Babyernährung

Stillen: Muttermilch als optimale Ernährung fürs Baby

Marianna Botta Diener
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Marianne Botta Diener

Lebensmittelingenieurin

Sie ist ausserdem Mutter von acht Kindern und erfolgreiche Buchautorin.

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Stillen 0-3 Jahre

Stillen ist eine mögliche Form der Ernährung Ihres Babys nach der Geburt. Wir zeigen Ihnen, wie sich die Brust vor und nach der Stillzeit verändert und worauf Sie während der Stillzeit achten sollten.

Um Ihnen und Ihrem Kind einen guten Start in eine entspannte Stillzeit zu ermöglichen, haben wir für Sie hilfreiche Informationen sowie ein paar Tipps und Tricks zusammengestellt.

Die richtige Ernährung für Babys

Muttermilch enthält alles, was Ihr Kind zum Wachsen und Gedeihen benötigt: Wasser, Eiweiss, Fett, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Vitamine, Eisen, Immun- und Abwehrstoffe. Deshalb ist sie die optimale Ernährung für Ihr Kind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Babys in den ersten sechs Monaten ausschliesslich mit Muttermilch zu ernähren. Ein Kind kann bis ins zweite Lebensjahr und darüber hinaus gestillt werden. Es sollte allerdings ab sechs Monaten zusätzlich Beikost wie zum Beispiel Brei erhalten.

Nicht jede Frau entscheidet sich fürs Stillen, aus verschiedenen Gründen. Die Wahl der „richtigen“ Ernährung für Ihr Baby ist Ihre persönliche Entscheidung. Lassen Sie keine Schuldgefühle hochkommen, wenn Sie sich als Mutter gegen das Stillen aussprechen oder es bei Ihnen mit dem Stillen nicht klappen will. Die Hauptsache ist, dass sich Mutter und Kind wohlfühlen – und dies ist mit Pulvermilch genauso gut möglich wie mit Muttermilch.

Wenn Sie unsicher sind bezüglich der richtigen Ernährung für Ihr Baby, lassen Sie sich von Fachpersonen wie Gynäkologin, Hebamme oder Stillberaterin unterstützen.

Wie sich die Brust während der Schwangerschaft verändert

Die meisten Frauen beobachten in der Schwangerschaft, dass ihre Brust grösser wird und sich die Brustwarze und der Warzenhof dunkel verfärbt. Bei einigen Frauen tritt in den letzten Monaten oder Wochen der Schwangerschaft auch bereits Vormilch aus. Dies steht in keinem Zusammenhang mit der eigentlichen Fähigkeit, Milch zu produzieren. Deshalb gibt es auch keinen Grund zur Besorgnis, sollte dies bei Ihnen nicht der Fall sein. Auch hat die Brustgrösse keinen Einfluss auf die spätere Milchmenge: Eine kleine Brust kann genauso viel Milch produzieren wie eine grössere Brust.

Normalerweise richtet sich eine Brustwarze bei Kälte auf. Bei einer Flachwarze geschieht dies wenig oder gar nicht. Zieht sich die Brustwarze sogar ins Brustgewebe zurück, wird von einer Hohlwarze gesprochen. Hier kann eine spezielle Vorbereitung auf das Stillen nötig sein, beispielsweise mit Brustwarzenformern.

Durch das Tragen von Brustwarzenformern wird das Aufrichten der Brustwarze unterstützt. Es ist sinnvoll, die Former bereits in der Schwangerschaft zu tragen – etwa ab dem fünften Schwangerschaftsmonat. Wenn Sie unter vorzeitigen Wehen leiden, dürfen die Former allerdings nicht getragen werden. Manipulationen an den Brustwarzen könnten zum Zusammenziehen der Gebärmutter führen. Stellt sich das Problem der Brustwarzen erst beim Stillen heraus, können die Former auch dann noch helfen.

