1, 2 oder 3: Der Familienblog der Migros

Monica Müller meistert den Alltag mit Kindern meist mit Humor. Oft ist sie auch unschlüssig, wie sie reagieren soll.

Eltern können ein Lied davon singen: Im Alltag mit Kindern müssen manchmal schnelle Entscheidungen her. Hätten Sie in den folgenden Situationen gleich gehandelt wie unsere Kolumnistin? Finden Sie es heraus.

Monica Müller-Poffa
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Monica Müller

Monica Müller hat zwei Buben (9 und 4), einen Mann, einen Job, einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi. 

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Monica Müller

Monica Müller hat zwei Buben (9 und 4), einen Mann, einen Job, einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi. 

Das Ende

Migros Familienkolumne Das Ende
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Migros Familienkolumne Das Ende
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Illustration: Lisa Rock

31.10.2019

Der Grosse (9) blättert immer mit Interesse die Post durch. Und so liest er auch die Todesanzeige einer Bekannten, die so alt war wie seine Nonna. Er bricht in Tränen aus, schluchzt und schnieft: «Irgendwann sterben auch meine Grosseltern.» 

Der Kleine (4) rennt aus dem Zimmer, umarmt seinen Bruder und fragt: «Hast du dir wehgetan?» Während er «Heile, heile Säge» schmettert, erklärt ihm der Grosse, weshalb er so weinen muss. Der Kleine fragt entsetzt: «Müssen wir auch sterben, wie die Dinosaurier?» Nun flennt auch er. Um den Kleinen zu trösten, sage ich. «Wer weiss, vielleicht landen wir dann alle im Himmel, zusammen mit den Dinosauriern.» Bevor der Kleine Trost in diesem Gedanken finden kann, sagt der Grosse mit einem sarkastischen Unterton: «Das bezweifle ich sehr.» Beide brechen zusammen.

Wie hätten Sie reagiert?

Antwort 1: Das Thema ist wichtig, aber ich denke, es lässt sich nicht für beide Alter zusammen angemessen angehen. Der Grosse verdient eine Ernsthaftigkeit, die man dem Kleinen noch nicht zumuten kann.

Portemonnaie weg

Migros Familienkolumne Portemmonaie weg
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Migros Familienkolumne Portemmonaie weg
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Illustration: Lisa Rock

24.10.2019

Sonntags muss der Grosse (9) bereits in aller Früh auf dem Eisfeld stehen. Der Papa weckt ihn um 5.30 Uhr, fährt und motiviert den müden Spieler, fant und friert. Nach dem Hockeymatch sind wir noch im Wald verabredet. Als wir losziehen möchten, findet der Papa sein Portemonnaie nicht. Wir durchsuchen die Wohnung, durchleuchten das Auto – vergebens. Auch in der Eishalle wurde nichts gefunden. Statt mit uns in den Wald zu spazieren, setzt sich der Papa erneut ins Auto, fährt nochmals in die Pampa hinaus und sucht die Tribüne der Eishalle selber ab – umsonst. 

Wir telefonieren und besprechen, ob er nun alle Kreditkarten sperren lassen soll. Der Kleine (4) hört zu und erklärt fröhlich: «Papis Portemonnaie liegt unter meinem Bett.» Ein Blick unters Bett bestätigt seine Aussage. 

Wie hätten Sie reagiert?

Antwort 3: Ich bin mir nicht sicher, wie vorsätzlich seine Tat war. Da er während unserer Suche versunken spielte, hat er sie wohl gar nicht mitbekommen. Ich schärfe ihm aber ein, Portemonnaie, Schlüssel und Handy grundsätzlich nicht zu verstecken. 

Lächeln

Blogpost Familienkolumne Migros Lächeln
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Illustration: Lisa Rock

17.10.2019

Der Kleine (4) liebt Fotos. Er blättert freudig durch alte Alben, auch wenn es ihn irritiert, dass er da noch nirgends zu sehen ist. Er wischt sich interessiert durch die Tausenden von Bildern, die auf meinem Handy gespeichert sind. Und noch lieber schiesst er selbst Fotos. Von seinen Spielsachen, von sich, von uns. Vom Boden, von der Wand, vom WC. Als seine Gotte ihm eine Kinderkamera schenkt, bin ich begeistert: ein tolles Geschenk!  

Jetzt dokumentiert der Kleine also ungeschminkt unser Leben. Kaputte Legos, volle Abfallkübel, leere Wein­flaschen. Um eine etwas positivere Note in seine Bildsprache zu bringen, schlage ich ihm vor, doch auch wieder mal Menschen zu knipsen. Nun lauert er mir hinter jeder Ecke auf und schreit: «Mami, lächeln!» Bevor ich eine Chance habe, mich zu sortieren, hat er bereits abgedrückt.

