Babyratgeber

Endlich windelfrei: So unterstützen Sie Ihr Kind, trocken zu werden

Das Kind plappert, erkundet die Welt, lernt stetig dazu – aber windelfrei will es einfach nicht werden. Was tun? Wir erklären, ob ein gezieltes Töpfchentraining sinnvoll ist und wie Sie Ihr Kind am besten unterstützen.

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0-3 Jahre Baby

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Damit ein Kind trocken werden kann, muss es seine Schliessmuskeln kontrollieren können und braucht eine kräftige Muskulatur im Beckenboden. Dieser komplexe Entwicklungsvorgang braucht seine ganz individuelle Zeit.
  • Ein gezieltes Töpfchentraining, bei dem Kleinkinder mehrmals am Tag aufs Töpfchen gesetzt werden, um sie zur Sauberkeit zu erziehen, gilt heute nicht mehr als empfehlenswert. Kinder lernen dadurch nicht früher, ihre Schliessmuskeln zu betätigen.
  • Kleine Rückschritte sind ganz normal: Machen Sie sich keine Sorgen, wenn doch mal wieder etwas daneben geht, obwohl Sie bereits dachten, Ihr Kind sei trocken. 
     

Das eine Kind braucht tagsüber schon mit zwei Jahren keine Windel mehr. Das andere ist auch mit vier Jahren noch nicht fürs Töpfchen zu begeistern – und manche Mütter und Väter werden zunehmend nervös.

Trocken werden, wie soll das nur gehen? Eltern können beruhigt sein: Das Sauberwerden ist ein Thema, das sich auch ohne viel Zutun ganz von selbst erledigt. Das Wichtigste sind Zuversicht und Vertrauen in das Kind. Zuversicht, weil das Kind Ermutigung braucht. Und Vertrauen in das Kind bedeutet, sich von ihm beim Sauberwerden leiten zu lassen.

Wann ein Kind trocken werden und bleiben kann

Um trocken zu bleiben, müssen mehrere Fähigkeiten entwickelt sein. Das Kind muss verstehen, dass ein Druckgefühl auf der Blase oder im Bauch bedeutet: «Oh, ich muss mal!» Ausserdem muss es seine Schliessmuskeln kontrollieren können. Und es braucht eine kräftige Muskulatur im Beckenboden, damit es auch grössere Mengen Urin halten kann. All das ist ein komplexer Entwicklungsvorgang, der seine ganz individuelle Zeit braucht.

Windelfrei: Der richtige Zeitpunkt

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Das windelfreie Leben lässt sich nicht erzwingen. Irgendwann in den kommenden Wochen oder Monaten wird sich auch das vierjährige Kind von selbst für seine Ausscheidungen interessieren. Dann stellt es Fragen oder gibt ein Signal, wenn es «Kacka» oder «Pipi» machen muss. Der Zeitpunkt ist gekommen, es beim Trockenwerden zu begleiten.

Vielleicht hat Ihr Kind jetzt Lust auf ein Ritual? Wenn Mama oder Papa morgens auf die Toilette gehen, kann es sich mit dem Töpfchen daneben setzen. Oder es klettert anschliessend auf den Toilettenaufsatz. Toll, wenn Eltern erklären, was sie tun: «Jetzt ziehe ich mir die Hose hinunter bis über die Knie.» Und: «Jetzt setze ich mich so hin, dass mein Geschäft gut in der Toilette landen kann.» Beim Kind muss natürlich noch nichts im Töpfchen oder in der Kloschüssel landen. Ist es dennoch der Fall, können sich die Eltern mit ihm freuen.

Keine falsche Scham!

Kinder lernen am besten von Vorbildern, die sie genau beobachten. Denn sie alle wollen gross sein und das können, was Erwachsene ihnen erfolgreich vorleben. Das gilt auch für kleine und grosse Geschäfte. Lassen Sie Ihr Kind also zuschauen, wenn Sie auf der Toilette sitzen. Wenn es danach sogar spülen darf, wird sein Interesse wahrscheinlich noch stärker geweckt.
Und wenn Ihr Kind auf einmal tatsächlich keine Windel mehr anziehen möchte? Ermutigen Sie es und unterstützen Sie es. Vielleicht möchte es nun aufs Töpfchen gehen, einen WC-Aufsatz nutzen oder sich wie die Erwachsenen ganz ohne Aufsatz aufs WC setzen. Lassen Sie Ihrem Kind die Wahl. Manche Kinder lesen auf dem Töpfchen oder dem WC übrigens gerne ein Buch, andere wollen ihr Kuscheltier dabei haben, manche brauchen die Eltern in ihrer Nähe und wieder andere möchten lieber allein sein. 

Wichtig ist, dass Ihr Kind jetzt Hosen trägt, die sich leicht handhaben und herunterziehen lassen. Unterwegs sollten Eltern eine zweite Garnitur in der Tasche haben. Denken Sie dabei auch an trockene Socken!

