Babyratgeber

Experteninterview: Einschlafhilfe bei Kleinkindern

Auch im zweiten Lebensjahr ist der Schlaf ein grosses Thema und vor allem Einschlafprobleme beschäftigen viele Familien. Wir haben mit Kinderschlaf-Expertin Sibylle Lüpold alltagstaugliche Tipps zusammengestellt.

Sibylle Lüpold ist Still- und Schlafberaterin sowie Gründerin und Geschäftsführerin von 1001kindernacht, einem Beratungs- und Weiterbildungsangebot für Eltern und Fachleute zum Thema Kinderschlaf in Bern.

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Sibylle Lüpold

Still- und Schlafberaterin

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0-3 Jahre Baby

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Feste Bettzeit-Rituale zu denen eine Gute-Nacht-Geschichte und ein Schlaflied gehören können, geben Kindern Sicherheit und helfen beim Einschlafen.
  • Wenn Ihr Kind bereits in seinem eigenen Zimmer schläft, erleichtern ein grosses Bett oder eine Matratze neben dem Kinderbett die Einschlafbegleitung für die Eltern.
  • Überprüfen Sie den individuellen Schlafbedarf Ihres Kindes. Wird es abends vielleicht erst recht spät müde, weil es sein letztes Schläfchen am späten Nachmittag hatte?
     

Leise will die Mutter das Kinderzimmer verlassen. Doch kaum ist sie an der Tür, beginnt das Kind zu schreien und zu weinen. Wie jeden Abend. Warum nur? Und wie sieht eine funktionierende Einschlafhilfe für das Kleinkind ab dem zweiten Lebensjahr aus? Wir haben die wichtigsten Fragen, Antworten und Tipps gesammelt, damit Ihr Kind schnell zur Ruhe kommt.

Will mein Kind nicht einschlafen?

Diese Frage stellen sich Mütter und Väter immer wieder, wenn sie den Feierabend herbeisehnen und sich über Einschlafprobleme des Kindes ärgern. Doch die Frage beinhaltet einen Trugschluss. Kinder wollen ja einschlafen. «Sie wehren sich nicht gegen den Schlaf, sondern gegen die Trennung von den Eltern», macht Kinderschlaf-Expertin Sibylle Lüpold von 1001kindernacht.ch aus Herrenschwanden (BE) deutlich. «Sie möchten einschlafen, wenn sie müde sind.»

Hohes Schutzbedürfnis

Wenn kleine Kinder in ihrem Bett schreien und zetern, damit sie nicht allein gelassen werden, folgen sie einem genetischen Programm. Denn sich selbst überlassen, hätten sie die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte kaum überlebt. «Die ungeschützten Winzlinge wären von Hyänen verschleppt, von Bären gefressen oder von Schlangen gebissen worden», so Herbert Renz-Polster, Kinderarzt und assoziierter Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg in seinem Buch «Kinder verstehen. Born to be wild». Auch Sibylle Lüpold betont: «Kleinkinder haben zwar die erste Fremdelphase schon hinter sich gelassen. Doch es liegt weiterhin in ihrer Natur, alles zu versuchen, um die Trennung von den Eltern zu verhindern.»
 

Sollten Kleinkinder noch im Bett der Eltern schlafen?

«Natürlich dürfen sie bei den Eltern schlafen, vorausgesetzt die Eltern sind einverstanden», erklärt Sibylle Lüpold. Sie macht die Vorteile dieser Einschlafhilfe für die ganze Familie deutlich: «Wenn es neben Mama oder Papa einschläft, können sich alle über eine bessere Nachtruhe freuen. Das Kind fühlt sich sicher, weil es Mama oder Papa hören, riechen und fühlen kann. Und deshalb weckt es sie seltener, wenn es nachts wach wird.» Das führe bei Müttern und Vätern zu dem Gefühl, das Kleine habe durchgeschlafen.

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Können Kinder im zweiten Lebensjahr auch im eigenen Zimmer schlafen?

Manche Kinder schlafen bereits lange vor ihrem ersten Geburtstag im eigenen Zimmer, andere bleiben auch im zweiten Lebensjahr noch nachts bei den Eltern. Es gibt so viele Lösungen, wie es Familien gibt. Sibylle Lüpold sagt: «Ein Kind kann nach dem ersten Geburtstag ins Kinderzimmer umquartiert werden. Aber alleine kann es dort vermutlich noch nicht einschlafen.» Zwar reicht es manchen Kindern zum Einschlafen, ihre Eltern durch den offenen Türspalt zu hören oder zu beruhigender Musik einzuschlafen, doch viele Kinder brauchen auch im zweiten Lebensjahr noch die Anwesenheit der Eltern, um einzuschlafen. 

Deshalb empfiehlt Sibylle Lüpold im Kinderzimmer ein grosses Bett. Dort lässt sich zusammen kuscheln – abends beim Gute-Nacht-Sagen genauso wie in der Nacht, wenn das Kind rufen sollte. Auch eine Matratze neben dem Kinderbett eignet sich, damit die Eltern bequem liegen, während sie ihr Kind in den Schlaf begleiten.

