Erziehung und Entwicklung

Jugendlohn: Ab wann und wie funktioniert es?

Smartphone, Hobbys, Klamotten, das ÖV-Abo - alles kostet Geld. Wie man die richtigen und wichtigen finanziellen Entscheide trifft, das müssen Jugendliche zuerst lernen. Wir haben bei Fachleuten nachgefragt, was Eltern im Umgang mit dem Jugendlohn wissen sollten.

Jugendlohn® ist nicht wie Taschengeld. Taschengeld ist ein Zustupf für Freizeitaktivitäten, Spielwarenbeschaffung oder zum "Krömle". Beim Lohn geht es um Eigenverantwortung. Und darum, dass Jugendliche mit eigenem Lohn ein Preisbewusstein entwickeln. Experten empfehlen, dass Eltern und Jugendliche einen Vertrag zusammen aufsetzen - dort wird der Betrag festgesetzt und welche Alltagskosten die Jugendliche selber tragen. Auch Ämtli, Freizeit und Verantwortung für Hausaufgaben können damit geregelt werden.

Der Verein Jugendlohn hat in Studien erhoben, dass Eltern generell beobachteten, dass ihre Kinder mit der Einführung des Jugendlohnes mehr Autonomie und Selbstverantwortung in Geldfragen erwerben, dass sie preisbewusster werden und sorgfältiger mit dem eigenen Geld umgehen.

Nützliche Informationen

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Experteninterview zum Thema Jugendlohn

«Ziel ist es, dass Jugendliche mehr Sicherheit in Finanzentscheidungen erhalten»

Warum soll ein Jugendlicher Lohn erhalten?

Der Jugendlohn ist für Jugendliche eine gute Möglichkeit, eigene Erfahrungen mit Geld zu sammeln und somit einen bewussten Umgang zu erlernen. Mit der Verantwortung über das Geld für eigene Belange, beginnen sie, sich Gedanken zu machen, was sie sich leisten können und für was sie es ausgeben möchten. Es geht unter anderem darum, Preise und Angebot zu vergleichen, Entscheidungen zu treffen, den Sachen Sorge zu tragen und zu lernen, längerfristig zu planen und für grössere Wünsche zu sparen.

Geht das mit Sackgeld nicht?

Beim Taschengeld geht es um Geld, das Kindern für ihre Freizeit zur Verfügung steht. Oft machen Kinder mit Taschengeld die ersten eigenen Erfahrungen mit Geld. Sie müssen damit jedoch nichts Notwendiges kaufen. Der Jugendlohn beinhaltet Geld für notwendige Anschaffungen. Eltern übergeben ihrem heranwachsenden Kind mehr Selbständigkeit und Verantwortung für ihre Lebenskosten. Jugendliche verwalten das Geld für Kleider, Handy, ÖV, Frisör, Sport usw.

Was ist der Lerneffekt?

Eine Studie zum Jugendlohn zeigt, dass das Modell dazu führt, dass Jugendliche mehr Sicherheit in Finanzentscheidungen erhalten und lernen, Konsumwünsche gegen notwendige Anschaffungen abzuwägen. Zudem entlastet es die Eltern und führt zu positiven Beziehungen zwischen Eltern und Kindern während der Pubertät.

Wann ist das beste Alter, mit dem Jugendlohn zu beginnen?

Wir empfehlen den Jugendlohn ab 12 Jahren. Kinder in diesem Alter können ihre Bedürfnisse sorgfältig abwägen, haben nicht so grosse Konsumwünsche wie ältere Jugendliche und holen sich gleichzeitig noch gerne Rat bei ihren Eltern. Natürlich kann man auch zu jedem späteren Zeitpunkt mit dem Jugendlohn beginnen. Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Einführung bei älteren Jugendlichen schwieriger sein kann. 

Was, wenn sich Kinder unfair behandelt fühlen, weil Freunde mehr Geld bekommen?

Damit sich Kinder auf den Jugendlohn einlassen wollen, ist es wichtig, dass sie sich etwa dasselbe leisten können wie bisher, wenn die Eltern für sie die Kosten tragen. Durch den Jugendlohn soll kein finanzieller Vor- oder Nachteil entstehen – weder für das Kind noch für Eltern.

Was ist der durchschnittliche Jugendlohn in der Schweiz?

Die Höhe des Jugendlohns variiert je nach Familie stark. Zentral ist, dass der Jugendlohn dem aktuellen Lebensstandard entspricht und ins Familienbudget passt. Bezahlt ein Jugendlicher z.B. nahezu all seine Lebenskosten, ist der Jugendlohn höher als bei Jugendlichen, die nur Kleider und Handy bezahlen müssen. Die Hälfte der Jugendlichen bekam gemäss Studie einen monatlichen Jugendlohn zwischen 100 und 200 Franken, jeder fünfte hatte zwischen 200 und 300 Franken zur Verfügung. 

Ein Neben- oder Ferienjob kann Jugendlichen helfen, zusätzliches Geld verdienen.

Pro Juventute
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Sabrina Wachter

Programmverantwortliche Finanzkompetenz bei Pro Juventute

Jugendlohn - Tipps für Eltern

  • Erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ein Budget und stellen Sie klare, aber einfache Regeln auf, was von Ihnen und was von Ihrem Kind bezahlt wird. 
  • Geben Sie Ihrem Kind den Raum, eigene Erfahrungen im Umgang mit Geld zu machen, Fehler zu korrigieren und daraus zu lernen.
  • Begleiten Sie Ihr Kind beratend und unterstützend.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über den Umgang mit Geld und seine Konsumwünsche.
  • Weil die Jugendlichen mit dem Jugendlohn statt dem Taschengeld plötzlich über deutlich mehr Finanzmittel und Budgetverantwortung verfügen, empfiehlt es sich möglicherweise, in einer ersten Phase den Jugendlohn wöchentlich statt monatlich auszuzahlen. 
  • Vermeiden Sie es, bei finanziellen Engpässen Ihrem Kind mit zusätzlichem Geld auszuhelfen.

Jugendliche und Sparen

Geldsparen ist nicht einfach. Ein Jugendkonto hilft Ihrem Teenager besser mit dem Taschengeld und Jugendlohn umzugehen. Wir haben mit den Migros-Bank-Experten gesprochen und Tipps gesammelt, wie Teenager mit einem Jugendkonto mehr aus ihrem Taschengeld oder Jugendlohn holen können. Lesen Sie mehr dazu hier

Praktische Portemonnaies

Foto: Getty Images

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