Babytipp

Das zweite Kind verändert das eingespielte Familienleben

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Baby Kleinkind

Ein zweites Kind verändert das Familienleben erneut. Aufgabenteilung, Berufstätigkeit, Betreuung müssen neu angeschaut und möglicherweise anders organisiert werden.

Sobald das erste Kind etwa ein Jahr alt ist, beginnen sich viele Eltern mit dem Gedanken an ein zweites Kind auseinanderzusetzen. Mit der Frage nach einem zweiten Kind und der Familienerweiterung sind unterschiedliche Überlegungen verknüpft: Wünschen Sie sich mehrere Kinder oder sind Sie beruflich und privat zu engagiert für ein zweites Kind? Lässt die Wohnsituation ein zweites Kind überhaupt zu? Welche Berufspläne stehen bei Ihnen und Ihrer Partnerin, Ihrem Partner an? Wie sieht die finanzielle Situation aus?

Es gibt viele Gründe für und viele Gründe gegen eine Familienvergrösserung. Wichtig ist, dass beide Elternteile offen aussprechen, was aus ihrer Sicht dafür und was dagegen spricht. Sobald sich beide einig sind, dass sie ein zweites Kind haben möchten, stellt sich die Frage nach dem geeigneten Zeitpunkt. Obwohl es Theorien über den idealen Altersunterschied zwischen dem ersten und zweiten Kind gibt, sollte jede Familie diese Frage individuell beantworten.

Geschwisterliebe will gelernt sein 

Unabhängig davon, welcher Altersunterschied zwischen den Geschwistern liegt, eine Schwester oder ein Bruder bringen für das erste Kind grosse Veränderungen mit sich. Es ist nicht länger allein und muss lernen, die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern zu teilen. Der Aufbau der Geschwisterbeziehung sollte verständnisvoll und einfühlsam begleitet sein, denn Geschwisterliebe kann nicht einfach vorausgesetzt werden. Eine Beziehung muss entstehen und braucht Zeit, sich zu entwickeln. Auch Eltern müssen sich neu orientieren und ihre Fürsorge und Zuwendung auf zwei Kinder aufteilen.

Die Tage nach der Geburt 

Ideal ist, wenn der Vater nach der Geburt einige Tage, besser noch ein bis zwei Wochen, beim ersten Kind zu Hause bleibt. Die Veränderung ist dann nicht allzu abrupt, und die ganze Familie wächst gemeinsam in die neue Situation hinein. Falls dies nicht möglich ist, wäre es sinnvoll, wenn das Kind während der Abwesenheit der Mutter von jemandem, den es gut kennt, zu Hause betreut wird. Ein Ortswechsel kann, muss aber nicht, zusätzliche Probleme mitbringen. Das Kind braucht Zeit, um sich an die neue Familiensituation zu gewöhnen und Gewissheit zu erlangen, dass es noch genau gleich geliebt wird. Deshalb ist wenig empfehlenswert, die Betreuungssituation unmittelbar nach der Geburt zu verändern.

Umgang mit der neuen Familiensituation 

Die einen Eltern bewältigen die neue Familiensituation leicht, andere müssen sich – zusammen mit dem ersten Kind – erst wieder neu orientieren. Wenn das Erstgeborene bereits eine Kindertagesstätte besucht, fällt ihm der Besuch möglicherweise nach der Ankunft des Geschwisterchens schwer. Wichtig ist, mit den Betreuerinnen über diese vorübergehende Krise zu sprechen und das Kind wie gewohnt in die Kindertagesstätte zu schicken. Trotz Ablösungsproblemen vermittelt dieser vertraute Alltag den meisten Kindern zusätzliche Sicherheit.

Unterstützung durch den Vater 

In den Tagen und Wochen vor der Geburt ist die Unterstützung durch den Vater oder eine andere Bezugsperson nötiger als zuvor. Falls der Vater nicht bereits für das Einschlafzeremoniell, den abendlichen Badeplausch, das Wickeln usw. zuständig ist, sollte er die Gelegenheit nutzen, vermehrt solche Aufgaben zu übernehmen. Es vereinfacht die Situation nach der Geburt, wenn das ältere Kind bereits daran gewöhnt ist, dass der Vater für seine Bedürfnisse genauso zuständig ist wie die Mutter. 

Auch wenn es auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, sollte die Betreuung der beiden Kinder nach der Geburt nicht einseitig aufgeteilt werden. Dass sich die Mutter vorwiegend um das Neugeborene kümmert und der Vater sich um das Erstgeborene, ist nicht zu empfehlen.

Nicht mehr alleine im Mittelpunkt 

Mit der Geburt eines Geschwisters beginnt für das ältere Kind eine grosse Umstellung und Veränderung. Bis anhin war das «Einzelkind» gewöhnt, meist Mittelpunkt zu sein. Alles wurde von den Erwachsenen wahrgenommen und kommentiert, ob es nun lustig oder störend war. Bedürfnisse wie Hunger, Durst oder der Wunsch nach Aufmerksamkeit wurden sogleich erfüllt. Mit der Ankunft eines zweiten Kindes ändert sich alles schlagartig. Wünsche werden nicht mehr immer umgehend erfüllt, Interesse und Zuwendung der Eltern müssen mit dem Bruder oder der Schwester geteilt werden. Für das ältere Kind bedeutet diese Situation einen Balanceakt zwischen Freude und Neugier, Unsicherheit und Eifersucht.

Mit Veränderungen im Familienleben klarkommen 

Mit dem nötigen Einfühlungsvermögen bewirken Eltern, dass das Erstgeborene mit den Veränderungen im Familienleben klarkommt und sich positiv auf das Geschwisterchen einstellt. Trotzdem kommt es vor, dass «grosse» Kinder plötzlich wieder nach der Flasche verlangen, ausgesprochen anhänglich sind, nicht mehr zur Tagesmutter oder in die Kindertagesstätte gehen möchten.

Ein Geschwisterchen löst Verunsicherung aus 

Verunsichert durch die neue Situation schlüpft das grössere Kind vielleicht selber in die Rolle des kleinen Geschwisterchens. Schliesslich erlebt es täglich, dass das Verhalten des Neugeborenen Aufmerksamkeit und Zuwendung der Eltern bewirkt. Möglicherweise zeigt es Desinteresse gegenüber dem Baby oder reagiert mit Aggressionen auf die Mutter, die offensichtlich an allem schuld ist. Lassen Sie sich nicht irritieren und gehen Sie auf das Bedürfnis ein, dass es wie ein Baby gehegt und gepflegt werden möchte. Geben Sie Ihrem älteren Kind beispielsweise auch manchmal wieder die Flasche, tragen Sie es hin und wieder umher und behandeln Sie es ab und zu wie das kleine Geschwister.

Foto: Getty Images

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