Und wenn das Einschlafen trotzdem lange dauert?

Das Licht ist aus. Mama oder Papa werden die Augenlider schwer, der Nachwuchs aber schläft immer noch nicht. Ein Blick auf den Wecker zeigt, dass bereits eine halbe Stunde verstrichen ist. Ist das noch normal? «Eine halbe Stunde bis zum Einschlafen liegt im Rahmen», erklärt Sibylle Lüpold.

Einschlafhilfe: 3 Tipps, damit Ihr Kind schnell und leicht einschläft

1.) Schlafbedarf überprüfen

«Ist das Kleine überhaupt müde?» Eltern tun gut daran, sich bei Einschlafproblemen diese Frage zu stellen. «Oft denken Eltern, das Kind muss müde sein, oder sie wünschen es sich», weiss Sibylle Lüpold aus Erfahrung. «Doch wenn es tagsüber zwei Schläfchen macht und das letzte zwischen vier und fünf Uhr lag, ist es am Abend wahrscheinlich noch putzmunter.» In solch einem Fall wird es mit der Einschlafhilfe natürlich schwierig. Den Tagesschlaf zu kürzen und den Sohn oder die Tochter sanft zu wecken, kann am Abend zu einer früheren Nachtruhe führen. 

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2.) Ritual einführen

Rituale geben Sicherheit. Und weil die jüngsten Familienmitglieder gerade beim Einschlafen ein hohes Schutzbedürfnis haben, sind Bettzeit-Rituale so wichtig. Aber welches ist das Beste? «Es gibt kein ultimatives Ritual», sagt Sibylle Lüpold. «Alles ist gut, was dem Kind Freude macht, ohne es wieder aufzuputschen, und alles, was Eltern über längeren Zeitraum leisten wollen.» Neben dem Kind liegen und über den Tag sprechen. Eine Gute-Nacht-Geschichte lesen. Ein Lied singen. Eine kleine Massage machen. «Das Ritual muss nicht lang sein. Wichtig ist aber, dass das Kind sich darauf verlassen kann.»

Auch vor dem eigentlichen Bettzeit-Ritual können Eltern feste Abläufe einführen. Das Kind darf noch einmal sein Lieblingsspiel spielen, dann wird der Schlafanzug angezogen, im Anschluss gibt es noch einen Schoppen, bevor die Zähne geputzt werden. So weiss das Kind: Gleich geht es ins Bett.

3.) Entspannt in den Abend hinein

Das Kleine soll schlafen, aber es ist so aufgedreht. Und was ist mit den Eltern? «Kinder spüren, wenn Mama oder Papa nervös sind. Und es folgert daraus, dass es besser nicht einschlafen sollte, denn die Anspannung verunsichert es», so erklärt Sibylle Lüpold den beginnenden Teufelskreis, in dem sich die ganze Familie mit Nervosität gegenseitig ansteckt. «Sinnvoll ist es, sich auf sich selbst zu besinnen. Was kann ich tun, damit wir alle abends entspannter sind?» 

Die Mutter kann zum Beispiel vor dem Zubettbringen ein Bad nehmen oder Yoga machen, während der Vater noch mit dem Kind spielt. Beide können sich auch überlegen, wie sie die Zeit positiv nutzen können, während sie das Kind in den Schlaf begleiten. Sie können dabei zum Beispiel Musik oder Hörbücher hören. Möglich ist auch, Meditations- oder Atemübungen zu machen.

Sind Kuscheltiere oder gedimmte Lichter als Einschlafhilfen empfehlenswert?

Einschlafhilfen wie Schmusetier oder Lieblingspuppe sind in Ordnung. Notwendig sind sie aber nicht, wenn Eltern ihr Kind beim Einschlafen und in der Nacht begleiten. Sibylle Lüpold: «Einschlafhilfen können aber bei Übernachtungen in der Kita oder bei den Grosseltern hilfreich sein.» Denn das geliebte Kuscheltier vermittelt dem Kind Geborgenheit und Sicherheit, egal wo es übernachtet. Ein Nachtlicht kann Ihrem Kind im eigenen Zimmer oder auswärts Sicherheit bieten, wenn es mitten in der Nacht aufwacht.

Was bringt eine intensive Einschlafbegleitung langfristig?

«Wenn Eltern ihr Kind in den ersten drei Lebensjahren beim Einschlafen begleiten, lernt das Kind: Schlafen gehen ist schön und im Bett bin ich geborgen!», erklärt Sibylle Lüpold.  Es hat dann das Einschlafen mit positiven Gefühlen gekoppelt. «Diese Gefühle bleiben», weiss die Einschlaf-Expertin. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind in Zukunft abends gern ins Bett geht und nachts nur selten zu den Eltern schleicht.

Fotos: Getty Images / zVg Sibylle Lüpold

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