Babyratgeber

Mittagsschlaf? Brauch ich nicht! Was Sie über den Schlaf Ihres Kindes wissen müssen

Irgendwann im Laufe des dritten Lebensjahres ist es oft aus mit dem Nickerchen über Mittag. Aber bis wann braucht das Kind den Mittagsschlaf tatsächlich? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Der Bedarf an Schlaf variiert von Kind zu Kind. Was Sie wissen müssen – und Tipps, wie Sie auch ohne den Mittagsschlaf des Kindes tagsüber ein wenig zur Ruhe kommen.

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Kleinkind

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Jedes Kind hat seinen individuellen Schlafbedarf. Auch wie alt ein Kind ist, wenn es keinen Mittagsschlaf mehr halten will, variiert.
  • Ausruhen statt schlafen: Ritualisierte Ruhephasen ersetzen den Mittagsschlaf und helfen dem Kind neue Kraft zu schöpfen.
  • Geregelte Zeiten für das Zu-Bett-Gehen helfen bei der Abgewöhnung – und sind auch für Eltern gut.

Was war das für eine Wohltat für die Mama und den Papa: Jeden Tag regelmässig nach dem Mittagessen schlief das Kind fast zwei Stunden. Endlich durchatmen und Dinge erledigen, die sonst häufig unterbrochen werden mussten. Doch damit ist es oft etwa im Alter von drei Jahren vorbei. Denn der kindliche Schlafbedarf verringert sich mit zunehmendem Alter. Im Alter von zwei Jahren brauchen Kinder im Durchschnitt insgesamt zwölf bis 13 Stunden Schlaf während eines Tages. Mit drei beziehungsweise vier Jahren sind es oft nur noch elf bis zwölf Stunden. Abweichungen von bis zu zwei Stunden sind aber nichts Aussergewöhnliches. Selbstverständlich findet das meiste Schlafpensum nachts statt, wenn nicht gar das Ganze.

Wenn das Kind abends einfach nicht mehr einschläft...

Ein Kind entscheidet selbst, ab wann es keinen Mittagsschlaf mehr halten möchte. Man sollte ihn auf keinen Fall erzwingen wollen. Das funktioniert nicht und bringt nur unnötige Konflikte. Umgekehrt: Wenn Ihr Kind abends erst sehr spät müde wird oder gar nicht erst einschlafen will, gibt es die Möglichkeit den Mittagsschlaf zu verkürzen oder ganz zu streichen, damit das Kind nachts genügend Tiefschlaf bekommt.

Manche Kinder hören schon mit zwei Jahren auf, regelmässig einen Mittagsschlaf zu halten, andere machen gerne mit drei Jahren noch ein Nickerchen. Die meisten Kinder in dieser Altersstufe jedoch mögen und brauchen unbedingt noch eine Ruhephase nach dem Mittagessen oder am Nachmittag. Dabei werden die Eindrücke des Morgens verarbeitet und neue Energie für den Nachmittag getankt.

Rituale helfen, Ruhe zu finden

Eltern können und sollten ihren Kindern helfen, diesen Ruhe-Moment zu finden beziehungsweise einzuhalten. Wie so oft sind dabei Rituale nützlich, weil die Kinder bei sich wiederholenden Signalen wissen, woran sie sich halten können. So kann auch ein bestimmter Ort, an denen sie sich jeweils nach dem Mittagessen für eine gewisse Zeit zum Ruhen begeben, ein Trigger sein, damit die Kinder wissen: Jetzt kehrt etwas Ruhe ein. Zum Beispiel könnten sie sich auf das gleiche Polster oder das gleiche Sofa setzen oder legen. Beliebt sind in solchen Momenten unaufgeregte Hörspiele, denen die Kinder für eine halbe Stunde lauschen dürfen. Das Hörspiel kann auch von einem Bilderbuch ersetzt werden, das Ihr Kind alleine in Ruhe anschaut. Hauptsache die eigene körperliche und mentale Aktivität wird etwas heruntergefahren und die Kinder haben trotz wegfallendem Nickerchen eine Pause.

Abends sollten Eltern eine vernünftige und altersgerecht-passende Zeit festgelegt haben, zu der Ihr Kind zu Bett geht. Natürlich kommt es hier auch nicht auf die Minute an. Aber feste Zeiten haben sowohl für Kind als auch für die Eltern Vorteile, denn auch die haben irgendwann ihren Feierabend verdient und müssen sich selbst etwas entspannen. Es sollte also abends nicht jedes Mal von Neuem grosse Diskussionen geben. Konsequenz ist hier die beste Wahl. Dann weiss jeder, woran er ist. Und klar: An Samstagen, Geburtstagen oder Feiertagen drücken Mama und Papa schon mal ein Auge zu und die Kleinen toben ausnahmsweise noch eine Stunde länger durchs Wohnzimmer.
 

Durchschnittlicher Schlafbedarf von Kindern

Alter

Schlafbedarf
(Durchschnitt 
je 24 Std.)

Tagesschlaf

0–3 Monate

16–18 Std.

gleichmässig verteilt Tag/Nacht

3 Monate

14,5 Std.

Zunahme Nachtschlaf / Abnahme Tagschlaf

6–9 Monate

14,2 Std.

Beginn des Durchschlafens von 6 bis zu 8 Stunden

12 Monate

14 Std.

2 und mehr Tagschläfe

18 Monate

13,5 Std.

1 Tagschlaf (96 % der Kinder)

2 Jahre

13 Std.

1 Tagschlaf (87 % der Kinder)

3 Jahre

12,5 Std.

1 Tagschlaf (50 % der Kinder)

3–5 Jahre

Ende Mittagsschlaf

4 Jahre

11,8 Std.

1 Tagschlaf (35 % der Kinder)

Aus: Oskar G. Jenni, Ivo Iglowstein, C. Benz, Remo H. Largo: Perzentilenkurven für die Schlafdauer in den ersten 16 Lebensjahren. pädiat. prax. 63 481-489 (2003) Hans Marseille Verlag. München.

Ruhephasen im Überblick: Wie Sie ein Schlafprotokoll führen

Hat Ihr Kind immer wieder Einschlafprobleme am Abend? Will es partout nicht ins Bett? Oder weckt es Sie wieder einmal schon vor sechs Uhr früh? Oder sind Sie einfach nicht sicher, wie viel Schlaf Ihr Kind nun wirklich braucht? Dann könnten Sie ein sogenanntes Schlafprotokoll Ihres Kindes führen. Dabei vermerken Sie in einemPlan über mehrere Wochen hinweg, wann und wie viel Ihr Kind schläft. Zwingen Sie Ihr Kind nicht in ein vorgegebenes Schlafkonzept, sondern passen Sie die Schlafzeiten gemäss Ihrer Beobachtung an. Sollten Sie festgestellt haben, dass es nun weniger Schlaf braucht als noch vor einem halben Jahr, dann könnten Sie die Zeit des Zu-Bett-Gehens etwas nach hinten verschieben oder den Mittagsschlaf verkürzen, vielleicht auch ganz ausfallen lassen.

Foto: Getty Images

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