz zu verfallen. Sätze wie «Ich spiele erst wieder mit dir, wenn du dich entschuldigt hast» setzen das Kind noch mehr unter Druck und führen zu überflüssigen Machtkämpfen. Manchmal hilft ein Kompromiss weiter. «Du möchtest unbedingt das T-Shirt anziehen? Das ist in Ordnung, wenn du den warmen Pullover drunter trägst.» – «Du möchtest gern, dass wir gemeinsam malen? Im Moment habe ich keine Zeit. Aber nach dem Abendessen können wir gemeinsam ein tolles Bild malen.» So lernt Ihr Kind: «Es läuft zwar nicht immer, wie ich will. Aber ich werde ernst genommen.» Darüber hinaus spürt es, dass Konfliktsituationen nichts Bedrohliches sind. «Mama und Papa stehen mir auch zur Seite, wenn wir nicht einer Meinung sind.

3. Wut kontrolliert ablassen
Wohin mit dem Zorn, wenn sie aufwallt? Sie können Ihrem Kind zeigen, was es tun kann, wenn es einen Wutanfall hat. Das Kleinkind lernt so, mit seinen Gefühlen umzugehen. Gibt es ein Kissen im Kinderzimmer, das zu einem Wutkissen ernannt werden kann und auf das es einschlagen darf? Oder einen Eimer, der zum Brülleimer wird, weil das Kind hineinschreien darf?

Auch dieser Spuk geht vorbei

Die Trotzphase gehört zur Entwicklung des Kleinkindes. Sie ist ein wichtiger Schritt auf seinem Weg zur Selbstständigkeit. Nach und nach wird Ihr Kind lernen, seine Gefühle zu regulieren und nicht immer mit einem Wutanfall zu reagieren. Falls Sie dies beruhigt: Der Höhepunkt der Trotzphase ist in der Regel überwunden, wenn das Kind drei Jahre alt wird.

Foto: Getty Images

Weitere Ideen aus der Famigros-Redaktion

Guter
Rat