Beschwerden beim Stillen vorbeugen

Wunde Brustwarzen vermeiden Sie, indem Sie das Baby von Anfang an korrekt an die Brustwarze ansetzen. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, die Brustwarze schon während der Schwangerschaft abhärten zu wollen. Die Behandlung mit Zahnbürsten, Frottiertüchern, Zitronensaft usw. könnte die Haut verletzen. Zudem kann das Rollen oder Zupfen der Brustwarzen frühzeitige Wehen auslösen oder zu einer Brustentzündung in der Schwangerschaft führen. Gegen das Eincremen, das Berühren und Abtasten der Brust, wie Sie es bisher getan haben, spricht hingegen nichts.

Wenn Sie bei einem früheren Kind Stillprobleme hatten oder Sie das Gefühl haben, mit Ihrer Brust oder Brustwarze stimme etwas nicht, ist es sinnvoll, schon in der Schwangerschaft Kontakt mit einer Fachperson aufzunehmen.

Als Vorbereitung der Brust aufs Stillen reicht es, wenn ab und zu Luft an die Brustwarze kommt. Soweit es für Sie angenehm ist, können Sie zuhause auch zeitweise Ihren BH ausziehen. Auch ein kurzes Sonnenbad kann der Haut gut tun – natürlich sollten sie dabei die Sonnencrème nicht vergessen. Verzichten Sie auf ein übermässiges Einseifen Ihrer Brustwarzen, um den natürlichen Schutz der Haut nicht zu zerstören.

Stillen im Spital oder Geburtshaus

Sicher werden Sie sich im Verlauf der Schwangerschaft Gedanken darüber machen, wo Sie Ihr Kind zur Welt bringen möchten. Im Hinblick auf das Stillen ist es sinnvoll, vorgängig abzuklären, welche „Stillkultur“ in einem Spital gelebt wird. Viele Kliniken und Geburtshäuser bieten Führungen an, bei denen Informationen abgegeben werden und Fragen gestellt werden können.

Die meisten Kliniken und Geburtshäuser legen Wert darauf, das Neugeborene frühestmöglich zu stillen. Zudem gibt es von der UNICEF ausgezeichnete Spitäler, die das Stillen unterstützen, fördern und dadurch den Stillstart erleichtern. Vielleicht wünschen Sie schon während der Schwangerschaft ein erstes Gespräch mit einer Stillberaterin oder Hebamme.

Tipp: Die obligatorische Grundversicherung deckt die Kosten von drei Stillberatungen durch eine ausgebildete Stillberaterin oder Hebamme.

Stillen mit Zwillingen oder Drillingen

Wenn Sie Zwillinge oder Mehrlinge erwarten, interessiert es Sie bestimmt, dass Sie durchaus zwei Kinder voll stillen können. Wenden Sie sich schon in der Schwangerschaft an eine Fachperson. Diese wird mit Ihnen über die verschiedenen Möglichkeiten der Baby-Ernährung sprechen. Überlegen Sie sich auch, welche Hilfe Sie nach der Geburt zuhause benötigen, damit Sie sich um Ihre Kinder kümmern können.

Tipps für einen gelungenen Stillstart

Wenn Sie sich dafür entschieden haben, Ihr Baby zu stillen, teilen Sie dies der Hebamme im Gebärsaal mit. So wird das Baby schon innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt das erste Mal an die Brust gelegt und es erhält seine erste Mahlzeit. Die erste Milch nennt man Kolostrum oder Vormilch. Sie funktioniert wie eine „natürliche Impfung“ für Ihr Kind, da sie viele Abwehrstoffe enthält. Durch das Saugen an der Brust und das feinabgestimmte Zusammenspiel der Hormone ziehen sich die Muskelzellen in der Brust und Gebärmutter zusammen. In der Brust lösen diese Kontraktionen den Milchspendereflex aus, in der Gebärmutter die sogenannten Nachwehen. Sie werden von vielen Müttern als Bauchschmerzen wahrgenommen und schwächen sich von Tag zu Tag ab.

Damit die Milchbildung angeregt wird, sollten Sie Ihr Baby in den ersten Tagen so oft zum Stillen anlegen, wie es danach verlangt. Das ist in der Regel etwa alle zwei bis vier Stunden der Fall. Wiederholtes und häufiges Stillen – Neugeborene wollen auch in der Nacht gestillt werden – verkürzt die Zeit bis zum Milcheinschuss respektive zur initialen Brustdrüsenschwellung. Diese Brustschwellung kündigt sich meist um den dritten bis fünften Tag nach der Geburt an. Einige Frauen bemerken ein Anschwellen und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Brüste.