Wie hätten Sie reagiert?

Antwort 1: Manche Momente in meinem Leben möchte ich lieber nicht für die 
Ewigkeit festgehalten haben.

Kino

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Illustration: Lisa Rock

06.10.2019

Früher, da war ich oft und gern im Kino. Seit ich Mutter bin, sehe ich vielleicht noch ein, zwei Mal im Jahr Filme auf der richtig grossen Leinwand. Früher, da war ich im Bild über die neuesten Streifen und ihre Würdigungen. Heute kann es vorkommen, dass ich mit meinem Popcorn im weichen Polster versinke und erst am Ende von «Hobbit» merke, dass ich nicht die ganze Geschichte, sondern nur den ersten Teil einer Trilogie erzählt bekomme. Nun habe ich Geburtstag, es regnet, und ich habe eine tolle Idee: Wir könnten dies mit unserem ersten Kinobesuch zu viert feiern! Der «Kleine Drache Kokosnuss» wird bereits ab vier Jahren empfohlen, so alt ist der Kleine schon fast. Wie so oft sind wir etwas knapp dran, und der Film ist ausverkauft. Wir alle sind enttäuscht.

Wie hätten Sie reagiert?

Wir wagen es, zumal der Kleine die Geschichten der prügelfreudigen Gallier aus den Heften kennt und liebt. Bis auf den Showdown, der ihm doch etwas zu wild ist, ist er begeistert von der Erfahrung. 

Festdekoration

Festdekoration Blogpost
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Illustration: Lisa Rock

01.10.2019

Was in seinem Umfeld auftaucht, inspiriert den Kleinen. Erblickt er eine Banane, will er sie essen. Entdeckt er ein Blatt Papier, will er malen. Manchmal lässt er sich entsprechend manipulieren. Ein Velohelm oder ein Leiterlispiel am richtigen Ort platziert – und schon will er velölen oder würfeln. Öfter ist es aber so, dass ihm just etwas ins Auge sticht, auf das wir nicht so wild sind wie er. Nach einer ausufernden Geburtstagsfeier unter Erwachsenen, steht noch ein Papiersack mit Dekorationsartikeln herum. Während wir auf dem Sofa fläzen, entdeckt der Kleine die Girlanden und Ballone – und legt los. Er staffiert unsere Wohnung mit Wimpeln und Luftschlangen aus, sodass kein Durchkommen mehr ist. Stolz sagt er: «Jetzt ist schon alles dekoriert für meinen fünften Geburtstag.» Der ist in elf Monaten.

Wie hätten Sie reagiert?

Uns fehlt die Energie für Widerstand. Und irgendwie finden wir seine Partybereitschaft auch reizend. 

Burger King

Handy-Game Burger King
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Handy-Game Burger King
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Illustration: Lisa Rock

24.09.2019

Je müder ich bin, desto attraktiver scheinen mir kleine Ausnahmen. Beim Nonno verhält es sich anders: Je grösser die Liebe zu seinen Enkeln, desto unnötiger sind Regeln. Denn sie halten die Buben bloss von Dingen ab, die ihnen Spass machen. So darf der Grosse nach Lust und Laune auf Nonnos Handy gamen. Sein Enkel lerne viel, wenn er einen Burgerladen manage, verteidigt der Nonno seine Einstellung. In der Tat scheint der Grosse ein gutes Händchen zu haben: Seine Imbissbude floriert, und er schwingt sich von Level zu Level. Ende Monat wird auch klar, warum: Gegen Aufpreis hat er Fritteusen angeschafft und Personal angestellt. 45 Franken wurden von Nonnos Kreditkarte abgebucht.

Wie hätten Sie reagiert?

Auch wenn der Grosse die 45 Franken in Nonnos Augen gut investiert hat, wird er das nächste Mal seinem Enkel vielleicht eher über die Schulter schauen. Mich jedenfalls freut es, dass ich mit meinen Bedenken gar nicht sooo daneben lag… 

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Die Rückeroberung

Rückeroberung Leben Blogpost
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Rückeroberung Leben Blogpost
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Illustration: Lisa Rock

17.09.2019

Als mein Mann und ich zusammenzogen, träumten wir von einer asiatisch eingerichteten Wohnung. Doch statt schlichten Tatamimatten und Futons hievten wir dann doch unsere alten Möbel in unser neues Zuhause. Der Traum der luftigen Räume war ganz ausgeträumt, als der Grosse auf die Welt kam. Schon bald verstellten Stubenwagen, Kinderbett und Wickeltisch die Wohnung. Mit jedem Geburtstag und jeder Weihnacht kamen Autos, Puzzles, Stofftiere und Legoraumschiffe dazu. Auch nach der Geburt des Kleinen verpassten wir es beim Umzug in eine andere Wohnung, Weite zu schaffen. Das Wohnzimmer, das wir eigentlich als Erwachsenenzone definieren wollten, ist zu einer eigentlichen Turnhalle verkommen. Hier toben sich unsere und andere Buben am Töggelikasten, beim Tischhockey oder mit den Minihockey-Torsets aus. Immer wieder flackert aber der alte Traum auf. Und er wird dringlicher.

