Schwangerschaft

Geburt und danach: Willkommen im Leben!

Die Spannung steigt – die Geburt steht an! Hier informieren wir Sie zu den vier Geburtsphasen und darüber, was Sie in der unmittelbaren Zeit nach der Entbindung erwartet. Viel Glück!

Schöne und schwierige Momente

Eine natürliche Geburt durchläuft vier Phasen. Die Länge und Intensität dieser Phasen sind jedoch individuell und werden physisch und emotional verschieden erlebt. Letztlich ist keine Geburt gleich wie die andere. 

1. Eröffnungsphase:

Diese Phase dauert am längsten, bei Erstgebärenden in der Regel ca. sechs bis zehn Stunden. Die Wehen kommen in regelmässigen Abständen und halten immer länger an. Gegen Ende treten die Wehen etwa alle zwei Minuten auf und können bis zu 80 Sekunden andauern. Normalerweise kommt es gegen Ende der Eröffnungsphase zum Blasensprung.

2. Übergangsphase:

Während dieser Phase, die etwas kürzer ist als die vorangehende, öffnet sich der Muttermund vollständig, und das Köpfchen des Babys rutscht in den Geburtskanal.

3. Austreibungsphase:

Zu Beginn der dritten Phase werden Sie von Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt dazu aufgefordert, aktiv zu werden und zu pressen, um Ihrem Baby beim Vorankommen zu helfen. Folgen Sie dabei den Anweisungen Ihrer Geburtshelfer. Wenn der Kopf des Babys tief genug ist, können Sie das Pressen einstellen, und die Geburtshelfer nehmen den Kopf langsam in Empfang. Schliesslich gleitet auch der restliche Körper Ihres Kindes heraus – und hinein ins Leben!

4. Nachgeburt:

Während dieser letzten Geburtsphase muss sich die Plazenta vollständig aus der Gebärmutter lösen, damit Entzündungen vermieden werden.

Diese vier Phasen erfordern viel Kraft. Tanken Sie deswegen in den letzten Wochen vor dem errechneten Geburtstermin genügend Energie.

Bauen Sie eine Beziehung zu Ihrem Baby auf

Ihr Baby ist da! Jetzt folgt die spannende Zeit des Kennenlernens und damit das sogenannte Bonding. Bonding ist das englische Wort für Bindung und bezeichnet den ersten Kontakt und die Entwicklung von Liebe und Zuneigung zwischen Mutter und Kind, aber auch zwischen anderen Bezugspersonen wie dem frischgebackenen Vater oder älteren Geschwistern. 

Die erste und wichtigste Zeit für das Bonding findet unmittelbar nach der Geburt statt. Wenn bei der Geburt alles gut verläuft, wird Ihnen oder Ihrem Partner das Neugeborene sofort in die Arme oder auf den Bauch gelegt, noch bevor es untersucht wird ‒ so können Sie und Ihr Kind sich nun auch über den äusseren Körperkontakt kennenlernen. 

Falls Sie zu erschöpft sind oder Ihr Kind aus medizinischen Gründen sofort nach der Entbindung untersucht werden muss, können Sie diese Zeit des Kennenlernens in den nächsten Stunden und Tagen in der Klinik und zu Hause geniessen.

Wichtig sind gleich zu Beginn möglichst viel Hautkontakt und der Austausch zwischen Ihnen und Ihrem Baby, damit sein Urvertrauen gestärkt wird. Um dies zu fördern, bieten viele Kliniken ein Rooming-In an. Das Rooming-In ermöglicht es Ihnen, Ihr Kind 24 Stunden am Tag selber zu pflegen und die erste gemeinsame Zeit in aller Ruhe zu geniessen. Bei Unsicherheiten und Fragen steht Ihnen das Pflegepersonal gerne zur Verfügung. Auch der Vater und die Geschwister haben beim Rooming-In die Möglichkeit, das neue Familienmitglied willkommen zu heissen und kennenzulernen.

