Schulanfang

Schultüte: überflüssige Zuckerbombe oder liebgewonnener Brauch zum Schulanfang?

Nützliche Informationen

Schultüten erfreuen sich auch in der Schweiz einer wachsenden Beliebtheit. Doch während die einen den Brauch zum Schul- oder Kindergartenstart ganz wunderbar finden, sind andere von der importierten Tradition nicht gerade begeistert. Lesen Sie selbst.

Pro und Contra

Da steckt ganz schön viel Liebe drin

Der Wecker bräuchte an diesem Tag wohl gar nicht erst zu klingeln: Zu gross dürfte die Aufregung für langes Ausschlafen bei den Kleinen sein. Denn endlich ist es soweit, der erste Schul- oder Kindergartentag ist da!  

Uns Eltern, Gottis, Grossmamis, Tanten oder sonst wie Verbandelten liegt es ganz besonders am Herzen, den Kleinen diesen auch für uns so emotionalen Tag auf ganz persönliche Art und Weise zu versüssen. Da kommt eine so wunderbare Erfindung wie die Schultüte wie gerufen. 

Denn es gibt so vieles, was die Kinder im Schulalltag nun gebrauchen können und das sie ganz nebenbei zum Strahlen bringt: Buntstifte und lustige Radiergummis, Stickers und Notitzbüchlein, Haargummis und originelle Spitzer, Malbuch oder Gummitwist für die Pause… Und manchmal auch einfach ein kleiner flauschiger Glücksbringer oder Trostspender für diejenigen Momente, in denen die Kleinen eine Extraportion Mut brauchen.  

Eine liebevoll gefüllte Schultüte gehört für mich drum zum Schulanfang dazu. Ganz egal, ob nun selbstgebastelt oder gekauft. Nebensächlich auch, dass der Brauch nicht traditionell schweizerisch, sondern von jenseits der nördlichen Grenze geklaut ist. Denn neben den Überraschungen steckt in der Tüte immer auch eine grosse Portion Liebe drin. Wer will, packt noch ein paar Süssigkeiten mit rein. Oder einen kleinen Wecker für diejenigen Tage, an denen das mit dem Aufstehen dann nicht mehr ganz so rund läuft. 

Corina Hauser, 37, Famigros Online-Redaktion

Überflüssig und sperrig

Vor ein paar Wochen habe ich wieder einmal mein altes Fotoalbum hervorgeholt und mir gemeinsam mit meiner Tochter das Bild von meinem ersten Schultag angeschaut. Wie ich mit meinem neuen, roten Leder-Schulthek posierte, stolz und ziemlich aufgeregt angesichts des grossen Moments. 

Seit der Aufnahme sind mehr als dreissig Jahre vergangen. Vieles ist dennoch gleich geblieben. Die Nervosität bei Kindern wie Eltern vor dem ersten Schultag. Das Strahlen im Kindergesicht, wenn es seinen Thek zum ersten Mal anzieht und sich auf einen Schlag so viel älter und reifer fühlt.

Vieles hat sich aber auch verändert. Die Kinder sind beim Eintritt in die erste Klasse eigentlich schon längst Schüler, zählt der Kindergarten doch mittlerweile auch zur Schulzeit. Die Schultheks sehen heute eher aus wie Rucksäcke, sind ergonomisch geformt und je nach Modell sogar aus rezyklierten Pet-Flaschen hergestellt. Und die Schultüte, eigentlich in Deutschland zu Hause, hat die letzten Jahre auch in unserem Land Einzug gehalten und ist am ersten Schultag in immer mehr Kinderhänden zu sehen.

Dass die modernen Theks den Kinderrücken und die Umwelt schonen, finde ich grossartig. Mit dem Schulsystem bin ich zwar nicht immer ganz glücklich, aber die Kindsger scheinen mir gut vorbereitet in die 1. Klasse zu starten. Die Schultüte hingegen finde ich total überflüssig.  Es erschliesst sich mir schlicht nicht, welchen Sinn es haben soll, einem Kind zum ersten Schultag ein sperriges Kartonteil voller Süssigkeiten zu schenken. Weil man so den Tag zelebrieren will? Dann wäre aber doch ein gemeinsames Abendessen mit dem Lieblingsmenu des Kindes viel passender. Oder weil man dem Kind den Schulstart im wahrsten Sinne des Wortes versüssen will? Nun, in der Schule dürfen die Kleinen die Bonbons sowieso nicht essen. Und sie würden davon höchstens noch hibbeliger. Als Glücksbringer taugt das Riesenteil auch nicht, schliesslich kann man es am zweiten und dritten Tag nicht mehr mitschleppen. Bliebe noch die Begründung «Das macht man halt so». Doch die  lasse ich nicht gelten, schliesslich hat die Schultüte in der Schweiz keine Tradition. 

Bei uns wird es deshalb keine Schultüte geben. Aber dafür vielleicht ein herziges kleines Stofftier, das meine Tochter an ihren Thek hängen kann. Ein Glücksbringer, der sie fortan jeden Tag in die neue Klasse begleiten und sie immer an den denkwürdigen ersten Schultag erinnern wird.

Jeanette Kuster, 41, Online Communications Manager

Wie bastle ich eine Schultüte?

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  • Schneiden Sie etwas mehr als einen Viertelkreis aus einem Bogen Tonpapier aus, so dass Sie ausreichend Klebefläche haben (siehe Bild). Der Bogen gelingt am besten mithilfe eines Bleistiftes und einer daran befestigten Schnur.
  • Schneiden Sie die vorgezeichnete Form aus, bestreichen Sie die Klebefläche mit Flüssigleim und rollen Sie das Papier zu einer Tüte.
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  • Schneiden Sie ein grosses Stück aus dem Krepp-Papier aus, bestreichen Sie den inneren Rand der Tüte mit Leim und kleben Sie das Krepp-Papier daran fest.
  • Zum Schluss kann die Tüte mit allerlei Süssigkeiten oder kleinen, nützlichen Geschenken gefüllt werden.
  • Der Dekoration sind keine Grenzen gesetzt. Bekleben und bemalen Sie die Schultüte je nach Lust und Laune.

Fotos: Getty Images

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