Schulanfang

Neuer Lebensabschnitt: Fünf Experten beantworten Ihre Fragen zum Schulanfang

Aller Anfang ist schwer: Der erste Schultag bringt viel Freude, aber auch Ängste und Unsicherheit mit sich. Fünf Expertinnen beantworten Fragen zum neuen Lebensabschnitt.

Nützliche Informationen

Nützliche Informationen

Wie können Eltern nervösen Kindern Zuversicht verleihen?

Bestimmt erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag. Erzählen Sie davon! Kommen Sie mit dem Kind ins Gespräch! Sie können es auch nach seinem ersten Kindergartentag fragen: «Wie war das damals? Was waren deine Erwartungen, was hast du erlebt?» Sagen Sie ihm, dass die Situation nun ganz ähnlich sei. Nervosität an sich ist nichts Schlechtes. Wird sie zu stark, können Atemübungen helfen: einatmen und langsam ausatmen. Auch Fussmassagen, beispielsweise mit wohlriechendem Öl, können beruhigen.

Iris Etter-Dubach, Beraterin Pro Juventute

Wie tröste ich meine Tochter, wenn sie doch nicht mit ihrer besten Freundin in die 1. Klasse kommt?

Vom gewohnten Alltag Abschied zu nehmen, ist traurig. Sagen Sie dem Kind, dass Sie es verstehen, es aber die Freundschaft trotzdem weiterführen kann. Planen Sie gemeinsam, wie es die Freundin weiterhin treffen kann. Weisen Sie auch darauf hin, dass sie sich noch viel mehr zu erzählen haben, wenn sie in unterschiedliche Klassen gehen.

Iris Etter-Dubach, Beraterin Pro Juventute

Wie kommen Eltern mit ihren eigenen Ängsten und vielleicht schlechten Erinnerungen an die eigene Schulzeit klar?

Die meisten Lehrpersonen sind offen für Fragen der Eltern. Sie möchten aber oft auch zuerst einen Klassenzug abschliessen, bevor sie die neuen Kinder und Eltern besser kennenlernen. Eltern sollten sich möglichst positiv auf die neue Situation einstellen und eigene Ängste nicht auf das Kind übertragen. Kinder haben ein feines Gespür dafür, wie es den Eltern geht. Nutzen Sie die Informationsangebote des Kindergartens und der Schule, machen Sie sich selbst ein Bild von der Schule, wie sie heute ist.

Maya Mulle, Leitung Fachstelle Elternmitwirkung

Wie verhalte ich mich, wenn ich die Lehrerin meines Sohnes nicht mag?

Ihr Sohn wird zu dieser Lehrerin in die Schule gehen, nicht Sie. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass er sie toll findet. Sie sollten sich raushalten mit Ihren Kommentaren. Sollte es dann gar nicht klappen, können Sie immer noch nach Lösungen suchen.

Maya Mulle, Leitung Fachstelle Elternmitwirkung 

Bedeutet der Beginn der Schulzeit das Ende der Kindheit?

Die Überzeugung ist bei Eltern weitverbreitet. Der Leistungsdruck kommt aber mit Sicherheit nicht einfach so vom Bildungssystem. Es kommt darauf an, welche Einstellung Eltern zur Schule und zur Freizeit haben und wie sie die Zeit einteilen.Wenn Kinder eine «durchgetaktete» Freizeit haben – ohne Zeit für sich, zum Trödeln oder zum Spielen mit Gspänli –, führen sie kein kindgerechtes Leben. Oft stehen Eltern selber unter Leistungsdruck, übertragen dies auf die Kinder und setzen Leistung auch in der Freizeit an die erste Stelle. Tatsache ist, dass viele (Primar-)Schulen heute sehr kinderorientiert sind.

Margrit Stamm, Erziehungswissenschaftlerin

Meine Tochter interessiert sich noch nicht für Lesen und Schreiben, viele der Chindsgi-Gspänli schon. Soll ich ihr in den Sommerferien Lesen und Schreiben beibringen?

Kindergartenkinder «müssen» sicher nicht schon lesen, schreiben und rechnen können und so die Schule vorwegnehmen. Ein guter Kindergarten stärkt das Selbstwertgefühl der Kinder und fördert emotionale und soziale Kompetenzen. Das Wörtchen müssen spielt hier die Hauptrolle, Instruktion bringt nur kurzfristigen Erfolg. Selbstverständlich gibt es Frühleser und Frührechner, die schon früh selbstmotiviert lesen, rechnen und schreiben lernen wollen. Das ist wunderbar.

Margrit Stamm, Erziehungswissenschaftlerin

Wie viele Hausaufgaben kommen auf mein Kind zu? Und wie bereite ich es darauf vor?

Wie viele Hausaufgaben pro Tag auf Ihr Kind warten, variiert kantonal, liegt aber für die erste Klasse zwischen 30 Minuten pro Woche und 10 Minuten pro Tag. Zu Beginn freuen sich die Kinder meist und sind stolz darauf, «wie die Grossen richtige Hausaufgaben» zu haben. Sie können diese Phase positiv begleiten, indem Sie sich neugierig und interessiert zeigen und sich mit kritischen Kommentaren und Korrekturen zurückhalten.

Stefanie Rietzler, Lerncoach

Wie finden Kinder Anschluss, ihren Platz in einer Gruppe?

Eine Anleitung, wie man sich in der Klasse oder einer Gruppe integriert, ist schwer festzulegen. Erzählungen über die eigene Schulzeit sollten positiv sein und im Kind Neugierde wecken, sodass sich Verunsicherung und Ängste verringern. Dies trägt dazu bei, dass sich Ihr Kind in seiner natürlichen, unbefangenen Art in die Klasse einleben kann. Ihrem Kind «Verhaltensregeln» vorzuschlagen, ist kontraproduktiv, da Ihr Kind sich sonst verstellen müsste. Das Wichtigste, was Sie Ihrem Kind vorleben können, ist Empathie.

Bettina Dénervaud, Pascal Kamber, Fachberater Mobbing: www.hilfe-bei-mobbing.ch

Fotos: Getty Images / zVg Monica Müller und Benita Vogel

Weitere Ideen aus der Famigros-Redaktion

Nicht
verpassen