Lassen Sie sich selbst und dem Baby Zeit

Sie freuen sich auf die Ankunft Ihres Babys und können sich nichts Schöneres vorstellen, als Ihr Kind endlich in den Armen zu halten. Erschrecken Sie nicht, wenn die Freude dann nicht recht aufkommen mag, Sie sich vor allem erschöpft und unwohl fühlen. 

So geht es vielen frischgebackenen Müttern: Mit diesen Symptomen des so genannten

Baby-Blues haben tatsächlich rund 80 Prozent der Mütter nach der Geburt zu kämpfen.

Seele und Körper benötigen jetzt Zeit, um sich von der anstrengenden Geburt zu erholen und damit sich der Hormonhaushalt wieder stabilisieren kann. Auch die körperliche Trennung von Ihrem Kind, das neun Monate in Ihrem Bauch herangewachsen ist, ist eine grosse Umstellung für Sie und kann in physischer wie psychischer Hinsicht noch ein wenig nachwirken.

Lassen Sie sich durch die mitunter starken Stimmungsschwankungen und Ängste nicht verunsichern, und finden Sie heraus, wie Sie sich am besten entspannen können. Lassen Sie sich und Ihrem Baby Zeit, in die neue Situation hineinzufinden. Meistens verwandeln sich die ersten diffusen Emotionen schnell in ein Gefühl der Erfüllung und des Glücks.

Besonders Ihr Partner kann Sie nun entlasten, indem er sich ebenfalls mit dem Baby beschäftigt, es wickelt oder einfach in den Armen hält, wenn es schläft. Die verwirrenden Gefühle sind bald verflogen, wenn Sie Ihr Baby erst besser kennengelernt und es schon ein paar Mal gestillt haben.

Die erste Untersuchung Ihres Neugeborenen

Direkt nach der Geburt werden Grösse und Gewicht Ihres Babys gemessen, und der Arzt prüft, ob Ihr Kind körperlich gesund ist. Hauptbestandteil dieser Untersuchung ist der sogenannte APGAR-Test; die Buchstaben stehen für Atem, Puls, Grimmassieren (Reaktion), Aussehen und Muskeltonus. Ausserdem erhält das Baby in dieser Erstuntersuchung 2 Milligramm Vitamin K in Tropfenform, das für die Blutgerinnung wichtig ist.

Die zweite Untersuchung bei Ihrem Baby

Zwischen dem 2. und 10. Lebenstag Ihres Kindes, also bevor Sie das Spital verlassen, findet die zweite, sogenannte Früherkennungsuntersuchung oder Basisuntersuchung statt. Noch einmal werden Grösse, Gewicht und Kopfumfang notiert und wird dem Baby Vitamin K verabreicht. Ausserdem wird es noch gründlicher auf Fehlbildungen und Geburtsschäden untersucht. 

Die Ärzte achten dabei auch auf akute Krankheiten wie beispielsweise die Neugeborenen-Gelbsucht. Weiter untersuchen sie das Blut Ihres Babys mittels Guthrie-Test auf mögliche Störungen und Mangelerscheinungen. Zudem wird routinemässig ein Hörtest- sowie ein POX-Screening (Pulsoxymetrie) durchgeführt. Das POX-Screening stellt fest, wie viel Sauerstoff sich im Blut des Babys befindet, und hilft somit, angeborene Herzfehler auszuschliessen. Beide Tests sind schmerzfrei und erfolgen durch Sensoren, die für wenige Sekunden ins Ohr bzw. auf die Haut gehalten werden. 

Hüftscreening auf Wunsch

Ebenfalls noch im Spital kann auf Ihren Wunsch hin ein sogenanntes Hüftscreening durchgeführt werden – das ist eine Routine-Ultraschalluntersuchung, die nur wenige Minuten dauert. Sie dient der Früherkennung von Hüftschäden wie Hüftdysplasien, wobei Mädchen, Kinder aus Beckenendlage und übergewichtige Kinder ein erhöhtes Risiko aufweisen. In dieser Untersuchung erhalten Sie auch Vitamin D-Tropfen für Ihr Baby, als Vorbeugung gegen Rachitis.

Foto: iStock

Noch mehr über die spannenden neun Monate

Guter Rat