Babyernährung

Was gehört auf den Kinderteller?

Kinder ausgewogen zu ernähren, ist gar nicht so schwer, weiss Stéphanie Bieler, Fachexpertin Ernährung bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE. Wir haben sie um praktische Tipps für den Familienalltag gebeten.

Zur Person

Stéphanie Bieler arbeitet bereits seit sieben Jahren als Fachexpertin Ernährung für die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE. Ein bewusster, aber gleichzeitig entspannter und vor allem genussvoller Umgang mit dem Thema Ernährung liegt der Mutter eines bald zweijährigen Sohnes beruflich und privat besonders am Herzen. Denn ausgewogen und lustvoll zu essen, steht für sie in keinem Widerspruch.

Stéphanie Bieler
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Stéphanie Bieler

Fachexpertin für Ernährung

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Stichwörter

Kleinkind

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine ausgewogene Kindermahlzeit besteht aus nur drei verschiedenen Nahrungsmittelgruppen.

  • Auch wenn ein Kind viele Nahrungsmittel nicht mag, müssen sich Eltern in der Regel nicht sorgen, dass ihr Kind zu wenige Nährstoffe aufnimmt.

  • Eltern sollten Kinder nicht zum Probieren zwingen und keine Machtkämpfe am Esstisch führen.

  • Kinder probieren mehr Nahrungsmittel, wenn Eltern ein gutes Vorbild sind und selbst gern neue Speisen ausprobieren.

Frau Bieler, was gehört alles auf einen Kinderteller? Wie sieht eine ausgewogene Kindermahlzeit aus?

Auf den Kinderteller gehört grundsätzlich das Gleiche wie auf den Teller für Jugendliche und Erwachsene. Ein ausgewogenes Mittag- oder Abendessen setzt sich neben einem ungesüssten Getränk, aus einem Produkt auf Stärkebasis wie zum Beispiel Kartoffeln, Pasta, Reis oder Brot, aus einem Proteinlieferanten wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte oder Tofu sowie aus Gemüse oder Früchten zusammen.

Viele Eltern sorgen sich, ihr Kind könne zu wenig Mineralstoffe und Vitamine zu sich nehmen. Wie berechtigt sind solche Ängste?

Die Ernährung muss sehr stark eingeschränkt sein, damit ein Kind durch einen Nährstoff-Mangel erkrankt. Zum Beispiel fehlt einer Ernährung, die auf tierische Lebensmittel verzichtet, Vitamin B12. Wird dieser Mangel nicht durch entsprechende Supplemente wie zum Beispiel Vitamin B12-Tropfen ausgeglichen, kann dies die Entwicklung des Kindes negativ beeinträchtigen. Und, um ein anderes Beispiel zu nennen, sollte ein Kind tatsächlich ausschliesslich einseitig gesalzene Pasta mit Butter essen, ist es sicher ratsam, mit dem Kinderarzt zu sprechen. Aber in den allermeisten Fällen können Eltern viel entspannter sein!

Kinder müssen also nicht jeden Tag perfekt essen?

Nein, das müssen sie nicht. Kinder können auch Zeiten, in denen sie weniger Nährstoffe zu sich nehmen, gut überstehen. Unser Körper ist sehr anpassungsfähig: Es gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass er ein knapperes Angebot an bestimmten Vitaminen oder Mineralstoffen durch eine effizientere Aufnahme teilweise wettmachen kann. Ausserdem wird es bestimmt immer wieder Tage geben, an denen der Nährstoff-Bedarf mehr als gedeckt wird.

Viele Kinder mögen kein Gemüse …

Manche Kinder reagieren besonders empfindlich auf Bitterstoffe im Gemüse, weil sie mehr Bitterrezeptoren haben – Sensoren in den Geschmacksknospen auf der Zunge. Und: Geschmäcker sind unterschiedlich – auch bei Erwachsenen. Eltern sollten immer wieder verschiedene Sorten und verschiedene Zubereitungsarten anbieten. Ohne Druck.

Was kann Gemüse ersetzen?

Ich rate davon ab, Gemüse von Anfang an komplett zu ersetzen. Denn Essen zu mögen, ist auch ein Lernprozess, es muss also immer wieder angeboten werden. Gelegentlich lässt sich Gemüse durch Früchte ersetzen: Dann greift das Kind – zum Beispiel beim Grillen – neben Fleisch und Kartoffeln eben nicht zum Salat, sondern zu einem Schnitz Melone, einem Fruchtsalat oder einem Obstdessert. 

Das klingt nach einer guten Nachricht für Eltern!

Ja, Eltern sind oft verkrampft, wenn es um die Ernährung ihres Kindes geht. Mit der Gewissheit, dass ihr Kind doch gesund ist, dürfen sie ruhig viel lockerer sein. Wenn Eltern dem Kind den Druck beim Essen nehmen, machen gemeinsame Mahlzeiten allen mehr Freude.

Damit das Essen Freude macht, könnten Eltern möglichst immer das auf den Tisch stellen, was das Kind sicher mag …

Nein, das ist nicht sinnvoll. Denn auf diese Weise lernt das Kind keine neuen Nahrungsmittel kennen. Das Motto lautet stattdessen: Eltern bestimmen, was auf den Tisch kommt! Und das Kind darf sich davon nehmen, was es will. Es kann deshalb bei kritischen Essern sinnvoll sein, eher einzelne Komponenten zu kochen als Eintopfgerichte.

Sollten Eltern vom Kind verlangen, alles mal zu probieren?

Mein Vorschlag ist, das Kind zum Probieren aufzufordern, aber auf keinen Fall zu zwingen. Ich möchte auch nicht essen müssen, was ich nicht mag! Machtspiele sind auf jeden Fall kontraproduktiv. Eltern können ihr Kind aber ermutigen, zum Beispiel so: «Du kannst an dem Blumenkohl mal schnuppern, daran lecken oder ihn in den Mund nehmen – du darfst ihn aus dem Mund wieder herausnehmen, wenn er dir nicht schmeckt.» Und wenn das Kind nicht mag, was es probiert, können Eltern gelassen bleiben: «Dann bleibt halt mehr für Mama und Papa übrig!»

Wie bekommt man denn ein Kind dazu, Neues auszuprobieren?

Am besten dadurch, dass die Eltern ein gutes Vorbild geben. Sie sollten sich hinterfragen, ob sie selbst aufgeschlossen gegenüber neuen Speisen sind. Oder anders ausgedrückt: Wer möchte, dass sein Kind Salat isst, sollte selbst zum Salat greifen. Und wer möchte, dass sein Kind offener für Neues wird, sollte selbst neugierig sein. So können Eltern beim gemeinsamen Einkauf fragen: «Was möchtest du mal probieren?» Oder sie können sagen: «Schau mal, da liegt Mangold. Den habe ich noch nie zubereitet. Wie schmeckt er wohl?» Manche Kinder entdecken auch beim Gotti oder Götti, bei Freunden und Verwandten neue Lieblingsgerichte, die sich zu Hause gemeinsam nachkochen lassen. Es ist schön, wenn die Familie neugierig ist und gemeinsam Lieblingsgerichte entdeckt!

Foto: Getty Images

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