Ausflug

Val-de-Ruz: Spaziergang in die Vergangenheit

Mit modernen Gärten als Ausgangspunkt und einem mittelalterlichen Schloss als Ziel spazieren wir durch das Val-de-Ruz, welches aufgrund seiner historischen Baumalleen zur Landschaft des Jahres gewählt wurde.

Vom Kanton Neuenburg kennt man vor allem die Altstadt des Hauptortes und das Seeufer, die Uhrenproduktion des Städtchens La Chaux-de-Fonds sowie natürlich den Creux-du-Van. Nur wenige dringen bis ins Val-de-Ruz vor. Dieses ländliche Juwel auf halbem Weg zwischen den beiden Kantonsstädten verdient es jedoch, erkundet zu werden.

Unser Ausflugstipp beginnt in Cernier, genauer gesagt in Evologia. Die zwanzig Hektar umfassende Anlage, die in zahlreichen Partnerschaften vom Staat verwaltet wird, hat sowohl für Familien als auch Gartenliebhaber viel zu bieten. Die «Fleur Boréale», das Wahrzeichen des Parks und Zentrum der einzigartigen Gärten, ist etwa ¬zehn Meter hoch und ihre Blütenblätter wurden vom Glasbläsermeister ¬Dominique Brandt angefertigt. Scheinbar federleicht hängt sie graziös über dem Teich und lädt zur Meditation ein. Erwähnenswert sind auch der brandneue Parkour-Pfad – eine Mischung aus Land Art und Hindernissen –, der Espace Abeilles mit seinen verglasten Bienenstöcken – ideal, um das Gewimmel der Arbeiterinnen und Königinnen zu beobachten und zu begreifen –, der kleine Strohhüttenpark mit Wachteln, Kaninchen und Ziegen sowie die verblüffende Freiluftausstellung über Dinosaurier (die einzige kostenpflichtige Attraktion des Geländes), die man in den Hainen entdecken kann. Kurz gesagt: Evologia ist ein Reiseziel für sich und Besuchende können ohne Probleme den ganzen Tag dort verbringen. Vor allem, da im Sommer zusätzlich zur Natur auch Kultur geboten wird: ¬Veranstaltungsreihen wie Poésie en ¬arrosoir (Poesie in der Giesskanne) und Les Jardins musicaux (Musikgärten) werden an besonderen Orten wie etwa einer wunderschön ausgebauten Scheune abgehalten.

Unser Tagesprogramm führt uns jedoch über eine elegante Doppelallee aus Evologia heraus. Diese Baumreihen, die man im Val-de-Ruz überall entlang der Strassen findet, während sie anderswo eher selten sind, hatten ursprünglich eine praktische Funktion. Sie spendeten im Sommer Schatten und verhinderten, dass man sich bei Schnee oder Nebel verirrte. Und obwohl diese Alleen im Rest der Schweiz über die Jahrhunderte hinweg tendenziell verschwunden sind, weil sie für den motorisierten Verkehr zu gefährlich waren, wurden sie im Val-de-Ruz erhalten und neu angepflanzt. Dies wurde nun mit dem Preis «Landschaft des Jahres» belohnt, der unter anderem von der Migros unterstützt und von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz verliehen wird.

Nützliche Informationen

Event Zeitraum

Geeignet für

7-18+

Parkplätze

Es sind Parkplätze vorhanden

Nächste ÖV Haltestelle

Cernier, Crêt Debély

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Kontakt

Adresse

Evologia
Route de l'Aurore 6
2053 Cernier

Die Richtigkeit der obigen Infos, Preise und Öffnungszeiten kann nicht garantiert werden, bitte prüfe vor deinem Ausflug die offizielle Webseite des Veranstalters. Kontaktiere uns unter famigros.ausfluege@mgb.ch, um Änderungen zu melden.

Reisetipps

  • Die Wanderung verbindet Evologia über Engollon mit Valangin und führt über eine der Nebenstrecken des Chemin chouette Nr. 1. Länge: 7 km. Steigung: 130 m. Abstieg: 245 m. Karte und weitere Chemins chouettes: www.chemins-chouettes.ch
  • Evologia ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar (Bus 422 ab dem Stadtzentrum von Neuenburg). Eintritt frei, ganzjährig geöffnet. www.parc-evologia.ch
  • Auch das Schloss Valangin ist mit dem Bus (Linie 422) erreichbar. Geöffnet von März bis Oktober, Mittwoch bis Samstag 13:30 bis 17:00 Uhr und Sonntag 11:00 bis 17:00 Uhr. www.chateau-de-valangin.ch
  • Mit dem Velo: Auf der 32 km langen Val-de-Ruz-Bike-Route können Sie das Val-de-Ruz den Waldrand entlang umrunden. Die Runde führt auch durch Evologia und Valangin. Positive und negative 

Guter Tipp

  • Wer eine Nacht (Hotel, Campingplatz, Gästezimmer usw.) im Kanton Neuenburg verbringt, erhält die Neuenburg Tourist Card. Diese ermöglicht die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in Neuenburg (Zug, Bergbahn, Bus) und gewährt unter anderem Zutritt zu 28 Museen.

