Babyratgeber

In der Gruppe macht’s mehr Spass: Gemeinsame Spiele fördern und Streit vorbeugen

Schon für Zweijährige sind andere Kinder höchst interessant. Doch gemeinsam zu spielen, müssen sie erst lernen. Konflikte sind dabei nicht selten. Wir erklären, wie Sie Streitereien vorbeugen.

Nützliche Informationen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Mit anderen Kindern zu spielen, wird für Zweijährige immer reizvoller.
  • Streit gehört zum Spiel von Kleinkindern. Noch werden sie bei Konflikten von ihren eigenen Gefühlen, von Frust und Wut, völlig überrollt.
  • Eltern können vielen Streitereien geschickt vorbeugen.

Spätestens in der Spielgruppe oder beim Kinderturnen haben Babys und Kleinkinder erste Kontakte zu Gleichaltrigen. Jetzt, um den zweiten Geburtstag herum, werden andere Kinder besonders interessant.

Manche Kinder beobachten Altersgenossen noch aus der Entfernung. Sie schaufeln auf dem Spielplatz Sand in ihren Eimer, während sie den Jungen oder das Mädchen einige Meter entfernt nicht aus den Augen lassen. Andere Kinder sind weniger zurückhaltend und nehmen schnell Kontakt auf. Mit dem Bobbycar hintereinander herfahren oder einfach hintereinander rennen – das sind beliebte Kleinkinder-Spiele. Doch auch diese Spiele brauchen bereits Absprachen. Wer beginnt? Wo geht es lang? Oft verständigen sich Kinder durch Blicke oder Gesten.

Mit Streit rechnen, Harmonie geniessen

Spielen ohne Streitereien? Wenn Kinder eine Zeit lang friedlich miteinander spielen, sollten Eltern das geniessen. Denn erwarten kann man eine lang anhaltende Harmonie noch nicht. Aufschreie wie «Meins!», «Nein, will das gar nicht!» oder «Will auch mal!» werden nicht immer wohlwollend von den Spielkameraden aufgenommen. Das ist umso weniger der Fall, je heftiger ein Kind dem anderen dabei ein Spielzeug aus der Hand reisst.

Gute Atmosphäre fördern

1. Das Teilespiel
Eltern können das Teilespiel für gegenseitige Besuche einführen. Das Besucherkind bringt etwas mit, das es teilen möchte. Zum Beispiel eine kleine Tüte mit Apfelstücken, Trockenfrüchten, Kuchenstückchen oder Stickern. Dann setzen sich die Kinder gegenüber oder in den Kreis – je nachdem, wie viele es sind. Das Besucherkind verteilt die Sachen – ganz nach dem Motto: eins für dich, dann eins für mich, und so weiter. Das macht allen Kindern in der Regel grossen Spass. Und wer teilt, freut sich über das «Danke!» der anderen.

2. Abwechseln
«Abwechseln», das ist ein Wort, das Eltern schon früh einführen können. Zum Beispiel auf dem Spielplatz, wenn nur eine Schaukel vorhanden ist. Oder wenn mehrere Kinder rutschen oder klettern wollen. Oder wenn gemeinsam zu Hause gepuzzelt wird. Abwechseln lässt sich auch beim Auspacken der Einkäufe oder beim Blumen giessen. Natürlich ist es für das Kind noch nicht immer leicht, den eigenen Wunsch aufzuschieben. Doch nach und nach kann es immer besser warten, bis es an der Reihe ist.

3. Mitspracherechte fürs Kind
Nicht alles muss geteilt werden. Lieblingsspielzeuge und Kuscheltiere des Herzens muss niemand hergeben. Sinnvoll ist es, das Kind zu fragen, was es nicht mit anderen teilen möchte, bevor es Besuch bekommt. Diese Dinge lassen sich vorab in einen Schrank legen, in dem sie nicht von kleinen Besuchern entdeckt werden können.

4. Vorbild sein
Das Kind soll andere Menschen um Erlaubnis bitten, bevor es sich etwas nimmt? Eltern sollten Vorbild sein. «Ist es ok für dich, wenn ich mir deine Schere nehme?». – « Kannst du mir den Kleber leihen?» – «Das Nachbarskind ist krank und möchte gern ein Buch haben. Was hältst du davon, wenn du ihm ein Buch ausleihst?» So können auch Eltern um Erlaubnis fragen, bevor sie Dinge ihres Kindes benutzen.

5. Für genügend Spielmaterial sorgen
Im Restaurant und nur ein Malbuch für zwei Kinder dabei? Da sind unnötige Konflikte zu erwarten. Sicher, nicht jedes Spielzeug muss doppelt vorhanden sein. Doch wer vorausschauend plant, sorgt dafür, dass mancher Streit erst gar nicht entsteht. 

Verständnis haben: Ohne Streit geht’s wohl ein Leben lang nicht

Kleinkinder können noch nicht ohne Streit spielen, auch dann nicht, wenn Kinder älter werden. Erwachsene sollten Verständnis für die Konflikte ihrer Kleinen haben. Schliesslich machen sie selbst immer wieder die Erfahrung, dass es nicht immer leicht ist, Konflikte mit Freunden, Arbeitskollegen und Verwandten zu lösen.

Doch je älter Kinder werden, umso intensiver spüren sie, dass es ungeheuer viel Spass machen kann, friedlich gemeinsam zu spielen. Denn niemand teilt so sehr die eigenen Interessen wie Gleichaltrige.

Empathie? Darum müssen kleine Kinder gemeinsames Spielen erst lernen

Zweijährige Kinder wissen noch nicht, wie sich Konflikte konstruktiv lösen lassen. Darüber hinaus können sie sich noch nicht in andere Kinder hineinversetzen. Denn erst ab einem Alter von eineinhalb Jahren beginnt die Empathie, sich langsam zu entwickeln. «Kinder erkennen schon, wenn sich jemand schlecht fühlt. Aber sie können noch nicht recht erfassen, was wirklich los ist, was zum Beispiel ein anderes weinendes Kind denken könnte», erklärt Dr. Stephanie Wermelinger, Post-Doktorandin am Psychologischen Institut, Universität Zürich. Stattdessen werden Kinder bei Konflikten noch vollkommen von ihren eigenen Gefühlen überrollt.

Foto: Getty Images

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