Babyernährung

Stillen: Muttermilch als optimale Ernährung fürs Baby

Wir zeigen dir, wie sich die Brust vor und nach der Stillzeit verändert und worauf du während der Stillzeit achten solltest.

Marianna Botta Diener
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Marianne Botta Diener

Ernährungsexpertin

Nützliche Informationen

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Baby Babyernährung

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Baby Babyernährung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Als optimale Vorbereitung auf das Stillen hilft es, während der Schwangerschaft ab und zu den BH auszuziehen. 
  • Damit die Milchbildung angeregt wird, solltest du dein Baby in den ersten Tagen so oft zum Stillen anlegen, wie es danach verlangt. 
  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Babys in den ersten sechs Lebensmonaten ausschliesslich mit Muttermilch zu ernähren. 

Um dir und deinem Kind einen guten Start in eine entspannte Stillzeit zu ermöglichen, haben wir für dich hilfreiche Informationen sowie ein paar Tipps und Tricks zusammengestellt.

Die richtige Ernährung für Babys

Muttermilch enthält alles, was dein Kind zum Wachsen und Gedeihen benötigt: Wasser, Eiweiss, Fett, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Vitamine, Eisen, Immun- und Abwehrstoffe. Deshalb ist sie die optimale Ernährung für dein Kind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Babys in den ersten sechs Monaten ausschliesslich mit Muttermilch zu ernähren. Ein Kind kann bis ins zweite Lebensjahr und darüber hinaus gestillt werden. Es sollte allerdings ab sechs Monaten zusätzlich Beikost wie zum Beispiel Brei erhalten.

Nicht jede Frau entscheidet sich fürs Stillen, aus verschiedenen Gründen. Die Wahl der „richtigen“ Ernährung für dein Baby ist deine persönliche Entscheidung. Lasse keine Schuldgefühle hochkommen, wenn du dich als Mutter gegen das Stillen aussprichst oder es bei dir mit dem Stillen nicht klappen will. Die Hauptsache ist, dass sich Mutter und Kind wohlfühlen.

Wenn du unsicher bist bezüglich der richtigen Ernährung für dein Baby, lasse dich von Fachpersonen wie Gynäkologin, Hebamme oder Stillberaterin unterstützen.

Wie sich die Brust während der Schwangerschaft verändert

Die meisten Frauen beobachten in der Schwangerschaft, dass ihre Brust grösser wird und sich die Brustwarze und der Warzenhof dunkel verfärbt. Bei einigen Frauen tritt in den letzten Monaten oder Wochen der Schwangerschaft auch bereits Vormilch aus. Dies steht in keinem Zusammenhang mit der eigentlichen Fähigkeit, Milch zu produzieren. Deshalb gibt es auch keinen Grund zur Besorgnis, sollte dies bei dir nicht der Fall sein. Auch hat die Brustgrösse keinen Einfluss auf die spätere Milchmenge: Eine kleine Brust kann genauso viel Milch produzieren wie eine grössere Brust.

Normalerweise richtet sich eine Brustwarze bei Kälte auf. Bei einer Flachwarze geschieht dies wenig oder gar nicht. Zieht sich die Brustwarze sogar ins Brustgewebe zurück, wird von einer Hohlwarze gesprochen. Hier kann eine spezielle Vorbereitung auf das Stillen nötig sein, beispielsweise mit Brustwarzenformern.

Durch das Tragen von Brustwarzenformern wird das Aufrichten der Brustwarze unterstützt. Es ist sinnvoll, die Former bereits in der Schwangerschaft zu tragen – etwa ab dem fünften Schwangerschaftsmonat. Wenn du unter vorzeitigen Wehen leidest, dürfen die Former allerdings nicht getragen werden. Manipulationen an den Brustwarzen könnten zum Zusammenziehen der Gebärmutter führen. Stellt sich das Problem der Brustwarzen erst beim Stillen heraus, können die Former auch dann noch helfen.

Beschwerden beim Stillen vorbeugen

Wunde Brustwarzen vermeidest du, indem du das Baby von Anfang an korrekt an die Brustwarze ansetzt. Lasse dich nicht dazu verleiten, die Brustwarze schon während der Schwangerschaft abhärten zu wollen. Die Behandlung mit Zahnbürsten, Frottiertüchern, Zitronensaft usw. könnte die Haut verletzen. Zudem kann das Rollen oder Zupfen der Brustwarzen frühzeitige Wehen auslösen oder zu einer Brustentzündung in der Schwangerschaft führen. Gegen das Eincremen, das Berühren und Abtasten der Brust, wie du es bisher getan hast, spricht hingegen nichts.