Bilderbücher: Unsere Tipps

Conni geht aufs Töpchen
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Conni geht aufs Töpfchen

Bilderbücher wie «Conni geht aufs Töpfchen», «Alle müssen mal aufs Klo» und «Musst du Pipi, kleiner Bär?» greifen feinfühlig und manchmal humorvoll das Thema auf. Ganz nebenbei erfahren die Kleinen, woher die Ausscheidungen kommen und wozu die Toilettenspülung da ist.

Irrtum: Töpfchentraining beschleunigt das Sauberwerden

Ein gezieltes Töpfchentraining ist zum Sauberwerden übrigens nicht notwendig. Kinder werden nicht schneller trocken und windelfrei, wenn man sie mehrmals am Tag in vordefinierten Abständen aufs Töpfchen setzt, zeigte die Zürcher Longitudinalstudie der Kinderarztes Remo Largo.

Wieso aber behaupten Grosseltern, früher seien Kinder schneller sauber geworden? Die Auflösung ist einfach. Sie wurden so oft auf das Töpfchen gesetzt, dass sie wenig Gelegenheit hatten, in die Hose zu machen. Sie lernten dadurch aber nicht früher, bewusst einzuhalten oder ihre Schliessmuskeln zu betätigen. Im Unterschied zum gezielten Töpfchentraining von früher dürfen Kinder heute das Töpfchen nutzen, wenn sie sich bereit dazu fühlen und wenn sie selbst spüren, dass sie gleich ein kleines oder grosses Geschäft erledigen sollten.

Gute-Nacht-Tipps für die erste windelfreie Zeit

1.) Wasserdichte Unterlage

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Eine wasserdichte Unterlage verhindert, dass die Matratze nass wird, wenn nachts ohne Windel mal etwas danebengeht. Eine trockene Ersatzunterlage sollte immer bereitliegen.

2.) Trockene Wäsche

Es spart Zeit und Nerven, wenn bereits ein trockener Schlafanzug, ein Betttuch und eine bezogene Bettdecke bereitliegen.

3.) Wanne für nasse Wäsche

Wohin mit der nassen Wäsche in der Nacht? Sinnvoll ist es, einen Plastikbehälter aufzustellen, in den sie sich schnell hineinwerfen lässt. Alternativ können Sie die Wäsche auch bis zum nächsten Tag in die Badewanne legen.

4.) Licht im Haus

Damit es für das Kind einfacher ist, nachts auf die Toilette oder aufs Töpfchen zu gehen, sollte der Weg leicht beleuchtet sein.

Und wann ist das Kind richtig trocken?

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Noch lange nicht! Die meisten Kinder werden zwar im Laufe des dritten und vierten Lebensjahres trocken, doch zu Beginn des fünften Lebensjahres sind noch etwa zehn Prozent der Kinder nicht sauber.

In der Regel beherrschen Kinder das seltenere grosse Geschäft schon ganz gut, während das kleine Geschäft noch oft in die Hose geht. Und was tagsüber klappt, muss nachts im tiefen Schlaf auch zu Beginn des Grundschulalters noch nicht immer funktionieren. Viele Kinder sind daher zunächst nur tagsüber windelfrei.

Machen Sie sich auch bei kleinen Rückschritten keine Sorgen. Sie dachten bereits, Ihr Kind sei trocken – und dann geht doch wieder etwas in die Hose? Das ist wie bei jedem anderen Entwicklungsschritt Ihres Kindes ganz normal. Vor allem wenn ein kleines Geschwisterchen kommt, wenn Ihr Kind krank ist, es Spannungen in der Familie gibt oder Sie gerade umgezogen sind, ist es gut möglich und mehr als verständlich, dass nicht immer alles zuverlässig im Töpfchen oder im WC landet.

Windelfrei ab der Geburt: Geht das wirklich?

Bei Kleinkindern bemerken Eltern mit der Zeit, dass sie bestimmte Signale senden, wenn sie mal müssen. Tatsächlich sind solche Signale auch beim Baby zu beobachten – und zwar schon ab dem Tag ihrer Geburt. Die Kunst für Eltern liegt darin, sie richtig zu deuten. Dann brauchen sie kaum noch Windeln für Ihr Baby. Solche Signale können etwa eine plötzliche Unruhe, verstärktes Zappeln, Probleme beim Anlegen an die Brust oder Grimassen sein.

Aber was tun, wenn Eltern ein solches Signal bemerken? Das Stichwort heisst «Abhalten»: Über einem Becken, der Toilette oder unterwegs über einem Grünstreifen können Sie Ihr Baby abhalten, so dass es sein Geschäft verrichten kann. Auch nachts kann das Abhalten gelingen, denn die Kleinen geben selbst im Schlaf ein Signal, dass sie mal müssen. Das Baby wird zum Beispiel unruhig oder verkneift sein Gesicht.

Vollständig verzichten allerdings die wenigsten Eltern, die ihr Baby von Geburt an abhalten, auf Windeln. Denn bei längeren Autofahrten oder draussen in der Kälte kann sich das Konzept schwierig gestalten. Dem Baby hin und wieder eine Windel anzuziehen, schmälert den Erfahrungen von Hebammen und Eltern zufolge den Erfolg der Methode aber nicht. 

Foto: Getty Images

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