Babyratgeber

Babytrage und Tragetuch: Weil Babys Traglinge sind

Eltern kennen den Aufschrei, mit dem Kinder reagieren, kaum dass sie abgelegt werden. Die Lösung ist einfach: Babytrage und Tragetuch haben viele Vorteile.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Babys in einer Tragehilfe schreien weniger.
  • Wichtig ist, dass das Babytragetuch oder die Trage eine Anhock-Spreizhaltung der Babybeine ermöglicht.
  • Eltern müssen immer auf die Frischluftzufuhr in der Tragehilfe achten.

Das Neugeborene liegt auf einer Decke und rudert hilflos mit Armen und Beinen. Noch lange wird es sich nicht aufrichten und fortbewegen können. Es ist ganz auf die Eltern angewiesen. «Ein Baby ist physiologisch gesehen eine Frühgeburt», erklärt die Trageberaterin Nora de Staël aus Winterthur, die die Trageschule Schweiz leitet.

Das Baby in der Schubkarre

Einst haben sich Babys wie Äffchen an das Körperfell ihrer Eltern geklammert, wissen Evolutionsforscher. Erst im Mittelalter wurden Neugeborene erstmals nicht mehr getragen, sondern geschoben – in der Schubkarre. Obwohl ab dem 19. Jahrhundert der Kinderwagen zum Verkaufsschlager wurde, haben Babys ihre Reflexe als Traglinge behalten. Noch heute zieht ein Baby gespreizt die Beine an, sobald es an den Armen hochgenommen wird. Mit dieser Haltung will es sich eng an Mamas Körper klammern.

Weshalb Neugeborene in einer Tragehilfe ruhiger werden

«Babys sind auf das Tragen programmiert. Sie erwarten, getragen zu werden», stellt Nora de Staël klar. Neun Monate lang verbrachten sie in Mamis Bauch. Nach der Geburt vermittelt der enge Körperkontakt mit Mama oder Papa, zum Beispiel in einem Tuch vor dem Bauch, Sicherheit. Denn die Geräusche von Atmung und Herzschlag sind dem Kleinen vertraut. Einer Studie des Kinderspitals Zürich zufolge verringert mehrstündiges Tragen in einer Tragehilfe die tägliche Schreidauer deutlich.
 
Wollen wir unser Kind tragen? Diese Frage müssen sich Eltern gar nicht stellen – selbst wenn sie im Normalfall auf den Kinderwagen setzen. Denn alle Eltern tragen ihr Baby: vom Wickeltisch auf die Decke, von der Decke in die Wiege oder einfach durch die Wohnung, um das Kind zu trösten, wenn es schreit. Stattdessen geht es um die Frage, womit Eltern ihr Neugeborenes tragen möchten. Wenn sie häufig und lange ihr Kind eng am Körper spüren wollen, dann empfiehlt sich eine Tragehilfe wie ein Tragetuch oder eine Babytrage. Das Tuch oder die Trage sind praktisch, denn sie geben der Mutter oder dem Vater zwei freie Hände zurück.

 

Grosse Modell-Vielfalt bei Babytragetüchern und Co.

 

Der Babymarkt präsentiert eine grosse Auswahl von Tragetüchern und Tragehilfen. Babytragetücher gelten als besonders vielseitig, denn mit ihrer Hilfe lässt sich das Kleine vor der Brust, auf der Hüfte und auf dem Rücken transportieren. Das Tragetuch zu binden muss allerdings erst geübt werden.
Tragehilfen dagegen ermöglichen je nach gewähltem Modell weniger Tragepositionen, sind dafür einfacher zu handhaben, denn Mütter und Väter müssen keine speziellen Binde-Techniken lernen. Sinnvoll ist es, verschiedene Modelle in aller Ruhe auszuprobieren. Womit kommt man klar? Was passt am besten?

Drei Fragen an die Trageberaterin Nora de Staël

1.) Woran erkennen Eltern eine geeignete Tragehilfe?

Die Tragehilfe muss eine Anhock-Spreizhaltung der Beinchen ermöglichen, damit sich die Hüfte gut entwickeln kann. Hilfreich ist ausserdem, wenn der Stoff unter dem Po des Babys, der Steg, sich stufenlos verstellen lässt und von Kniekehle zu Kniekehle reicht. So sind die Gelenke entlastet.

2.) Ab wann können Eltern ihr Neugeborenes in einem Tragetuch oder einer Babytrage tragen?

Sofort nach der Geburt. Bei einigen Modellen (z.B. Ergobaby) ist ein Neugeborenen-Einsatz notwendig. Das Gesicht des Kindes muss immer frei von Tuchsträngen und Tragejacken sein, damit es genug Sauerstoff bekommt.

3.) In welchen Situationen ist das Tragen sinnvoll?

Eltern können ihr Kind tragen, wann immer sie wollen und es Kind und Eltern angenehm ist. Das Tragen ist ausserdem sehr gut geeignet, um eine neue Bezugsperson einzuführen.

Ältere Babys auf den Rücken!

Um den dritten Lebensmonat herum wird das Baby wacher und neugieriger. Jetzt will es mehr von der Welt sehen. Wird es aber im Tragetuch oder einer anderen Tragehilfe längere Zeit vor dem Bauch mit dem Gesicht nach vorn getragen, kann es zu einer Reizüberflutung kommen. Nora de Staël: «Jetzt ist es von Vorteil, das Baby auf dem Rücken zu tragen. Dort kann es sich jederzeit einkuscheln, wenn es genug gesehen hat.»
A propos Rücken: Rückenschmerzen treten selten auf, wenn Eltern ihr Kind von Anfang an viel tragen. «Die Muskeln passen sich dem steigenden Gewicht des Babys an», so Nora de Staël. Und wenn es im Rücken doch zieht, sticht oder zwackt? «Die schlechteste Reaktion ist, das Kind einfach weiterzutragen». Besser sei es, sich von einer Trageberaterin bezüglich der Binde-Technik oder der Einstellung der Trage helfen zu lassen. «Denn oft reicht es, das Tuch etwas anders zu binden oder die Babytrage anzupassen.»

 

Oder doch nicht tragen?

 

Ob im Tuch, in der Babytrage, ob am Bauch oder auf dem Rücken: Tragen tut dem Säugling gut und stärkt die Eltern-Kind-Beziehung. «Doch den Eltern sollte kein neues Dogma auferlegt werden«, warnt Nora de Staël. «Es ist schön, dass Babytrage und Tragetuch viele Eltern im Alltag entlastet. Eltern sind aber selbstverständlich genauso wertvoll, wenn sie ihr Kind lieber im Kinderwagen schieben.»

Motorik, Hüftentwicklung, Körperwärme: Die Vorteile von Babytrage und Tragetuch

  • Die Bewegungen der Trageperson regen schon Neugeborene zu ausgleichenden Mikrobewegungen an. Die Entwicklung von Muskeln und neuronalen Verbindungen im Gehirn wird gefördert. Kreislauf und Atmung kommen in Schwung.
  • Tragen fördert die Hüftentwicklung, bestätigen wissenschaftliche Untersuchungen. Vorausgesetzt, die Beinchen des Babys sind im Babytragetuch oder in der Trage angezogen und gespreizt. Dabei ist es notwendig, das Tuch richtig zu binden beziehungsweise die Babytrage richtig einzustellen.
  • Der enge Körperkontakt wärmt das Kleine. Nora de Staël: «Das ist gut, denn Babys kühlen schnell aus. Sie benötigen viel wertvolle Energie, um ihre Köpertemperatur aufrecht zu halten.»

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Foto: Getty Images

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