Babyratgeber

Erste wackelige Schritte ins Leben

Die ersten Schritte sind für Eltern ein Meilenstein in der Entwicklung ihres Kindes. Physiotherapeut Thomas Schumacher erklärt, wie Kinder diese Meisterleistung schaffen.

Physiotherapeut Thomas Schumacher hat sich auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er mit Kindern und seit 15 Jahren leitet er die Kinderphysiotherapiepraxis in Schenkon. Der Vater von zwei Kindern (neun- und elfjährig) betreibt gern Bergsport und spielt Gitarre.

Thomas Schumacher
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Physiotherapeut

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Kinder, die alle motorischen Entwicklungsmeilensteine durchgemacht haben, lernen in der Regel von ganz allein Laufen.
  • Die Qualität der Bewegungsabläufe ist entscheidender als der Zeitpunkt, zu dem das Kind das Laufen lernt.
  • Krabbeln ist wichtig für den Informationsaustausch zwischen den beiden Hirnhälften und damit Grundlage für eine gute Koordinationsentwicklung.
  • Auch Porutscher können Spass am Krabbeln entwickeln, wenn die Aktivität in anregende Spiele verpackt ist.
  • Eltern, die ihr Kind beim Laufenlernen unterstützen wollen, können ihm eine Bewegungslandschaft bereitstellen.

Herr Schumacher, manche Kinder wagen schon mit zwölf Monaten ganz allein ihren ersten wackeligen Schritt. Andere brauchen noch viele Monate, bis sie stehen und laufen. Ab wann sollte ein Kind denn laufen können?

Alle Kinder, die vor Beginn des dritten Lebensjahres laufen, haben die Möglichkeit, sich ganz normal zu entwickeln. Wichtig ist nicht der Zeitpunkt zu dem das Kind Laufen lernt, sondern die Bewegungs-Qualität.

Sollten Eltern mit ihrem Kind das Laufen üben?

Die Fähigkeiten fürs Laufen werden im vorangehenden Entwicklungsschritt erworben. Darum ist es viel zielführender, wenn die Kinder die Gelegenheit bekommen, alle grobmotorischen Entwicklungsstufen zu bewältigen und die darin enthaltenen Bewegungsmuster zu automatisieren. Ob das Kind dann im Alter von 14 oder 24 Monaten Laufen lernt, spielt keine Rolle. Zu den wichtigen grobmotorischen Entwicklungsschritten vor dem Laufen gehören Kopfkontrolle in der Bauchlage, Unterarmstütz und später Rollen, Drehen um die eigene Achse und schliesslich Krabbeln.

Manche Kinder wollen aber nicht krabbeln, sondern rutschen lieber auf dem Po …

Porutscher bewegen sich nicht effizient, denn das Kind muss für diesen Bewegungsablauf viel Energie aufwenden. Ausserdem fällt es ihm schwerer, Hindernisse zu überwinden. Es stellt sich dann die Frage, warum es nicht den energiesparenden Vierfüssergang wählt. Porutschern fehlt oft die nötige Körperkontrolle für eine adäquate Rumpfmuskulaturspannung, die Voraussetzung für eine Fortbewegung auf vier Extremitäten ist. Um trotzdem vorwärts zu kommen, entwickeln sie – ganz clever – eine alternative Strategie zur Fortbewegung.

Warum ist das Krabbeln für das Laufen lernen wichtig?

Beim Krabbeln müssen Kinder jeweils einen Arm und das diagonal gegenüberliegende Bein gleichzeitig bewegen. Sie trainieren also Überkreuzbewegungen. Dazu müssen linke und rechte Gehirnhälfte gleichzeitig aktiv sein. Der dabei entstehende Informationsaustausch bewirkt eine vermehrte Synapsenbildung und bringt dem Kind langfristig den Vorteil einer besseren Koordination. Es kann schneller reagieren und sich bei Stürzen besser auffangen. Krabbeln wirkt sich durch die verbesserte Koordination aber nicht nur auf das Laufen positiv aus, sondern auch auf feinmotorische Fertigkeiten wie das Schreibenlernen.

Verbieten lässt sich das Porutschen aber nicht, oder?

Nein, das ist auch nicht nötig. Meidet das Kind die Krabbel-Positionen, kann man es immer wieder animieren, in den Vierfüsserstand zu gehen. Das gilt unabhängig davon, ob das Kind auf dem Po rutscht oder vielleicht sogar schon läuft. Krabbeln lässt sich in viele Spiele einbauen. Zum Beispiel motivieren in der Wohnung ein Tunnel oder ein Stuhl, über dem eine lange Decke liegt, zum Krabbeln. Auf dem Spielplatz und im Park können Kinder unter Ästen und durch Gebüsch krabbeln. Solche Bewegungslandschaften finden sich fast überall und die Kinder finden diese oft von sich aus. Dann ist es wichtig, dass die Eltern sie machen lassen oder sogar dazu animieren, statt sie aus Sorge vor Dreck an den Kleidern zurückzupfeifen.

Schaden Babywippe, Kinderwagen und Autositz?

Alles, was die Bewegungsfreiheit des Kindes einschränkt, ist für die motorische Entwicklung nicht ideal. Natürlich muss das Kind im Auto im Kindersitz angeschnallt werden. Darüber hinaus aber sollte es möglichst wenig passiv aufgerichtet werden, solange es sich selbst noch nicht aufsetzen kann. Wenn Eltern bemerken, dass ihr Kind in einem Sitz seitlich abknickt oder absinkt, wird es Zeit, es hinzulegen.

Dürfen Eltern mit ihrem Kind an der Hand hin und herlaufen, wenn es das möchte?

Grundsätzlich ist es ein gutes Zeichen, wenn Kinder Sachen machen wollen, die sie eigentlich noch gar nicht können. Das ist die innere Antriebsfeder des Entwicklungsprozesses. Mit dem Kind an der Hand herumzulaufen, ist oft sehr spassig, da sich die Kinder daran erfreuen, eine neue Perspektive erlangt zu haben. Insofern ist das Laufen an der Hand okay, fördert das Kind motorisch aber nicht.

Wann brauchen Kinder ihre ersten Schuhe?

Ein Kinderfuss entwickelt sich am besten, wenn er nicht eingezwängt ist. Darum braucht ein Kind erst dann Schuhe, wenn es sich draussen frei auf zwei Beinen bewegen kann. Dann müssen die Füsse durch Schuhe vor Verletzungen geschützt werden. Die ersten Schuhe sollten eine sehr weiche Sohle haben und auf die Breite des Fusses abgestimmt sein.

Fotos: Getty Images / zVg Thomas Schumacher

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