Wenn du bei einem früheren Kind Stillprobleme hattest oder du das Gefühl hast, mit deiner Brust oder Brustwarze stimme etwas nicht, ist es sinnvoll, schon in der Schwangerschaft Kontakt mit einer Fachperson aufzunehmen.

Als Vorbereitung der Brust aufs Stillen reicht es, wenn ab und zu Luft an die Brustwarze kommt. Soweit es für dich angenehm ist, kannst du zuhause auch zeitweise deinen BH ausziehen. Auch ein kurzes Sonnenbad kann der Haut gut tun – natürlich solltest du dabei die Sonnencrème nicht vergessen. Verzichte auf ein übermässiges Einseifen deiner Brustwarzen, um den natürlichen Schutz der Haut nicht zu zerstören.

Stillen im Spital oder Geburtshaus

Sicher wirst du dir im Verlauf der Schwangerschaft Gedanken darüber machen, wo du dein Kind zur Welt bringen möchtest. Im Hinblick auf das Stillen ist es sinnvoll, vorgängig abzuklären, welche „Stillkultur“ in einem Spital gelebt wird. Viele Kliniken und Geburtshäuser bieten Führungen an, bei denen Informationen abgegeben werden und Fragen gestellt werden können.

Die meisten Kliniken und Geburtshäuser legen Wert darauf, das Neugeborene frühestmöglich zu stillen. Zudem gibt es von der UNICEF ausgezeichnete Spitäler, die das Stillen unterstützen, fördern und dadurch den Stillstart erleichtern. Vielleicht wünschst du dir schon während der Schwangerschaft ein erstes Gespräch mit einer Stillberaterin oder Hebamme.

Tipp: Die obligatorische Grundversicherung deckt die Kosten von drei Stillberatungen durch eine ausgebildete Stillberaterin oder Hebamme.

Tipps für einen gelungenen Stillstart

Wenn du dich dafür entschieden hast, dein Baby zu stillen, teile dies der Hebamme im Gebärsaal mit. So wird das Baby schon innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt das erste Mal an die Brust gelegt und es erhält seine erste Mahlzeit. Die erste Milch nennt man Kolostrum oder Vormilch. Sie funktioniert wie eine „natürliche Impfung“ für dein Kind, da sie viele Abwehrstoffe enthält. Durch das Saugen an der Brust und das feinabgestimmte Zusammenspiel der Hormone ziehen sich die Muskelzellen in der Brust und Gebärmutter zusammen. In der Brust lösen diese Kontraktionen den Milchspendereflex aus, in der Gebärmutter die sogenannten Nachwehen. Sie werden von vielen Müttern als Bauchschmerzen wahrgenommen und schwächen sich von Tag zu Tag ab.

Damit die Milchbildung angeregt wird, solltest du dein Baby in den ersten Tagen so oft zum Stillen anlegen, wie es danach verlangt. Das ist in der Regel etwa alle zwei bis vier Stunden der Fall. Wiederholtes und häufiges Stillen – Neugeborene wollen auch in der Nacht gestillt werden – verkürzt die Zeit bis zum Milcheinschuss respektive zur initialen Brustdrüsenschwellung. Diese Brustschwellung kündigt sich meist um den dritten bis fünften Tag nach der Geburt an. Einige Frauen bemerken ein Anschwellen und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Brüste.

Wenn du unsicher bist, ob du alles richtig machst, beantwortet dir deine Hebamme oder Stillberaterin jederzeit Fragen.

Stillen mit Zwillingen

Wenn du Mehrlinge erwartest, interessiert es dich bestimmt, dass du durchaus zwei Kinder voll stillen kannst. Wende dich schon in der Schwangerschaft an eine Fachperson. Diese wird mit dir über die verschiedenen Möglichkeiten der Baby-Ernährung sprechen. Es gibt beispielsweise spezielle Anlegetechniken, um zwei Kinder gleichzeitig zu stillen. 
 

Was tun, wenn Beschwerden auftreten?

Bei Beschwerden können vor dem Stillen wärmende Wickel und eine leichte Brustmassage helfen. Meist fliesst dann die Milch besser. Linderung verschaffen auch kühlende Kompressen, die du nach dem Stillen auflegst. Die Pflegefachpersonen auf dem Wochenbett oder deine Hebamme geben diesbezüglich gerne Tipps.

Wie viel Milch braucht mein Baby?

Mit der initialen Brustdrüsenschwellung verändert sich neben der Milchmenge auch die Zusammensetzung deiner Milch. Nach zehn bis 14 Tagen spricht man von der reifen Muttermilch. Die Zusammensetzung der Milch passt sich optimal den Bedürfnissen deines Kindes an. Da sich nicht alle Kinder an die gleichen Abstände zwischen dem Stillen halten, kann es auch sein, dass sich dein Baby vor Ablauf der zwei Stunden wieder für eine Mahlzeit meldet.

