Babyratgeber

Sprechen lernen: Oft verstehen nur die Eltern die ersten Worte

Schon früh können Kinder erstaunlich viel verstehen – oft mehr, als Eltern glauben. Allmählich entwickeln sie auch ihren ersten kleinen und oft originellen Wortschatz. Was Sie über die Sprachentwicklung wissen müssen.

Nützliche Informationen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Kinder zwischen 12 und 18 Monaten verstehen Sätze, indem sie bekannte Wörter mit der Alltagssituation verknüpfen. Die meisten Kinder sprechen dann auch ihre ersten Wörter.
  • Die Sprachentwicklung des Kindes verläuft im individuellen Tempo.
  • Kinder entwickeln zunächst ihr ganz eigenes Vokabular.
  • Wichtig ist, dass Eltern viel mit ihrem Kind sprechen.

Schauen Sie sich auch manchmal Ihr Kleinkind an und fragen sich, was es schon versteht? Auf jeden Fall versteht es weit mehr, als es selbst schon sprechen kann. Hört es zum Beispiel «Es hat geklingelt. Das Grosi kommt», krabbelt oder läuft es fröhlich zur Tür. Der Satz «Huh, es stinkt. Du brauchst eine neue Windel» kann dagegen dazu führen, dass das Kleine sich schnell versteckt.

Signalwörter im Zusammenhang

Noch versteht das Kind zwar längst nicht alle Worte. Doch es kann einzelne Begriffe wie «Papa» oder «Windel», die es gut kennt, mit der jeweiligen Alltagssituation verknüpfen. So fürchtet es beispielsweise Mamas Naserümpfen und das Wort «Windel». Weil es weiss, dass dies auf einen Windelwechsel auf dem ungeliebten Wickeltisch hindeutet. «Zudem versteht es bereits erste einfache situationsgebundene Aufträge wie «Bring den Ball», erklärt die diplomierte Logopädin Sabrina Disabato, die zusammen mit ihrer Kollegin Ann-Sabine Künzler die Website www.kindersprache.ch betreibt.

«Kuka», «Mats» und «Attu»: Nur Eltern wissen, was das heisst

Die Aussprache der ersten Wörter des Kindes sind noch weit von den Vorgaben des Dudens entfernt. Oft verstehen nur die Eltern und nahestehende andere Bezugspersonen das Vokabular. ‚Kuka‘ heisst dann zum Beispiel Kuchen, ‚Mats‘ ist der Matsch, ‚Attu‘ das Auto und der Name für eine Schaukel lautet einfach ‚Hui!‘. Keine Sorge. Das sind ganz normale Phasen im Spracherwerb eines Babys.

Immer im Gespräch: Die Sprachentwicklung fördern

Damit der Wortschatz immer grösser wird, brauchen Kinder einen Kommunikationspartner oder Interaktionspartner, also ein sprachliches Vorbild. Sabrina Disabato: «Es ist wichtig, dass die Eltern ihre eigenen Handlungen und die Aktionen des Kindes kommentieren.» Das Kind lernt anhand von Alltagssituationen, Sprache zu verstehen.

Sprache entwickelt sich, indem das Kind mit Bezugspersonen interagiert, indem es spielt und dabei Erfahrungen sammelt und indem das Handeln und das Spielen des Kindes mit Sprache begleitet werden.» Das kann zum Beispiel so tönen: «Ich koche jetzt und du spielst Ball.» Das Kind hat so die Möglichkeit, neue Wörter zu begreifen. «Es lernt, dass «heiss» beispielsweise «Oh nein, du hast Fieber, deine Stirn ist heiss» oder »Achtung, die Pfanne ist heiss!» bedeuten kann.

Die verschiedenen Phasen des Spracherwerbs

Phase 1: Laute wahrnehmen und ausprobieren
Die Sprachentwicklung eines Kindes beginnt, bevor es geboren wird. «Bereits im Mutterleib bekommt ein Kind den Klang der Sprache seiner Mutter und der Umwelt mit», erklärt Sabrina Disabato. «In den ersten Lebensmonaten sprechen die Bezugspersonen ganz automatisch in einer vereinfachten Sprache, in der sie die Wörter langsam und genau betonen. Das Kind wiederum experimentiert schon bald nach der Geburt mit seiner Stimme und sammelt erste Erfahrungen mit seinen Sprechwerkzeugen, also den Lippen und der Zunge.» So gurrt es vor sich hin und probiert Laute wie a, ä, o und u. Bereits im dritten Monat kann »e-che», «eh-che», «a-rrhe» zu hören sein. Wenn Eltern auf solche Signale reagieren, entsteht Kommunikation.

Phase 2: Die Stimme wird kräftiger
Das Baby lernt die eigene Stimme kennen. Immer kräftiger wird die Stimme des Kleinkinds im Laufe der Zeit. Das Kleine plaudert, brabbelt, brummt, quietscht und schreit. Manchmal freut es sich über seine Stimme, ein anderes Mal erschrickt es durch ihre Lautstärke.

Phase 3: Worte entstehen
Wenn Eltern die ersten Laute deuten, lernen Kinder, Worten Bedeutungen zuzuordnen. Ein wichtiger Schritt beim Spracherwerb. Mit «Babababa» meint das Baby vielleicht im Moment noch nichts Bestimmtes. Doch die Mutter sagt: «Du möchtest den Ball? Hier ist der Ball.» Gleichzeitig reicht sie ihm das bunte Spielzeug. So verankert sich das Wort im Gehirn des Babys, je tiefer und genauer, je öfter sich der Dialog wiederholt.

Keine grossen Worte

Das Kind spricht noch nicht? Möglicherweise ist es einfach ein Spätzünder – und die sprachliche Entwicklung explodiert regelrecht mit dem nächsten Entwicklungsschub. Dennoch ist es wichtig, mit dem Kinderarzt darüber zu sprechen. Er kann abklären, ob die Voraussetzungen zum Sprechen lernen gegeben sind: ein gutes Gehör und gesunde Sprechorgane.

Individuelles Tempo beim Sprechen lernen

«Viele Kinder können im Alter von 12 bis 18 Monaten erste Wörter wie «Mama», «Wauwau», «Bubu» für Schnuller, «auf» und «unten» sprechen», so Sabrina Disabato. «Oft reagieren sie bereits auf ihren Namen.» Die Sprachentwicklung verläuft bei jedem Kind in seinem individuellen Tempo, nach seinen genetischen Vorgaben und den jeweiligen Umweltreizen. Mädchen haben allerdings bei der Entwicklung ihres ersten Wortschatzes oft die Nase vorn. Denn wichtige Bereiche für das Lesen und den Spracherwerb entwickeln sich in ihrem Gehirn früher als bei Jungen.

Sprechen lernen – ein lebenslanger Prozess

Die meisten Kinder sprechen im Alter von 10 bis 15 Jahren wie Erwachsene. Doch auch Erwachsene lernen noch ständig dazu. Sie übernehmen Redewendungen, die ihnen gefallen, oder komplexe Satzstrukturen. Auch im Job werden sie immer wieder mit neuen Begriffen konfrontiert. So entwickelt sich Sprache ein Leben lang.

Foto: Getty Images

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