Babyratgeber

Wenn sich die Schlafgewohnheiten ändern: Darum fällt dem Kind das Schlafen jetzt schwer

«Warum schläft mein Kind so schlecht?», fragen sich Eltern oft verzweifelt. Zwischen dem neunten und elften Lebensmonat ändern sich die Schlafgewohnheiten des Babys stark. Und dies bringt meist auch ein paar «Schlafprobleme» mit sich. Wir klären auf und verraten, wie viel Schlaf Ihr Kind braucht.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Nacht zum Tag machen: Vor allem in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres wecken Kinder ihre Eltern nachts besonders häufig auf.
  • Kinder benötigen oft weniger Schlaf als Eltern annehmen.
  • Kleine Kinder brauchen nachts Nähe, um sich geborgen zu fühlen.
  • Solange Eltern nachts oft geweckt werden, kann es sinnvoll sein, dass sie getrennt schlafen.

Jede Nacht dasselbe. Das Baby wacht auf, weint und kann nicht wieder einschlafen. Das mindert nicht nur die Anzahl Stunden Schlaf, die das Kind bekommt, sondern auch die der Eltern. Zwischen dem neunten und elften Lebensmonat gehen viele Eltern deshalb auf dem Zahnfleisch. «In dieser Phase sind viele irritiert. Sie fragen sich: Warum schläft das Kind nicht? Was machen wir falsch?», berichtet Schlafberaterin Sibylle Lüpold von 1001kindernacht® . Die Mutter von drei Söhnen kann die Eltern beruhigen. Denn sie weiss: «Schlafprobleme sind bei Babys in diesem Alter ganz normal!»

Schlafgewohnheiten verändern sich

Nach der Geburt verfügt ein Baby noch über keinen Tag-Nacht-Rhythmus. Es hat nur kurze Wachphasen, bevor es erschöpft wieder einschläft. Erst ab drei Monaten ist ein Baby in der Lage, etwa fünf Stunden lang zu schlafen, unterbrochen von kurzen Wachphasen, in denen es seine Eltern aber nicht ruft. So viel Ruhe in der Nacht können Eltern aber nur wenige Wochen geniessen. Denn ab dem sechsten bis siebten Lebensmonat werden die Nächte wieder turbulenter – vor allem vom neunten bis elften Lebensmonat sinkt die Anzahl Stunden Schlaf rasant.

Wie viel Schlaf braucht ein Baby?

Oft haben Eltern den Eindruck, dass das Nachbarskind viel mehr Zeit still in seinem Bettchen verbringt. Eltern wüssten deshalb gern: «Wie viel Schlaf braucht ein Kind?» Doch das Schlafbedürfnis von Babys ist sehr unterschiedlich. «Die Bandbreite ist enorm», sagt Sibylle Lüpold. «Sie liegt zwischen 10 bis 17 Stunden. Die meisten Kinder schlafen allerdings weit weniger als 14 Stunden.»

Warum Kinder unruhiger schlafen

Das Fremdeln beginnt: Ab dem 6. Lebensmonat macht die geistige Entwicklung des Kindes einen Schub. Es erkennt nun Gesichter und unterscheidet sie. «Die Bindung zu den Eltern ist idealerweise aufgebaut, dazu kommt nun das Bewusstsein, dass die Eltern weggehen könnten», erklärt Sibylle Lüpold. «Und das macht Angst – Angst, die sich vor allem auch nachts äussert.» Immer dann, wenn das Baby aufwacht, will es sich vergewissern: Sind die Eltern noch da? Je länger es auf die Bestätigung warten muss, umso aufgeregter ist es und umso länger dauert es, bis das Baby wieder einschlafen kann.

Die Fremdbetreuung startet: Neun bis elf Monate alte Kinder werden also entwicklungsbedingt besonders von Ängsten geplagt. Ausgerechnet jetzt aber, im zweiten Lebenshalbjahr, beginnt für sie oft die Fremdbetreuung – bei der Tagesmutter oder in der Kita. Sibylle Lüpold spricht von einem ungünstigen Timing: «Es verstärkt die Unsicherheit bei Babys.»

Die Motorik entwickelt sich rasant: Darüber hinaus entwickeln sich Kinder jetzt rasant motorisch weiter. Während die einen krabbelnd die Umwelt erkunden, beginnen die anderen bald zu laufen. «Das Krabbeln oder Laufen und die neuen Eindrücke, die damit verbunden sind, beschäftigen die Kinder auch im Schlaf», so die Schlafberaterin. Träume können so unruhig sein, dass Kinder in der Leichtschlafphase herumzappeln und öfter wach werden.

Richtig reagieren und Kind unterstützen

Kinder haben also unruhige Nächte, weil sie sich entwickeln – damit können sich müde Eltern trösten. «Denn Eltern wollen ja, dass Kinder sich weiterentwickeln», so Sibylle Lüpold. Einen Zaubertrick für ruhigere Nächte gebe es zwar nicht. «Aber einige Tipps tragen dazu bei, dass das Baby wie auch die Eltern besser schlafen.»

Fünf Tipps für entspannte Nächte

1) Kind nicht allein schlafen lassen:

Kinder brauchen gerade jetzt, während der Phase des Fremdelns, sehr viel Sicherheit und Nähe. Je näher das Baby bei den Eltern ist, umso einfacher ist es, das Kleine wieder zu beruhigen und zum Einschlafen zu bringen

2) Geduld haben:

Geduld lohnt sich. Denn ab dem ersten Geburtstag werden die Nächte in der Regel ohnehin wieder ruhiger. Dann klingt die Fremdenangst des Kindes ab, und die Umwelt wird für das Kleine allmählich überschaubarer.

3) Brust anbieten:

An der Brust beruhigt sich das Kind und schläft schnell wieder ein. Wer schon abgestillt hat, sollte mehrere Schnuller in Griffnähe haben.

4) Herumtragen liebevoll abgewöhnen:

Herumtragen ist für das Baby ein Luxus. Ein Luxus, der aber nicht sein muss, auch weil er Eltern anstrengt und wachhält. Körpernähe und leise Worte reichen, um dem Kind zu signalisieren: Du bist nicht allein!

5) Kind etwas später zu Bett bringen:

Wie viel Schlaf braucht mein Kind? Weil Eltern sich oft unsicher sind, was diese Frage anbelangt, bringen sie ihr Baby oft zu früh ins Bett. «Aber das Kind kann nicht mehr schlafen, als genetisch in ihm angelegt ist», so Sibylle Lüpold. Daher kann es besser sein, noch eine Zeitlang zu warten, in der sich vielleicht der Vater mit dem Kind beschäftigt und der Mutter eine Ruhepause gönnt. So kann das Kind besser einschlafen.

Eine ruhige Nacht braucht noch mehr

Für einen guten Schlaf brauchen Eltern Platz. Aber weil das Kind viel Nähe sucht, wird dieser Platz im Bett knapp. Deshalb können getrennte Betten für die Eltern sinnvoll sein. «Ein Elternteil und Kind im Doppelbett, wo liegend alles erreichbar ist, was das Kind nachts braucht», schlägt Sibylle Lüpold Eltern von fast Einjährigen oft vor. Alternativ lasse sich im Kinderzimmer eine grosse Schlaffläche gestalten. «Dort können Eltern ihr Kind begleiten, solange es Nähe braucht.» Wichtig sei zu wissen: «Mit Verwöhnen hat das nichts zu tun. Wenn Eltern verinnerlichen, dass ihr Kind diese Nähe jetzt noch braucht, um langfristig gut schlafen zu können, sind sie viel entspannter und gelassener.»

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Foto: Getty Images

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