Dies kann gerade in der ersten Zeit und in Phasen eines gesteigerten Bedarfs an Muttermilch aufgrund besonderer Wachstumsschübe beim Kind absolut normal sein. Deine Brust wird dadurch sehr gut angeregt und erhält damit den Impuls, mehr zu produzieren. Weitere Informationen rund ums Stillen erhältst du unter anderem auch bei der Stillförderung Schweiz.

Die Ernährung der Mutter während der Stillzeit

Durchs Stillen verbrennst du rund 500 Kilokalorien mehr pro Tag. Diese Kalorien solltest du durch eine ausgewogene Ernährung während der Stillzeit wettmachen. Eine spezielle Diät ist aber nicht notwendig. Achte darauf, dass du ausreichend hochwertige Nährstoffe zu dir nimmst. Wissenswert ist auch, dass die Qualität der Muttermilch davon abhängt, was du isst und trinkst. Du tust also nicht nur dir selbst etwas Gutes, wenn du gesund und genügend isst, sondern auch dem Baby.

Alles Wichtige rund ums Abpumpen 

Vor allem wenn du früh ins Berufsleben zurückkehren möchtest oder immer wieder wichtige Termine hast, empfiehlt es sich, mit einer Milchpumpe frühzeitig Milch abzupumpen. Du sorgst mit dem Abpumpen nicht nur für die Nahrung, die für dein Baby so wichtig ist, sondern haltest auch die Milchproduktion in Gange. 

In Apotheken kannst du dich beraten lassen, welche Pumpe am besten für dich geeignet ist und wie diese funktioniert. Es gibt verschiedene Systeme – von der Handpumpe bis zum elektrischen Modell mit Doppelpumpsystem. Pumpen müssen nicht unbedingt gekauft werden, Apotheken vermieten die teuren, elektrischen Modelle auch. An einem Standort in deiner Nähe berät dich das Team gerne persönlich.

Achte beim Pumpen auf jeden Fall darauf, dass du keine Schmerzen hast. Falls doch: Beobachte, ob du Symptome eines Milchstaus oder einer Brustentzündung erkennst. Um dies zu vermeiden, solltest du grossen Wert auf die Reinigung und Sterilisation der Milchpumpe legen. Und wasche dir vor dem Abpumpen immer gut die Hände!

Wie du auch während der Arbeit stillen kannst

Das Schweizer Recht sieht vor, dass stillende Frauen im ersten Lebensjahr des Kindes während der Arbeitszeit stillen oder Milch abpumpen können. Wenn du dich dafür vom Arbeitsplatz entfernen musst, gilt die Hälfte der Zeit, die du dafür aufwendest, als Arbeitszeit. Soviel zur Theorie. In der Praxis lässt sich Stillen und Arbeiten nicht in allen Betrieben gleich einfach handhaben. Es lohnt sich deshalb, diesen Punkt mit deiner vorgesetzten Person zu besprechen, bevor du die Arbeit wieder aufnimmst.

Lasse dich während deines Mutterschaftsurlaubes von einer Fachperson beraten, wie du dein Kind während deiner Arbeitszeit ernähren kannst, ohne dass du als Mutter physisch präsent sein musst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Milch abzupumpen und kühl zu lagern.

Wenn du mehr über den rechtlichen Aspekt des Stillens während der Arbeitszeit erfahren möchtest, konsultiere beim Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen IBCLC (BSS) die Schrift des SECO «Mutterschaft – Schutz der Arbeitnehmerinnen».

Das kannst du bei geringer Milchproduktion unternehmen

Die Frage „Habe ich genug Muttermilch?“ macht frischgebackenen Müttern häufig Sorgen.

Falls du vermutest, dass dein Baby nicht genug Milch bekommt, wende dich an eine Stillberaterin oder Hebamme. Sie wird untersuchen, ob du eine geringe Milchproduktion hast und dich beim Stillen beobachten, um zu sehen, ob dein Baby richtig anliegt und genug Milch aufnimmt. Du kannst auch versuchen, während des Stillens mehr Hautkontakt mit dem Baby zu haben, um das Hormon Oxytocin zu stimulieren, das deinen Milchfluss anregt. 

Falls diese Methode bei dir nicht funktioniert, oder dein Körper nicht genug Muttermilch produzieren kann, bieten sich verschiedene Alternativen, wie Muttermilchspende oder künstliche Säuglingsnahrung an.  

Foto: Getty Images

Auch damit machst du dein Baby glücklich

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