Infrastruktur

An diesem Ort sind folgende Infrastrukturen vorhanden.
Eigene Parkplätze

Val-de-Ruz: Auf Entdeckungsreise zu den Bäumen

Der Chemin chouette (Eulenweg), auf dem wir heute unterwegs sind, folgt diesen Baumreihen allerdings nicht. Dennoch kann man auf dem Wanderweg links und rechts, nah und fern, die Reihen von Birnbäumen, Ahornbäumen oder Linden erblicken, die das Tal gliedern und prägen. Dabei wächst unweigerlich der Wunsch, diese idyllische Szene in einem Gemälde zu verewigen.

Als nach ein paar hundert Metern ein grüner Eulenwegweiser nach links zeigt, beschliessen wir, trotzdem geradeaus weiterzugehen und das Wäldchen Bois d'Yé zu durchqueren. Der von Sonnenstrahlen gesprenkelte, jetzt mit Baumrinde bedeckte Boden verleitet uns dazu, langsamer zu gehen und eins mit der Erde zu werden. Schliesslich beschliessen wir, auf einem der verstreuten und versteckten Picknickplätze eine Pause einzulegen. Und ganz tief durchzuatmen.

Am Ende des Wäldchens kommen wir am Freibad von Engollon vorbei, das Wanderern eine willkommene Abkühlung bietet, und gehen in Richtung Dorf, wo wir wieder auf den Chemin chouette treffen. 

Die Kornkammer des Kantons

Im Dorfzentrum lädt die Kirche Saint-Pierre zum Gebet oder einfach zum Kräfte Sammeln ein. Danach geht es bergab zum Flussbett des Seyon, wobei wir beim Überqueren der Strassen wieder die berühmten Baumalleen bestaunen, bevor wir zu den Höhen von Vilars aufsteigen, wo der Weg nun am Waldrand verläuft. Der Spaziergang bietet einen atemberaubenden Blick auf das ganze Tal. Obwohl immer mehr Menschen aus der Stadt hierherziehen, bleibt der ländliche Charakter stark ausgeprägt – immerhin ist das Val-de-Ruz auch heute noch die Getreidekammer des Kanton Neuenburgs.

Valangin, eines der schönsten Dörfer der Schweiz

Bei Fenin, vorbei an der Kirche aus dem 18. Jahrhundert und ihrem Friedhof mit seinen zum Teil jahrhundertealten Gräbern, der einer Filmkulisse entsprungen zu sein scheint, beginnen wir den Abstieg nach Valangin, das Mitglied des exklusiven Clubs der schönsten Schweizer Dörfer ist. Die Hauptstrasse dieser kleinen Siedlung, eine – diesmal von Häusern gesäumte – Allee, deren gleichmässiger Verlauf auf das frühe 13. Jahrhundert zurückgeht, führt zum Eingang eines eindrucksvollen Schlosses. 

Der steinige Aufstieg bis zu den Toren des heutigen Geschichtsmuseums steht in starkem Kontrast zur Pflanzenwelt, die wir gerade hinter uns gelassen haben. Im Schutz der Stadtmauer, lässt die Leiterin der Anlage, Camille Jéquier, gerade einen mittelalterlichen Garten anlegen. Dafür hat sie Pflanzen ausgewählt, die die Bewohner von Valangin kannten und verwendeten, als die Gebietsherrschaft auf ihrem Höhepunkt war, also im 14. und 15. Jahrhundert. Die verschiedenen Parzellen, die¬ thematisch rund um das Schloss verteilt sind, geben Aufschluss über die damalige Lebensweise. So erfährt man, dass Seifenkraut zum Waschen verwendet wurde, mit welchen Pflanzen Kleidung gefärbt wurde und dass der Tollkirsche magische Kräfte nachgesagt wurden. Das Ganze kann frei oder in Workshops für Kinder erkundet werden. In den Workshops wird etwa gezeigt, wie man eine Salbe aus Spitzwegerich herstellt, die gegen Brennnesselverbrennungen empfohlen wird. Erwachsene wiederum erfahren, dass der Fenchel von heute nicht mehr viel mit der wilden Sorte aus dem 15. Jahrhundert zu tun hat. Der im Jahr 2021 eröffnete mittelalterliche Garten ist noch bescheiden, wird sich aber über die nächsten Jahre unter der Pflege des Schlossgärtners und von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern weiterentwickeln. Wollen wir wetten, dass er schnell zu einem weiteren Pluspunkt dieses an sich schon aussergewöhnlichen Ortes werden wird? 

Text: Pierre Wuthrich 

Fotos: Matthieu Spohn

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