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie alles richtig machen, beantwortet Ihnen Ihre Hebamme oder Stillberaterin jederzeit Fragen.

Was tun, wenn Beschwerden auftreten?

Bei Beschwerden können vor dem Stillen wärmende Wickel und eine leichte Brustmassage helfen. Meist fliesst dann die Milch besser. Linderung verschaffen auch kühlende Kompressen, die Sie nach dem Stillen auflegen. Die Pflegefachpersonen auf dem Wochenbett oder Ihre Hebamme geben diesbezüglich gerne Tipps.

Viele Frauen machen die Erfahrung, dass sie in der ersten Zeit nach der Geburt traurig gestimmt sind und grundlos weinen müssen. Früher nannte man dies die Weintage, heute spricht man vom Babyblues. Er hat mit dem veränderten Hormonspiegel zu tun und verschwindet meist so schnell, wie er gekommen ist. Hält er sich aber hartnäckig und kommen Sie einfach nicht mehr so recht in die Gänge, sprechen Sie unbedingt mit einer Fachperson. Es könnte sich um eine postnatale Depression handeln, die Sie mit Unterstützung Ihrer Ärztin behandeln sollten.

Wie viel Milch braucht mein Baby?

Mit der initialen Brustdrüsenschwellung verändert sich neben der Milchmenge auch die Zusammensetzung Ihrer Milch. Nach zehn bis 14 Tagen spricht man von der reifen Muttermilch. Die Zusammensetzung der Milch passt sich optimal den Bedürfnissen Ihres Kindes an. Da sich nicht alle Kinder an die gleichen Abstände zwischen dem Stillen halten, kann es auch sein, dass sich Ihr Baby vor Ablauf der zwei Stunden wieder für eine Mahlzeit meldet.

Dies kann gerade in der ersten Zeit und in Phasen eines gesteigerten Bedarfs an Muttermilch aufgrund besonderer Wachstumsschübe beim Kind absolut normal sein. Ihre Brust wird dadurch sehr gut angeregt und erhält damit den Impuls, mehr zu produzieren. Weitere Informationen rund ums Stillen erhalten Sie unter anderem auch bei der Stillförderung Schweiz.

Die Ernährung der Mutter während der Stillzeit

Durchs Stillen verbrennen Sie rund 500 Kilokalorien mehr pro Tag. Diese Kalorien sollten Sie durch eine ausgewogene Ernährung während der Stillzeit wettmachen. Eine spezielle Diät ist aber nicht notwendig. Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend hochwertige Nährstoffe zu sich nehmen. Wissenswert ist auch, dass die Qualität der Muttermilch davon abhängt, was Sie essen und trinken. Sie tun also nicht nur sich selbst etwas Gutes, wenn Sie gesund und genügend essen, sondern auch dem Baby.

Wie Sie auch während der Arbeit Stillen können

Das Schweizer Recht sieht vor, dass stillende Frauen im ersten Lebensjahr des Kindes während der Arbeitszeit stillen oder Milch abpumpen können. Wenn Sie sich dafür vom Arbeitsplatz entfernen müssen, gilt die Hälfte der Zeit, die Sie dafür aufwenden, als Arbeitszeit. Soviel zur Theorie. In der Praxis lässt sich Stillen und Arbeiten nicht in allen Betrieben gleich einfach handhaben. Es lohnt sich deshalb, diesen Punkt mit Ihrem Vorgesetzten zu besprechen, bevor Sie die Arbeit wieder aufnehmen.

Lassen Sie sich während Ihres Mutterschaftsurlaubes von einer Fachperson beraten, wie Sie Ihr Kind während Ihrer Arbeitszeit ernähren können, ohne dass Sie als Mutter physisch präsent sein müssen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Milch abzupumpen und kühl zu lagern.

Wenn Sie mehr über den rechtlichen Aspekt des Stillens während der Arbeitszeit erfahren möchten, konsultieren Sie beim Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen IBCLC (BSS) die Schrift des SECO «Mutterschaft – Schutz der Arbeitnehmerinnen».

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