Nützliche Informationen

Wie hätten Sie reagiert?

Es ist Zeit für drastische Schritte. Mindestens die Hälfte der Zeit soll der Wohnraum so asiatisch wie möglich sein. Und von da aus erobern wir uns weitere Räume zurück.

Dinosaurier

Dinosaurier Blogpost
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Illustration: Lisa Rock

10.09.2019

Der Kleine ist fasziniert von Dinosauriern. Gehen wir auf den Spielplatz oder einkaufen, packt er mindestens den Tyrannosaurus Rex und den Ankylosaurus ein. Spielt er mit Legoklötzen, baut er Villen mit Pools für die Echsen der Urzeit und ihre Babys. Für die Gutenachtgeschichte wählt er jeweils das Buch «Dinosaurier Rekorde» aus. Während er in seinem himmelblauen Plüschpijama im Bett fläzt und an einem lauwarmen Schoppen nippt, erzähle ich ihm von denjenigen mit den schärfsten Krallen, dem stärksten Biss und dem lautesten Gebrüll. Dann schläft er friedlich ein. Manchmal wüten die faszinierenden Wesen in seinen Träumen weiter. Kürzlich ist er nachts urplötzlich aufgewacht und hat mich wachgerüttelt. Mit Tränen erstickter Stimme fragt er: «Mami, sind wirklich alle Dinos gestorben?»

Wie hätten Sie reagiert?

Ich bringe es nicht übers Herz, ihn mit der ganz harten Realität zu konfrontieren und murmle etwas von Reptilien. Auch deshalb, weil ich so bald wie möglich weiterschlafen möchte. 

Ninja Parkour

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Illustration: Lisa Rock

04.09.2019

Es gibt Leidenschaften des Grossen, die ich nicht teile. Seine Liebe zu Trampolinhöllen ist so eine. Immer wieder spricht er davon, wie sehr er wieder einmal in der Agglomeration in einem fensterlosen Raum um sein Leben springen will. Zugegeben, das waren meine Worte. Und einfach gemacht habe ich es ihm nicht. Zehn Runden Finnenbahn laufen war die Bedingung für den nächsten Trampolin-Ausflug. Er hats geschafft. Nicht am Stück, aber in Raten. Und so fahren wir mit einem Freud des Grossen in eine dieser Hüpfburgen. Weil auch der Kleine dabei ist, muss ich als Aufseherin mit ins Geschehen. Ich sehe, wie die Buben den Ninja Parkour absolvieren und denke: Cool! Das probiere ich jetzt auch. Im Fernsehen sieht das immer so einfach aus. Schon bei der ersten Hürde bleibe ich jämmerlich stecken. «Mami, das ist nicht dein Ernst, oder?», fragt der Grosse.

Wie hätten Sie reagiert?

Der Kleine hüpft sich auch ohne mich durch. Also übe ich, bis ich die erste Hürde schaffe, und noch eine und noch eine. Zum Glück misst niemand die Zeit.

Spielverderber

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Illustration: Lisa Rock

27.08.2019

Zwischen den Bedürfnissen des Grossen und denen des Kleinen liegen fünf lange Jahre. Das ist bei Gesellschaftsspielen besonders spürbar. Der Grosse befolgt die Spielregeln, der Kleine torpediert sie: Beim Monopoly reiht er die strategisch platzierten Häuser mitten im Spiel nach Farben auf; beim Quartett lässt er den Schwarzen Peter verschwinden, weil ihn niemand will; beim Leiterlispiel zählt er zu seinen Gunsten falsch. Dennoch wollen die Buben immer wieder zusammen spielen. Kürzlich haben wir uns La Cucaracula vorgeknöpft. Hier kämpft man als Team mit Kerzen und Knoblauch gegen einen Vampirkäfer, der batteriebetrieben durch die Schlossgänge rast. Die Jagd endet handgreiflich: Der Grosse schmeisst dem Kleinen den Kartonmond an den Kopf, der wirft heulend den Käfer hinter das Sofa.

Wie hätten Sie reagiert?

Die Spiellust ist da, die Unvereinbarkeit bleibt: Ich hoffe, das zweigleisige Zocken zu packen. Falls nicht, können der Grosse und Kleine sich gemeinsam über mich beschweren – das verbindet.

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