Babyratgeber

Emotionen erkennen und ausdrücken: Wie Kinder die Welt der Gefühle entdecken

Wie fühlst du dich? Sobald ein Kind anfängt, seine Gefühle auszudrücken, ist das ein grosser Schritt in seiner Entwicklung. Eltern können ihrem Kind dabei helfen, zu lernen seine Emotionen zu verstehen, zu akzeptieren, sie adäquat auszudrücken und auch zu beschreiben. Eine Erkundungstour in die Gefühlswelt unserer Kinder.

Nützliche Informationen

Nützliche Informationen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Schon Babys reagieren auf Gefühle aus der Umgebung.
  • Die Entwicklung emotionaler Kompetenz dauert mehrere Jahre lang und kann von Eltern gefördert werden.
  • Man spricht von fünf Stufen, die gemeistert werden müssen auf dem Weg zur emotionalen Kompetenz. 
  • Ein wichtiger Faktor beim Lernen, mit den eigenen Gefühlen umzugehen, sind Vorbilder.

Lächeln, weinen, schreien – schon im ersten Lebensjahr zeigt ein Baby seine Emotionen, wenn auch ungefiltert. Es lernt aber auch, auf die ausgedrückten Gefühle seiner Umwelt zu reagieren, indem es zum Beispiel zurück lächelt, wenn es in einem anderen Gesicht ein Lächeln sieht oder freundlich angesehen wird. Im zweiten Lebensjahr geschieht viel: Das Kind lernt, Emotionen zu unterscheiden und Gesichts- und Gefühlsausdrücke von anderen zu benennen. Es lernt, wie Freude, Trauer, Wut in fremden Gesichtern aussehen kann: «Mama lacht», «Lily weint», sagt es zum Beispiel. 

Das Kind bekommt in dem Alter auch schon mit, dass man in der Regel nicht schlägt oder laut schreit, wenn man wütend ist. Dabei kann es aber oft noch nicht zwischen seinen eigenen und den Gefühlen der anderen unterscheiden. Dieser Prozess beginnt dann erst im dritten Lebensjahr. Gefühlsmässige Erlebnisse und emotionale Reaktionen kann das Kind nun schon unterscheiden. So kann es sogar durch seinen Gesichtsausdruck bei anderen eine Reaktion hervorrufen. Und es merkt, wie es das zu seinem Vorteil nutzt: Das Kind merkt, dass es andere durch seine bewusst gewählten Emotionen manipulieren kann.

Starke Gefühle: Wie das Kind im Laufe der Jahre lernt, mit Wut, Freude und Angst umzugehen

Kinder lernen also schon früh, Emotionen zu erkennen und zu äussern – sie wissen aber noch nicht, wie sie mit diesen Gefühlen umgehen sollen. Das wird besonders in der Trotzphase ein Thema. In der Trotzphase kann das Kind sich nun zwar verbal besser zu seinen Gefühlen äussern, aber es braucht Hilfe dabei mit ihnen umzugehen. Kindergartenkinder können ihre eigenen Gefühle schon besser beschreiben und auch einordnen. Sie entwickeln sogar Strategien, mit negativen Erfahrungen umzugehen. Trost und Vorschläge für konstruktive Konfliktlösungen tragen in dieser Phase entscheidend zur Entwicklung ihrer emotionalen Intelligenz bei. Kinder können sich jetzt auch schon gut in andere hineinversetzen.

Im Grundschulalter sollten die Grundsteine für emotionale Kompetenz gelegt sein. Siebenjährige können ihre Gefühle differenziert ausdrücken. Sie können Freundschaften eingehen, Kompromisse schliessen, schmerzhafte Gefühle annehmen, konstruktiv mit Konflikten umgehen und auch ihre Emotionen der Situation anpassen.

In fünf Schritten zur emotionalen Kompetenz

In der Pädagogik spricht man oft von fünf Schritten, die den Weg zur emotionalen Kompetenz ausmachen. Um emotionale Kompetenz zu erlangen, muss ein Kind lernen, jede dieser Stufen zu meistern.

Die fünf Stufen:

1) Gefühle mimisch darstellen
2) Gefühle bei anderen mithilfe ihrer Emotionen erkennen
3) Gefühle verbalisieren
4) Die eigenen Gefühle (und Emotionen) verstehen
5) Emotionen regulieren

Positive Vorbilder sind wichtig

Die emotionale Entwicklung hängt mit anderen Entwicklungsbereichen, insbesondere der kognitiven, sprachlichen und sozialen Entwicklung zusammen. Aber auch genetisch bedingte Temperamentsunterschiede spielen eine Rolle: Wie emotional ist ein Kind veranlagt? Einen wichtigen Einfluss haben aber auch die Umstände, unter denen ein Kind sozialisiert wird – zum Beispiel das familiäre Umfeld, die Erfahrungen mit Gleichaltrigen sowie schulische Einflüsse durch Lehrkräfte und andere Bezugspersonen. All diese Faktoren beeinflussen, wie und wann das Kind lernt, mit seinen Gefühlen umzugehen.

Wie in den meisten Erziehungsfragen spielen auch bei der emotionalen Entwicklung des Menschen Vorbilder eine grosse Rolle. Emotionale Kompetenz lernen wir von guten Vorbildern, die uns unterstützen und aktiv fördern. Wie Sie sich als Eltern verhalten, Ihre Gefühle ausdrücken und vor allem in schwierigen Situationen kommunizieren und handeln, spielt hier eine der wichtigsten Rollen.

Worauf Eltern achten sollten:

  • Nehmen Sie Ihre Kinder mit ihren Gefühlen immer ernst. Spielen Sie sie nie herunter. Aussagen wie «Stell' dich nicht so an!» sind ein No-Go!
  • Schulen Sie die Selbstreflexion Ihres Kindes. Lesen Sie ihm Bücher mit Geschichten vor, die von Gefühlen handeln und zeigen, wie die Figuren damit umgehen. 
  • Sprechen Sie mit Ihren Kindern über deren Gefühle, aber auch über Ihre eigenen.
  • Zeigen Sie Ihre Gefühle und sprechen Sie über Ihre eigenen Emotionen. Natürlich in einem zumutbaren Mass für Kinder.
  • Zeigen Sie auch, dass Sie Ihre Emotionen kontrollieren können, wenn es Sinn macht und wie Sie selbst mit schwierigen Situationen umgehen. Kinder lernen so Strategien für den Umgang mit negativen Gefühlen wie Wut, Angst oder Trauer. 
  • Studien haben nahegelegt, dass Jungen eher darin unterstützt werden müssen ihre Emotionen massvoll auszudrücken, wohingegen Mädchen eher körperliche Zuwendung und Ablenkung benötigen, um mit ihren Gefühlen gut umzugehen.
  • Schlagen Sie Ihrem Kind Alternativen zu einer destruktiven Emotion vor. Zum Beispiel anstatt einen anderen zu boxen, wenn man wütend ist, lieber die Energie umzulenken, vielleicht auf eine sportliche Bewegung.
  • Fördern Sie den Kontakt mit Gleichaltrigen, damit dadurch seine Empathiefähigkeit gestärkt wird.

Der Körper spricht mit uns

Die James-Lange-Theorie besagt, dass Gefühle Begleiterscheinungen körperlicher Vorgänge sind. Der US-amerikanische Psychologe schrieb: «Wir sind traurig, weil wir weinen, wütend, weil wir zuschlagen, wir haben Angst, weil wir zittern.»

Foto: Getty Images

Auch damit machen Sie Ihr Baby glücklich

Nicht
verpassen